Thyssenkrupp Aktie: Abstimmung über tk accelis am Freitag
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 04:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Thyssenkrupp steuert auf eine der größten Weichenstellungen seiner jüngeren Konzerngeschichte zu. Am kommenden Freitag stimmen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Abspaltung der Werkstoffsparte „tk accelis“ ab, die bislang unter dem Namen Materials Services firmierte. Geplant ist im Anschluss ein eigenständiger Börsengang der Einheit noch im laufenden Kalenderjahr.
Neue Sparte mit eigenen Zielen
Wie tk accelis Mitte Juli auf einem Kapitalmarkttag darlegte, soll die Einheit künftig ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 4 Prozent erreichen. Die bereinigte EBITDA-Marge soll auf 4 bis 5 Prozent steigen – im Geschäftsjahr 2024/25 lag sie noch bei 2,0 Prozent. Die Zielmarken markieren einen deutlichen Sprung gegenüber dem bisherigen Niveau und sollen die Sparte als eigenständigen Börsenwert attraktiv machen. Für Anleger ist die Abstimmung am Freitag damit mehr als eine Formalie: Sie entscheidet darüber, ob der seit Jahren diskutierte Konzernumbau von Thyssenkrupp in seine nächste Phase eintritt.
Der Aktienkurs honoriert die Entwicklung bereits seit Wochen. Zum Handelsschluss am Freitag notierte das Papier bei 12,24 Euro, ein Plus von 2,51 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 31,98 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass der Markt den angekündigten Umbau positiv bewertet.
Analysten und Investoren reagieren
Auch von der Analystenseite kam zuletzt Rückenwind. Anfang Juli hob JPMorgan das Kursziel für die Thyssenkrupp-Aktie von 11,80 auf 12,80 Euro an. Parallel dazu bauten institutionelle Investoren ihre Positionen aus: Der Vermögensverwalter Amundi meldete am 24. Juli eine Erhöhung seiner Stimmrechtsanteile auf 5,06 Prozent. Bereits im Februar hatte der gesamte Vorstand – CEO Miguel Ángel López Borrego, CFO Axel Hamann sowie die Vorstandsmitglieder Volkmar Dinstuhl, Ilse Henne und Wilfried von Rath – eigene Aktienpakete erworben, ein Signal des Eigenanteils am angestrebten Umbau.
Regulatorisches Umfeld bleibt Thema
Für die Stahlsparte des Konzerns bringt die europäische Handelspolitik unterdessen gemischte Signale. Die EU-Kommission veröffentlichte am 17. Juli eine Reform des Emissionshandels, die der Stahlindustrie längere Fristen für kostenlose CO2-Zertifikate einräumt. Gleichzeitig sanken die zollfreien Importquoten für Stahl seit dem 1. Juli um 47 Prozent auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen – eine Maßnahme, die europäische Hersteller vor Billigimporten schützen soll.
Die Stahlsparte selbst hatte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Im September 2025 legte der indische Konzern Jindal Steel International laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ein unverbindliches Übernahmeangebot für die gesamte Sparte Steel Europe vor. Kurz darauf, im Oktober, beendeten Thyssenkrupp und die EP Corporate Group ihre Gespräche über ein 50/50-Joint-Venture im Stahlbereich einvernehmlich; der tschechische Investor Daniel Kretinsky verkaufte seine zuvor erworbene 20-Prozent-Beteiligung an Steel Europe zurück an den Konzern.
Nach der Abstimmung über tk accelis richtet sich der Blick rasch auf den nächsten Termin: Am 13. August legt Thyssenkrupp die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 vor. Sie dürften erste Hinweise darauf liefern, wie sich der angekündigte Umbau operativ niederschlägt.
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