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TikTok-Diagnosen: Wenn Social Media zum gefährlichen Arzt wird

17.01.2026 - 22:30:12

Immer mehr Menschen diagnostizieren sich selbst mit psychischen Krankheiten – basierend auf TikTok-Videos. Experten warnen vor den Risiken dieser Trend-Diagnosen.

Der einfache Zugriff auf Gesundheitsinfos in sozialen Medien hat zwei Seiten. Einerseits trägt die Thematisierung zur Entstigmatisierung bei. Andererseits führt eine Flut vereinfachter Inhalte zu gefährlichen Fehleinschätzungen. Videos mit Titeln wie „5 Zeichen, dass du ADHS hast“ präsentieren alltägliche Verhaltensweisen als klare Symptome. Vor allem junge Nutzer ziehen daraus voreilige Schlüsse, ohne je einen Facharzt konsultiert zu haben.

Die Plattform-Algorithmen spielen eine Schlüsselrolle. Wer sich für ein Thema wie ADHS interessiert, bekommt immer mehr ähnliche Clips angezeigt. Dieser Echokammer-Effekt verzerrt die eigene Wahrnehmung und kann die Überzeugung festigen, tatsächlich betroffen zu sein. Studien zeigen: Ein großer Teil der populären Gesundheitsvideos auf TikTok ist irreführend oder schlicht falsch.

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Konzentrationsprobleme werden online oft vorschnell als ADHS gedeutet – das verunsichert viele. Der kostenlose Report „Gehirntraining leicht gemacht“ erklärt sieben einfache Prinzipien, enthält 11 alltagstaugliche Übungen und einen kurzen Selbsttest, mit dem Sie Ihre Konzentrationsfähigkeit besser einschätzen können. So erkennen Sie, ob es sich um vorübergehende Unruhe oder um behandlungswürdige Auffälligkeiten handelt – und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Gratis-Report „Gehirntraining leicht gemacht“ herunterladen

Experten betonen die Komplexität psychischer Erkrankungen. Symptome wie Konzentrationsprobleme oder Unruhe können auf ADHS hindeuten, aber genauso gut durch eine Angststörung oder ein Trauma verursacht werden. Kurze Online-Tests können diese Differenzialdiagnostik nicht leisten. Eine seriöse Diagnose erfordert eine umfassende Untersuchung durch Fachleute.

Vom normalen Leben zur Krankheit – und zurück

Ein zentrales Problem ist die Pathologisierung des Alltags. Dabei werden normale emotionale Zustände oder vorübergehende Schwierigkeiten fälschlich als Zeichen einer ernsthaften Störung gedeutet. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Verharmlosung: In manchen Online-Communities werden psychische Probleme als interessante Charakterzüge romantisiert. Das untergräbt die Dringlichkeit einer notwendigen Behandlung.

Die Folgen einer Fehldiagnose sind schwerwiegend:
* Sie kann zu unnötigen Ängsten und lebenseinschränkenden Überzeugungen führen.
* Betroffene starten möglicherweise unwirksame oder sogar schädliche Selbstbehandlungen.
* Im schlimmsten Fall hält sie Menschen davon ab, die tatsächlich benötigte, wirksame Hilfe zu suchen.

Der richtige Umgang mit Social-Media-Infos

Trotz der Risiken hat die Diskussion online auch positive Effekte. Sie schärft das Bewusstsein und kann für manche der erste Anstoß sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Entscheidend ist die kritische Medienkompetenz.

Fachleute raten:
* Informationen aus sozialen Medien immer zu hinterfragen.
* Bei einem ernsthaften Verdacht qualifizierte Fachleute aufzusuchen.
* Seriöse Quellen wie Webseiten medizinischer Fachgesellschaften oder Kliniken zu nutzen.

Eine Selbstdiagnose aus dem Internet ersetzt niemals das Gespräch mit einem Arzt oder Therapeuten.

@ boerse-global.de