Terna - Rete Elettrica Nazionale-Aktie (IT0003242622): Bewertung rückt in den Fokus
11.06.2026 - 16:24:21 | ad-hoc-news.deVerantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Märkte & Bewertung. Vor der Veröffentlichung am 11.06.2026, 16:21:39 Uhr geprüft. Details im Impressum.
Die Aktie von Terna - Rete Elettrica Nazionale steht am Donnerstag vor allem wegen ihrer Bewertung im Fokus. Auf Basis aktueller Marktdaten wird der italienische Übertragungsnetzbetreiber an der Heimatbörse Borsa Italiana mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis im mittleren zweistelligen Bereich gehandelt und bietet zugleich eine Dividendenrendite im Bereich von grob 4 Prozent, was Terna für einkommensorientierte Anleger interessant macht. Im deutschen Handel auf Xetra wird die Aktie parallel in Euro notiert; auf finanzen.net wird zuletzt ein Kurs im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Euro-Bereich ausgewiesen, der den Konzernwert im zweistelligen Milliardenbereich widerspiegelt. Das zentrale Thema für Investoren bleibt damit, ob Ertragsstabilität und regulierte Renditen die aktuelle Bewertung rechtfertigen.
Bewertung der Terna-Aktie: Kennzahlen im Überblick
Als regulierter Betreiber des italienischen Hochspannungsnetzes erwirtschaftet Terna relativ planbare Erträge, die von der zuständigen Regulierungsbehörde anhand einer zulässigen Eigenkapitalrendite (WACC) festgelegt werden. Diese Struktur begrenzt zwar das Wachstum, reduziert im Gegenzug aber die Ergebnisvolatilität, was sich typischerweise in einem Bewertungsaufschlag gegenüber zyklischeren Branchen niederschlägt. In der Praxis bedeutet das: Investoren zahlen für Stabilität und Sichtbarkeit der Cashflows einen Aufpreis im Vergleich zu klassischen Industrie- oder Konsumwerten.
Laut Datenanbietern wie finanzen.net wird Terna gegenwärtig mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis aus den letzten zwölf Monaten im Bereich um etwa 18 bis 22 gehandelt, abhängig vom jeweils herangezogenen Gewinnmaß. Diese Spanne liegt in vielen Marktphasen leicht über dem Durchschnitt breiter europäischer Versorgerindizes, die häufig im niedrigen bis mittleren Zehnerbereich taxiert werden. Mit Blick auf das erwartete Ergebnis der kommenden Jahre sinkt das KGV üblicherweise etwas, was den Aufschlag gegenüber dem Sektor relativiert.
Die Dividendenrendite bewegt sich nach Auswertung der Ausschüttungspolitik und der zuletzt gezahlten Dividende um etwa 3,5 bis 4,5 Prozent. Terna verfolgt seit Jahren eine verlässliche Dividendenstrategie, die auf kontinuierliche Steigerungen der Ausschüttung abzielt, solange das regulierte Ergebnis dies zulässt. Für einkommensorientierte Anleger ist diese Kombination aus stabilen, regulierten Cashflows und planbarer Dividende ein zentrales Argument für die Aktie.
Gleichzeitig ist der Kapitalbedarf des Unternehmens erheblich, da Terna die italienische Hochspannungsinfrastruktur für den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien ausbauen muss. Der offizielle Investitionsplan sieht milliardenschwere Ausgaben über mehrere Jahre vor, etwa für neue Leitungen, Netzanbindungen von Offshore-Windparks und Netzstabilitätsprojekte. Diese Investitionen erhöhen die Bilanzsumme und die Verschuldung, werden in einem regulierten Umfeld aber typischerweise in die Tarifbasis integriert und erlauben damit eine Verzinsung über die Netzentgelte.
Aus Bewertungsoptik ist deshalb die Entwicklung des Verschuldungsgrades entscheidend. Terna weist traditionell eine Nettofinanzverschuldung im mehrstelligen Milliardenbereich aus, gemessen am EBITDA ergibt sich damit in vielen Jahren ein Hebel von etwa 3 bis 4. Für regulierte Netzbetreiber wird dieser Bereich von Ratingagenturen in der Regel als noch vertretbar eingestuft, solange Cashflows stabil bleiben und die Regulierungsparameter verlässlich sind. Höhere Investitionen können den Hebel allerdings vorübergehend anheben, was bei steigenden Zinsen stärker ins Gewicht fällt.
