Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: Juni-Entscheidung zu Materials Services

03.06.2026 - 14:37:23 | boerse-global.de

Thyssenkrupps geplante Abspaltung der Werkstoffsparte droht am Widerstand der Arbeitnehmer zu scheitern. Der Aufsichtsrat entscheidet im Juni.

Thyssenkrupp Aktie: Juni-Entscheidung zu Materials Services - Bild: über boerse-global.de
Thyssenkrupp Aktie: Juni-Entscheidung zu Materials Services - Bild: über boerse-global.de

Der Konzernumbau bei Thyssenkrupp nimmt Fahrt auf. Ausgerechnet die größte geplante Abspaltung droht jedoch zu scheitern – am Widerstand der Arbeitnehmer. Der Aufsichtsrat berät im Juni über die Zukunft der Werkstoffhandelssparte Materials Services. Die Arbeitnehmerseite läuft Sturm, denn die geplante Rechtsform könnte ihr die Mitbestimmung entziehen.

Streit um Mitbestimmung

Diskutiert wird eine Struktur als Kommanditgesellschaft auf Aktien. Diese Konstruktion sichert dem Mutterkonzern die operative Kontrolle, selbst wenn Thyssenkrupp nur noch eine Minderheitsbeteiligung hält. Die IG Metall kritisiert das scharf. Mehrere Insider berichten, das Vorgehen der Konzernführung werde „zunehmend radikaler". Eine KGaA könnte der Arbeitnehmerseite die Mitbestimmung faktisch entziehen.

Materials Services als Schlüssel

Das Gewicht der Entscheidung ist erheblich. Materials Services erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Mehr als 15.000 Mitarbeiter arbeiten dort. Nach Umsatz wäre es die größte Abspaltung in der Konzerngeschichte. Drei mit der Angelegenheit vertraute Personen nennen mögliche Wege: Abspaltung, Börsengang oder Verkauf. Im zweiten Quartal steigerte die Sparte ihren bereinigten Gewinn auf 81 Millionen Euro – fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte um fünf Prozent zu.

Eine Verselbstständigung würde den sogenannten Konglomeratsabschlag verringern. Die einzelnen Geschäftsbereiche würden dann besser bewertet.

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Stahl-Altlasten bremsen

Parallel zur Materials-Services-Debatte belastet ein weiteres Thema die Konzernstrategie. Die Gespräche mit Jindal Steel International über den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an Thyssenkrupp Steel Europe sind ausgesetzt. Der Grund: unüberbrückbare Differenzen bei den Pensionsverpflichtungen, Investitionszusagen und der künftigen Absicherung der Energiekosten.

Solange diese Frage ungeklärt bleibt, dürfte jeder neue Interessent vor denselben Hürden stehen.

Operativer Rückenwind

Das operative Fundament zeigt sich derweil verbessert. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 sprang das bereinigte EBIT auf 198 Millionen Euro – nach 19 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang legte um 32 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zu. Die verfügbare Liquidität belief sich Ende März auf 4,6 Milliarden Euro.

Die Marinetochter Thyssenkrupp Marine Systems meldete einen Rekordauftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro. Ein langfristiger Ertragspuffer, der die Gesamtbewertung stützt.

Die Aktie notiert bei 11,56 Euro – ein Minus von 1,15 Prozent am Mittwoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 19,5 Prozent zu Buche. Der Kurs liegt rund 13 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro.

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Entscheidung im Juni

Der Aufsichtsrat soll über die Zukunft von Materials Services entscheiden. Das Ergebnis dieser Sitzung dürfte den Kurs stärker bewegen als bisher. Das eigentliche Kurspotenzial hängt davon ab, ob CEO López im Juni eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern durchsetzen kann.

Laut Reuters-Berichten prüft der Konzern eine außerordentliche Hauptversammlung im Sommer. Einladungen könnten bereits im Juni verschickt werden, der Termin selbst läge Ende Juli oder Anfang August. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Umbauplan hält – oder ob der interne Konflikt ihn zum Stillstand bringt.

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