Thyssenkrupp Aktie: 30-Milliarden-Auftrag aus Kanada winkt
19.06.2026 - 17:10:03 | boerse-global.de
Fünf Monate in Folge steigt die deutsche Rohstahlproduktion. Für Thyssenkrupp klingt das nach einer guten Nachricht — wäre da nicht der wachsende Druck durch den europäischen Emissionshandel. Die Aktie gibt am Freitag leicht nach.
Produktion auf Kurs, aber unter der kritischen Schwelle
Im Mai 2026 produzierten deutsche Stahlwerke rund 3,2 Millionen Tonnen Rohstahl. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In den ersten fünf Monaten summierte sich die Gesamtproduktion auf 15,7 Millionen Tonnen — ein Zuwachs von 8,8 Prozent.
Hochgerechnet auf das Gesamtjahr steuert die Branche auf 37,7 Millionen Tonnen zu. Das klingt solide, reicht aber nicht. Branchenexperten sehen 40 Millionen Tonnen als Mindestmarke für eine wirtschaftlich tragfähige Kapazitätsauslastung. Diese Schwelle bleibt vorerst außer Reichweite.
Brandbrief an Brüssel
Parallel zu den Produktionsdaten schlugen 40 Industriekonzerne Alarm. Thyssenkrupp, BASF und ArcelorMittal wandten sich gemeinsam an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und EU-Ratspräsident Costa. Ihr Appell: Das europäische Emissionshandelssystem drohe eine Kostenlawine auszulösen, die die industrielle Basis Europas gefährdet.
Thyssenkrupp Steel, ArcelorMittal Europe und Voestalpine forderten eine vorübergehende Aussetzung der ETS-Kostensteigerungen. Begründung: Die nötige Infrastruktur für grünen Wasserstoff und wettbewerbsfähige Strompreise fehle noch. Ohne Reform drohe ein Rückgang der stahlintensiven Produktion um bis zu 40 Prozent — mit gravierenden Folgen für die Beschäftigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Milliardenchance im Verteidigungsgeschäft
Während die Stahlsparte mit regulatorischem Gegenwind kämpft, könnte die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems für einen Ausgleich sorgen. TKMS bewirbt sich mit dem U-Boot-Typ 212CD um einen kanadischen Großauftrag. Das Volumen: bis zu 12 U-Boote, geschätzter Gesamtwert über 30 Milliarden Euro.
Eine Entscheidung steht noch aus. Der Auftrag würde die Marktstellung von TKMS erheblich stärken — gerade vor dem Hintergrund einer möglichen Verselbstständigung der Marinesparte.
Analysten halten Kurs
Jefferies bewertet die Aktie weiterhin mit „Buy" und einem Kursziel von 13,00 Euro. JPMorgan bleibt bei „Neutral" mit einem Ziel von 11,80 Euro. Der aktuelle Kurs liegt bei 10,56 Euro, rund ein Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,36 Euro. Auf Jahressicht hat das Papier knapp 23 Prozent zugelegt — vom 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro trennt die Aktie allerdings noch ein Abstand von gut 20 Prozent.
Ob der Kanadaauftrag für TKMS gelingt, dürfte den nächsten entscheidenden Impuls liefern. Eine Entscheidung im Bieterverfahren wird in Marktkreisen noch für dieses Jahr erwartet.
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