Die Marktbewertung spiegelt damit eine Art Kompromiss wider: Einerseits honoriert sie die Visibilität der Erträge und die Dividendenkontinuität, andererseits preist sie die Kapitalintensität und das Zinsumfeld ein. Im Vergleich zu manch rein auf Wachstum ausgelegten Infrastrukturwerten ist das Chance-Risiko-Profil von Terna dadurch ausgewogener, bleibt aber sensibel für Änderungen in Regulierung und Finanzierungskosten.
Blick auf Umsatz, Ergebnis und Cashflows
Für eine sachliche Bewertung der Terna-Aktie ist der Blick auf Umsatz und Ergebnisentwicklung der vergangenen Jahre zentral. Terna erwirtschaftet den Großteil seiner Erlöse mit dem Betrieb, der Wartung und dem Ausbau des italienischen Übertragungsnetzes, hinzu kommen in geringerem Umfang internationale Projekte und Dienstleistungen. Da die Netzentgelte reguliert sind, wächst der Umsatz üblicherweise im Tempo der genehmigten Investitionen und der zugelassenen Renditen, nicht in plötzlichen Sprüngen wie bei stark zyklischen Branchen.
Auf der Ertragsseite zeigt sich ein vergleichbares Muster: Das operative Ergebnis (EBIT) steigt meist moderat, profitiert aber von Effizienzgewinnen, einer optimierten Projektabwicklung und der schrittweisen Inbetriebnahme neuer Anlagen. Nach Steuern bleibt damit ein kontinuierlich wachsender Gewinn, aus dem Terna Dividenden bezahlt und einen Teil zur Finanzierung des hohen Investitionsprogramms einbehält. Extrem starke Gewinnschwankungen sind in diesem Modell eher selten, solange es keine regulatorischen Sondereffekte oder signifikanten Bewertungs- und Zinsänderungen gibt.
Beim freien Cashflow ist die Lage dagegen zyklischer: In Phasen besonders hoher Investitionen können die Mittelabflüsse aus Sachinvestitionen (Capex) den operativen Cashflow temporär übersteigen. Dies führt in einzelnen Jahren zu einer negativen freien Cashflow-Position, die über zusätzliche Verschuldung oder gegebenenfalls Kapitalmaßnahmen gedeckt wird. Im Gegenzug generieren die neuen Anlagen über die folgenden Regulierungsperioden stabile Erträge, die die Finanzierungskosten decken und die Eigenkapitalrendite sichern sollen.
In der Bewertung schlagen sich diese Muster regelmäßig nieder. Investoren, die langfristig denken und auf regulierte Infrastruktur setzen, gewichten die zukünftigen Cashflows und Dividenden oft höher als kurzfristige Schwankungen des freien Cashflows. Kurzfristig orientierte Marktteilnehmer reagieren dagegen sensibler auf starke Capex-Phasen oder Veränderungen im Zinsumfeld. Dadurch kann es zeitweise zu Bewertungsunterschieden zwischen theoretischem fairen Wert und beobachtetem Marktpreis kommen.
Für die Einschätzung von Terna spielt auch die Entwicklung der Eigenkapitalrendite (ROE) eine Rolle, die im regulierten Rahmen häufig im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich angesiedelt ist. Liegt der erzielte ROE dauerhaft nahe der von der Regulierungsbehörde zugelassenen Rendite, gilt das Geschäftsmodell als effizient umgesetzt. Große Abweichungen könnten darauf hindeuten, dass entweder operative Effizienzreserven bestehen oder externe Faktoren wie Zins- und Inflationsentwicklung die regulatorischen Parameter überholen.
Regulatorischer Rahmen als Bewertungsfaktor
Regulierung ist für Terna kein Randaspekt, sondern der Kern des Geschäftsmodells. Die Zulassung der Netzentgelte, die Berechnung der zulässigen Rendite und die Anerkennung von Investitionen hängen in Italien von der zuständigen Regulierungsbehörde ab, die den Rahmen typischerweise für mehrere Jahre im Voraus festlegt. Für die Bewertung ist besonders wichtig, dass diese Regeln planbar sind und nicht kurzfristig geändert werden, da Unklarheit über die künftige Rendite unmittelbar auf den Barwert der erwarteten Cashflows durchschlägt.
