Thyssenkrupp Aktie: 37 Milliarden für zwölf U-Boote aus Kanada
07.06.2026 - 04:05:02 | boerse-global.de
Thyssenkrupp treibt die Neuaufstellung des Konzerns voran. Noch im Juni steht eine Vorentscheidung zur Zukunft der Werkstoffsparte Materials Services an. Gleichzeitig belasten Überkapazitäten im globalen Stahlmarkt die Aktie – sie schloss am Freitag bei 11,37 Euro, ein Minus von 3,28 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Plus aber bei 17,50 Prozent.
Fokus auf Materials Services
Der Aufsichtsrat berät voraussichtlich Mitte Juni über die Ausrichtung von Materials Services. Die Sparte erwirtschaftet rund 11,4 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt mehr als 15.000 Mitarbeiter. Drei Optionen stehen im Raum: Abspaltung, Börsengang oder Komplettverkauf.
Konzernchef Miguel López verfolgt das Ziel, Thyssenkrupp schrittweise in eine Finanzholding zu wandeln. In Investorenkreisen wird über eine außerordentliche Hauptversammlung im Sommer spekuliert. Eine Entflechtung von Materials Services wäre der dritte große Einschnitt nach der Verselbstständigung von Nucera und der Marinesparte TKMS.
HKM-Entflechtung abgeschlossen
Die Übertragung der Beteiligung an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann an Salzgitter ist operativ vollzogen. Das reduziert die Komplexität im Stahlbereich und verringert Abhängigkeiten von verlustträchtigen Einheiten. Für Analysten war dieser Schritt eine wesentliche Voraussetzung für die Due-Diligence-Prüfung durch potenzielle Partner. Anleger belohnten die Fortschritte im Mai mit Kursgewinnen – der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bei 10,03 Euro wuchs.
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Sektor-Gegenwind und Verteidigungsfantasie
Die OECD warnt vor strukturellen Überkapazitäten im globalen Stahlmarkt. Das erhöht den Exportdruck und könnte die Margen europäischer Produzenten belasten. Thyssenkrupp setzt auf verschärfte EU-Schutzmaßnahmen, die im Juli greifen.
Parallel dazu bleibt TKMS ein zentraler Bewertungstreiber. Noch im Juni wird die Vergabe eines Großauftrags aus Kanada erwartet: zwölf konventionelle U-Boote. Das Projektvolumen liegt bei bis zu 37 Milliarden Euro. TKMS gilt als einer von zwei verbliebenen Bietern. Der Auftragsbestand der Sparte beträgt bereits über 20 Milliarden Euro.
Charttechnik und Analystensicht
Die Aktie notiert rund 16,78 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 9,73 Euro. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 58,8 – neutral, weder überkauft noch überverkauft. JPMorgan hob das Kursziel auf 11,80 Euro an, das Rating bleibt "Neutral".
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Die Marke von 11,00 Euro gilt als wichtige Unterstützung. Die Entscheidung des Aufsichtsrats zu Materials Services Mitte Juni wird zeigen, ob die Aktie dieses Niveau verteidigen kann.
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