TikTok droht Milliardenstrafe wegen süchtig machenden Designs
06.02.2026 - 20:30:12Die EU-Kommission wirft der Videoplattform TikTok schwere Verstöße gegen das neue Digitaldienstegesetz vor. Im Fokus steht das suchtfördernde Design, das besonders für Kinder gefährlich sein soll. Dem Konzern droht eine Strafe von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Umsatzes.
Die Vorwürfe aus Brüssel sind massiv: TikTok habe durch sein Plattform-Design systemische Risiken für die psychische und physische Gesundheit seiner Nutzer geschaffen. Besonders Kinder und Jugendliche seien nicht ausreichend geschützt. Die heute vorgelegten vorläufigen Untersuchungsergebnisse markieren eine neue Eskalationsstufe im Kampf der EU gegen die Macht großer Tech-Konzerne.
Unendliches Scrollen und Autoplay im Visier
Konkret kritisiert die Kommission mehrere Kernfunktionen der App. Das „unendliche Scrollen“, der automatische Videostart und der hochgradig personalisierte Empfehlungsalgorithmus stehen im Zentrum der Vorwürfe. Diese Mechanismen versetzten das Gehirn in einen „Autopilot-Modus“ und untergrüben die Selbstkontrolle der Nutzer.
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Die Behörde bemängelt, dass TikTok wichtige Warnsignale ignoriere. Dazu zählten die nächtliche Nutzungsdauer Minderjähriger oder die Häufigkeit, mit der die App geöffnet wird. Bestehende Kinderschutz-Tools werden als ineffektiv und zu kompliziert für Eltern eingestuft.
DSA: Der neue regulatorische Hebel der EU
Das Verfahren ist ein entscheidender Test für die Schlagkraft des Digital Services Act (DSA). Das Gesetz verpflichtet große Plattformen wie TikTok, Risiken aktiv zu bewerten und zu mindern. Der Schutz von Kindern ist dabei ausdrücklich vorgeschrieben.
Die möglichen Konsequenzen für TikTok sind weitreichend. Neben einer Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes – ein milliardenschwerer Betrag – fordert Brüssel fundamentale Design-Änderungen. Denkbar wären verpflichtende Nutzungspausen oder die Abschaltung des Infinite Scroll.
TikTok wehrt sich – Verfahren geht in heiße Phase
Der Konzern reagierte umgehend und scharf. Eine Sprecherin wies die Vorwürfe als „kategorisch falsch und völlig haltlos“ zurück. Man werde sich mit allen Mitteln wehren.
Die heute veröffentlichten Ergebnisse sind nicht das endgültige Urteil. TikTok hat nun Gelegenheit zur Akteneinsicht und kann schriftlich Stellung beziehen. Erst danach trifft die Kommission ihre finale Entscheidung. Der Fall entwickelt sich zum Musterprozess für die europäische Tech-Regulierung.
Ein Präzedenzfall für die ganze Branche
Die Botschaft aus Brüssel ist klar: „Süchtig machendes Design“ wird als ernsthafter Rechtsverstoß behandelt. Das Verfahren sendet ein Signal an die gesamte Digitalbranche. Parallel laufen bereits ähnliche Untersuchungen gegen andere Konzerne wie Meta.
Kann die EU ihren neuen regulatorischen Zähnen auch Biss verleihen? Die kommenden Monate werden zeigen, ob es zu einer Einigung kommt oder ob die erste milliardenschwere DSA-Strafe verhängt wird. Für europäische Nutzer könnte der Streit langfristig zu weniger manipulativen Online-Umgebungen führen.
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