Im europäischen Vergleich bewegen sich die regulatorischen Renditen für Übertragungsnetzbetreiber häufig in einer engen Spanne, wobei Anpassungen entlang der Zins- und Risikoprämienentwicklung erfolgen. Senkt die Regulierungsbehörde die zulässige Eigenkapitalrendite, bedeutet dies ceteris paribus einen geringeren Ertrag pro investiertem Euro, was bei unverändertem Bewertungsniveau zu einem niedrigeren fairen Wert führen würde. Umgekehrt können höhere Zinsen und steigende Risikoaufschläge zu einer Anhebung der zulässigen Rendite führen, was die Attraktivität von Netzinvestitionen erhöht.
Für Investoren ist daher die Transparenz des Regulierungsprozesses entscheidend. Terna kommuniziert über seine Investor-Relations-Unterlagen, dass die Planbarkeit der regulatorischen Rahmenbedingungen einen wichtigen Eckpfeiler der Unternehmensstrategie bildet. Regelmäßige Konsultationen und klar veröffentlichte Beschlüsse der Regulierungsbehörde ermöglichen es dem Unternehmen, seine Investitionsprogramme mit der Renditeerwartung zu verknüpfen und so die Kapitalallokation zu optimieren.
Bewertungstechnisch lässt sich dieses regulierte Modell häufig mit einem bondähnlichen Profil vergleichen, bei dem ein großer Teil der Erträge wie ein „Kupon“ aus der Netzvergütung wirkt, während Wachstumsimpulse aus zusätzlichen Investitionen kommen. Kursbewegungen reagieren dementsprechend nicht nur auf Unternehmensnachrichten, sondern auch auf Änderungen der langfristigen Zinsstrukturkurve. Steigende Zinsen können den Barwert künftiger Cashflows verringern und führen in vielen Phasen dazu, dass defensive Infrastrukturwerte unter Bewertungsdruck geraten.
Ein weiterer Aspekt ist das regulatorische Risiko im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen zur Energie- und Klimapolitik. Netzinvestitionen sind ein zentrales Element der Energiewende, und viele Regierungen sehen Übertragungsnetzbetreiber als strategische Infrastrukturunternehmen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Investitionen grundsätzlich unterstützt werden, birgt aber auch das Risiko zusätzlicher Vorgaben, etwa zur Versorgungsicherheit, Reduktion von Netzverlusten oder Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Solche Vorgaben können Kosten- und Margenprofile beeinflussen, auch wenn sie langfristig die Rolle der Netze stärken.
Verschuldung, Zinsen und Bilanzstabilität
Die Bewertung von Terna ist eng mit der Kapitalstruktur verknüpft. Als kapitalintensiver Netzbetreiber finanziert das Unternehmen einen erheblichen Teil seiner Investitionen über langfristige Anleihen und andere Fremdkapitalinstrumente. Viele dieser Schuldtitel sind mit festen Zinsen ausgestattet, was kurzfristig die Planbarkeit der Zinsaufwendungen erhöht, aber langfristig Anpassungen an das Zinsumfeld erfordert.
Ratingagenturen beurteilen Terna traditionell im Investment-Grade-Bereich, was die Refinanzierung erleichtert und die Zinskosten im Vergleich zu Unternehmen mit schwächerer Bonität reduziert. Voraussetzung für eine stabile Bewertung bleibt jedoch, dass der Verschuldungsgrad nicht aus dem Ruder läuft und die Kennzahlen im Rahmen der Ratingkriterien bleiben. Dazu gehören typischerweise Verschuldungskennziffern wie Nettofinanzschulden zu EBITDA oder Zinsdeckungsgrade.
In einem Umfeld steigender Zinsen rückt die durchschnittliche Laufzeit der Verbindlichkeiten stärker in den Fokus. Je längerfristig sich Terna zu den historisch niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre refinanzieren konnte, desto langsamer schlagen Zinsänderungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung durch. Bei auslaufenden Anleihen kann es jedoch zu Refinanzierungen zu höheren Zinsen kommen, was die zukünftigen Ergebnisse belastet und so indirekt die Bewertung beeinflusst.
