Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: Nischenprodukt in der Zange

27.03.2026 - 15:13:02 | boerse-global.de

Thyssenkrupp Steel stoppt die Elektrostahl-Produktion in Frankreich für vier Monate aufgrund einer Importflut aus Asien. Die Aktie erreicht ein neues Jahrestief.

Thyssenkrupp Aktie: Nischenprodukt in der Zange - Foto: über boerse-global.de

Kornorientiertes Elektroband klingt nach Zukunftstechnologie — und ist es auch. Das Spezialprodukt aus dem französischen Werk Isbergues ist unverzichtbar für Transformatoren und Windkraftanlagen. Genau dieses strategisch wichtige Segment steht nun still.

Ab Juni setzt Thyssenkrupp Steel die Elektrostahl-Produktion in Isbergues für vier Monate komplett aus. Rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Der Grund: Asiatische Anbieter haben den EU-Markt mit kornorientiertem Elektroband geflutet — die Importmengen haben sich laut Unternehmensangaben seit 2022 verdreifacht und decken inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten EU-Marktvolumens ab. Preislich liegen diese Produkte teilweise unter den europäischen Herstellungskosten. Konzernchef Angelo Di Martino sprach von einer „ruinösen Importschwemme".

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Das Werk lief bereits seit Januar nur noch auf halber Kapazität. Nun folgt der vollständige Stopp — zunächst befristet, aber mit ungewissem Ausgang. Insgesamt sieht Thyssenkrupp rund 1.200 Arbeitsplätze in Deutschland und Frankreich durch die Marktentwicklung gefährdet. Die Konzernführung fordert wirksame EU-Handelsschutzmaßnahmen; ohne regulatorische Eingriffe drohe dem Geschäftsmodell dauerhafter Schaden.

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An der Börse kommt das schlecht an. Die Aktie markierte heute mit 7,71 Euro ein neues 52-Wochen-Tief — ein Rückgang von knapp 42 Prozent gegenüber dem Oktober-Hoch bei 13,24 Euro. Aktuelle Pflichtmeldungen weisen zudem signifikante Netto-Leerverkaufspositionen von mindestens 0,5 Prozent aus, was zeigt, dass institutionelle Investoren auf weitere Kursverluste setzen.

Langfristige Nachfrage, kurzfristige Misere

Das Paradoxe an der Situation: Der weltweite Bedarf an dem in Isbergues hergestellten Spezialstahl soll sich bis 2050 verdreifachen — angetrieben von der Energiewende. Das strukturelle Wachstumspotenzial ist also vorhanden. Das KGV für 2027 wird mit 6,9 als günstig eingestuft.

Allerdings wurden Umsatz- und Gewinnerwartungen zuletzt mehrfach nach unten korrigiert, die Margen bleiben fragil. Solange wirksame Handelsschutzmaßnahmen auf EU-Ebene ausbleiben, dürfte die Lücke zwischen langfristiger Fantasie und kurzfristiger Realität bestehen bleiben.

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