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The Atlantic verklagt Google wegen KI-gesteuertem Werbemonopol

17.01.2026 - 11:01:12

Mehrere US-Medienhäuser klagen gegen Google und Alphabet wegen mutmaßlicher Wettbewerbsverzerrung im digitalen Werbemarkt und fordern Schadensersatz für massive Einnahmeverluste.

Ein historischer Rechtsstreit erschüttert die Tech-Branche: Das renommierte Magazin The Atlantic hat Google und dessen Mutterkonzern Alphabet wegen mutmaßlicher Monopolbildung im milliardenschweren Markt für digitale Werbung verklagt. Die Klage wirft dem Tech-Riesen vor, mit undurchsichtigen Algorithmen und manipulierten Auktionen systematisch Werbeeinnahmen von Verlagen abzuschöpfen.

Die am 13. Januar 2026 beim Bundesbezirksgericht für den Südbezirk New York eingereichte Klage beschreibt ein ausgeklügeltes System. Google kontrolliere demnach mit seinen Tools DoubleClick for Publishers und AdX jede Seite des Werbegeschäfts – es vertritt gleichzeitig den Verlag, den Werbetreibenden und betreibt die Börse, auf der gehandelt wird. Ein Vergleich aus den Unterlagen macht das Dilemma deutlich: Es wäre, als würde eine Großbank wie Goldman Sachs auch die New York Stock Exchange besitzen – ein klarer Interessenkonflikt, der fairen Wettbewerb unmöglich mache.

Laut Klage hält Google über 90 Prozent des Marktes für Publisher-Adserver und 60 bis 70 Prozent des Marktes für Werbebörsen. Diese Dominanz habe es dem Konzern ermöglicht, über ein Jahrzehnt hinweg Milliarden an potenziellen Einnahmen von Verlagen wie The Atlantic umzuleiten. Für den 168 Jahre alten Verlag sei dies eine existenzielle Bedrohung für unabhängigen, qualitativ hochwertigen Journalismus.

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Das „Geheimprojekt“ und die KI-Manipulation

Im Zentrum der Vorwürfe steht ein undurchsichtiges, KI-gesteuertes System zur Manipulation von Werbeauktionen. Die Klage erwähnt ein bisher unbekanntes internes Google-Projekt, das angeblich Gebotsdaten nutzte, um Verlage systematisch unter Wert zu bezahlen.

Google habe seine Marktmacht genutzt, um mit „Insiderwissen“ zu handeln – es konnte demnach die Gebote der Konkurrenz einsehen, bevor es sein eigenes abgab. So habe der Tech-Gigant Auktionen gewinnen können, indem er gerade genug bot, um die Konkurrenz zu schlagen, statt den tatsächlichen Marktpreis zu zahlen. Interne Analysen, auf die sich die Klage beruft, legen nahe, dass diese Praktiken die Einnahmen der Verlage um bis zu 40 Prozent gedrückt haben könnten.

Eine Welle von Klagen rollt an

The Atlantic steht mit seiner Klage nicht allein da. Es ist Teil einer koordinierten Klagewelle namhafter US-Medienhäuser in dieser Woche. Weitere Verlage wie Vox Media, die Penske Media Corporation (Eigentümer von Rolling Stone und Variety), McClatchy und Advance Publications (Muttergesellschaft von Condé Nast) haben ähnliche Kartellklagen eingereicht.

Die Klagen zeichnen das Bild einer unter Druck stehenden Branche, deren wichtigste digitale Einnahmequelle – Werbung – von einem einzigen Player kontrolliert wird. Medienmanager betonen, die Klagen seien nötig, um Wettbewerb wiederherzustellen und den unabhängigen Journalismus zu retten.

Aufbauend auf dem DOJ-Erfolg von 2025

Die Klagestrategie der Verlage baut auf einem wegweisenden Urteil aus dem Vorjahr auf. Im April 2025 entschied Bundesrichterin Leonie Brinkema zugunsten des US-Justizministeriums (DOJ). Sie befand, Google habe vorsätzlich wettbewerbswidrig gehandelt, um seine Monopolstellung bei Publisher-Adservern und Werbebörsen zu erlangen und zu halten.

Dieses Urteil, das Googles Verhalten als ausgrenzend und schädlich für Verlagskunden bewertete, liefert den neuen Zivilklagen eine solide Beweislage. Während die DOJ-Klage auf strukturelle Änderungen und die Wiederherstellung des Wettbewerbs abzielte, fordern die Verlage nun finanziellen Schadensersatz – möglicherweise verdreifacht nach US-Kartellrecht – für die erlittenen Verluste.

Googles Verteidigung und Marktausblick

Google weist die Vorwürfe entschieden zurück. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Klagen als haltlos. Der digitale Werbemarkt sei äußerst wettbewerbsintensiv, mit starken Mitbewerbern wie Meta, Amazon und TikTok. Verlage und Werbetreibende wählten Googles Tools, weil sie effektiv, bezahlbar und benutzerfreundlich seien – nicht aus Zwang.

Das Unternehmen verweist auch auf jüngste Änderungen seiner Werbetechnologie-Praktiken, etwa die Abschaffung einheitlicher Preisregeln, als Beleg für sein Engagement für einen fairen Markt. Kritiker und Rechtsanalysten halten diese Anpassungen angesichts des verlorenen Gerichtsverfahrens 2025 jedoch für zu spät und zu wenig.

Rechtsexperten rechnen mit einem langwierigen Prozess in New York. Da The Atlantic auf ein Jury-Verfahren pocht, könnten weitere interne Details von Googles algorithmischer Werbemaschinerie ans Licht kommen. Ein Erfolg der Verlage könnte Google zu Milliardenzahlungen zwingen und sein Werbegeschäft grundlegend umkrempeln. Ein Präzedenzfall für Tausende kleinerer Verlage wäre geschaffen – und das finanzielle Gleichgewicht zwischen Inhalte-Schaffenden und den Plattformen, die sie verbreiten, neu justiert.

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