Parallel ist das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme ein Gradmesser für die Krisenfestigkeit. Eine solide Eigenkapitalbasis gibt Puffer gegen unangenehme Überraschungen, etwa regulatorische Anpassungen oder außergewöhnliche Ereignisse im Netzbetrieb. Weil Terna regelmäßig Dividenden ausschüttet, ist die Balance zwischen Ausschüttung, Investitionen und Schuldenabbau ein Dauerthema für die Finanzstrategie. Zu hohe Ausschüttungen könnten das Eigenkapital schwächen, zu niedrige Ausschüttungen würden die Attraktivität für Dividendeninvestoren schmälern.
Für die Bewertung am Kapitalmarkt zählt in diesem Zusammenhang vor allem, ob die Kapitalstruktur als nachhaltig eingeschätzt wird. Solange Terna seine Investitionen ohne deutliche Verwässerung durch Kapitalerhöhungen finanzieren und gleichzeitig die Dividendenpolitik aufrechterhalten kann, dürfte der Markt die aktuelle Struktur als tragfähig einstufen. Eine wesentliche Änderung dieser Balance könnte sich dagegen rasch im Bewertungsniveau widerspiegeln.
Dividende als Kernargument für Einkommensanleger
Für viele Privatanleger steht die Dividende bei der Terna-Aktie im Vordergrund. Der Netzbetreiber verfolgt eine Dividendenpolitik, die auf verlässliche, schrittweise steigende Ausschüttungen zielt und damit einen stetigen Ertragsstrom aus dem Investment verspricht. Dies unterscheidet Terna von Unternehmen mit volatilen Gewinnen, deren Dividenden stark von Konjunkturzyklen abhängen.
Auf Basis der zuletzt gezahlten Dividende und des aktuellen Kurses ergibt sich eine Dividendenrendite um etwa 4 Prozent, wobei diese Kennziffer je nach Kursniveau leicht schwankt. Im Vergleich zu vielen Staats- und Unternehmensanleihen bleibt diese Rendite attraktiv, insbesondere wenn Investoren zusätzlich auf moderates Gewinnwachstum und damit auf mögliche Dividendensteigerungen setzen. Zugleich sollten sich Anleger bewusst sein, dass Dividenden nie garantiert sind und bei veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden können.
Aus Bewertungssicht lässt sich die Dividende über ein Dividendendiskontierungsmodell (DDM) in den fairen Wert übersetzen. In einem einfachen Ansatz wird die erwartete Dividende mit einem Abzinsungssatz diskontiert, der sich aus risikofreiem Zinssatz, Marktrisikoprämie und unternehmensspezifischem Risikoaufschlag zusammensetzt. Steigt etwa der risikofreie Zins bei unveränderter Dividende, sinkt der Barwert der künftigen Ausschüttungen und damit der theoretische fair value der Aktie.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum defensive Versorger- und Infrastrukturtitel wie Terna in Phasen rasch steigender Zinsen zeitweise Bewertungsdruck verspüren, obwohl die laufenden Dividenden unverändert bleiben. Der Markt verlangt dann einen höheren Ertragsaufschlag gegenüber „sicheren“ Anleihen, was nur über niedrigere Aktienkurse oder höhere Dividendenrenditen zu erreichen ist. Umgekehrt profitieren solche Titel in Niedrigzinsphasen von einem verstärkten Anlegerinteresse.
Für die Unternehmensführung besteht die Herausforderung darin, eine verlässliche Dividendenpolitik mit den Investitionserfordernissen der Energiewende zu vereinbaren. Sehr hohe Ausschüttungsquoten können kurzfristig attraktiv sein, schränken aber die interne Finanzierungskraft ein. Eine moderatere Ausschüttung bei gleichzeitig robustem Investitionsprogramm kann langfristig Wert schaffen, wenn die genehmigten Renditen auf das investierte Kapital ausreichen.
Makrotrends: Energiewende, Elektrifizierung und Netzbedarf
Die langfristige Bewertungsperspektive von Terna ist eng mit der Energiewende und der zunehmenden Elektrifizierung der Volkswirtschaft verbunden. Je mehr Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne stammt, desto wichtiger wird ein leistungsfähiges Übertragungsnetz, das Produktion und Verbrauch zeitlich und räumlich ausgleicht. Terna steht hier in Italien im Zentrum der Planung und Umsetzung großer Netzausbauprojekte.
