Textron Aktie: Industriesparte steht zum Verkauf
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 13:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Flugzeughersteller, der plötzlich Teile seines Konzerns loswerden will — das lässt aufhorchen. Textron hat am Dienstag nicht nur Quartalszahlen vorgelegt, sondern auch den Verkaufsprozess für sein Industrial-Segment eingeleitet. Die Aktie reagierte trotz solider Umsatzzahlen mit einem Kursrückgang.
Umsatz wächst, Cashflow bricht ein
Im zweiten Quartal legte der Umsatz um 3,0 Prozent auf 3,827 Milliarden Dollar zu. Das Ergebnis je Aktie kletterte auf 1,42 Dollar, bereinigt waren es 1,62 Dollar — beides über dem Vorjahreswert. Textron Aviation steuerte 1,5 Milliarden Dollar bei, getrieben von höheren Preisen, auch wenn die Jetauslieferungen mit 40 Stück unter den 49 aus dem Vorjahresquartal blieben. Bell wuchs deutlicher: Die Sparte legte um 6 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zu, vor allem dank des Militärgeschäfts rund um das MV-75-Cheyenne-Programm.
Beim Cashflow zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Der operative Cashflow der Fertigungssparten fiel von 395 auf 235 Millionen Dollar. Der bereinigte Cashflow vor Pensionszahlungen sackte von 336 auf 154 Millionen Dollar ab. Trotzdem kaufte Textron im Quartal Aktien im Wert von 209 Millionen Dollar zurück.
MV-75-Finanzierung als Unsicherheitsfaktor
Textron bestätigte seine Jahresprognose: ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 6,40 und 6,60 Dollar sowie ein Fertigungs-Cashflow vor Pensionszahlungen von 700 bis 800 Millionen Dollar. Diese Zahlen stehen jedoch unter einem Vorbehalt. Das Unternehmen rechnet mit zusätzlichen Bundesmitteln für das MV-75-Cheyenne-Programm über ein sogenanntes Above-Threshold-Reprogramming-Verfahren. Bleiben diese Mittel aus, könnte das bereinigte Ergebnis um 0,20 bis 0,30 Dollar je Aktie sinken, der Cashflow um bis zu 250 Millionen Dollar.
Der angekündigte Verkaufsprozess für das Industrial Segment markiert einen strategischen Einschnitt. Details zu Käufern oder Zeitplan nannte Textron bislang nicht — die Ankündigung allein reicht aber, um die Frage nach der künftigen Konzernstruktur neu zu stellen. Vorbörslich verlor die Aktie an der NYSE 2,46 Prozent auf 93,71 Dollar.
Der Auftragsbestand bei Textron Aviation lag zum Quartalsende bei 8,0 Milliarden Dollar — ein Polster, das die Sparte auch bei schwankenden Auslieferungszahlen stützt. Ob der geplante Verkauf der Industriesparte den Konzern schlanker und profitabler macht, dürfte sich erst zeigen, wenn Details zum Käuferkreis und zum Zeitplan vorliegen.
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