Der steigende Anteil erneuerbarer Energien bringt neue Anforderungen an Netzstabilität und Flexibilität mit sich. Vor allem die volatilen Einspeiseprofile von Wind- und Solarkraftwerken machen umfangreiche Netzausbauten, Speicherlösungen und neue Steuerungstechnologien notwendig. Netzbetreiber wie Terna investieren daher nicht nur in Leitungen, sondern auch in digitale Netztechnik, Regelenergie und innovative Steuerungssysteme, um Frequenz und Spannung im System stabil zu halten.
Zusätzlich wirkt die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr und Wärme als Nachfrageimpuls. Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und neue industrielle Anwendungen erhöhen die Stromnachfrage und verlagern Lastschwerpunkte. Diese Entwicklungen erfordern langfristige Netzausbaupläne und koordinierte Investitionen, die über Jahrzehnte wirken. Für Terna ergeben sich daraus sichtbare Investitionspfade, die bei genehmigter Rendite die Basis für künftiges Ertragswachstum bilden können.
Auf Bewertungsseite sind diese Trends zweischneidig: Einerseits verankern sie das Geschäftsmodell von Terna als zentrale Infrastruktur der Energiewende und sichern langfristig Investitionsmöglichkeiten. Andererseits erhöhen sie die Komplexität und das Projektvolumen, was Planungs- und Ausführungsrisiken mit sich bringt. Verzögerungen, Genehmigungsprobleme oder Kostenüberschreitungen können einzelne Projekte belasten und im Extremfall zu regulatorischen Anpassungen führen.
Für den Kapitalmarkt ist entscheidend, wie gut Terna seine Rolle in diesem Wandel managt. Eine konsequente Projektsteuerung, transparente Kommunikation mit Regulatoren und Investoren sowie eine robuste Bilanzstruktur sind Faktoren, die das Bewertungsniveau stützen können. Beobachter achten daher nicht nur auf klassische Kennzahlen, sondern auch auf Fortschrittsberichte großer Netzausbauprojekte.
Risiken im Bewertungsprofil von Terna
Auch wenn Terna aufgrund des regulierten Geschäftsmodells als relativ defensiver Wert gilt, ist die Aktie nicht frei von Risiken. Ein wesentliches Risiko liegt in möglichen Änderungen des regulatorischen Rahmens, etwa in Form von gesenkten zulässigen Renditen, strengeren Effizienzvorgaben oder veränderten Abschreibungsregeln. Solche Anpassungen könnten die Profitabilität drücken und die Bewertung belasten, insbesondere wenn sie überraschend kommen.
Ein zweites Risiko betrifft das Zinsumfeld. Deutlich steigende langfristige Zinsen erhöhen nicht nur die Refinanzierungskosten für neue Schulden, sondern verändern auch die Bewertungsrelation zu festverzinslichen Anlagen. In einem Umfeld, in dem sichere Staatsanleihen wieder deutlich höhere Renditen bieten, verlangen Investoren in der Regel eine größere Prämie für Aktien mit bondähnlichem Profil, was zu niedrigeren Kursen führen kann.
Operative Risiken dürfen ebenfalls nicht ausgeblendet werden. Störungen im Netzbetrieb, etwa durch extreme Wetterereignisse, technische Ausfälle oder Cyberangriffe, könnten kurzfristig zu höheren Kosten führen und mittelfristig regulatorische Konsequenzen haben. Zwar sind viele dieser Risiken versichert oder werden über die Regulierung teilweise aufgefangen, aber sie können die Wahrnehmung des Risikoprofils verändern.
Hinzu kommen strategische Risiken im Zusammenhang mit der Energiewende. Verzögerungen bei der Umsetzung politischer Programme oder eine Verschiebung von Investitionsprioritäten könnten dazu führen, dass geplante Netzausbauprojekte später oder in veränderter Form realisiert werden. Dies würde die mittelfristigen Wachstums- und Renditepfade beeinflussen und damit auch in Bewertungsmodelle einfließen.
Schließlich spielt die internationale Einbettung des Energiesystems eine Rolle. Italien ist zunehmend in ein europäisches Verbundnetz eingebunden, und grenzüberschreitende Stromflüsse nehmen zu. Änderungen in der europäischen Energie- und Netzpolitik sowie in den Marktregeln können Auswirkungen auf die Aufgaben und Erlösmodelle nationaler Übertragungsnetzbetreiber haben. Für Investoren empfiehlt es sich daher, die europäische Regulierungsebene mit im Blick zu behalten.
Einordnung der Terna-Aktie im Versorger- und Infrastruktursegment
Im Vergleich zu klassischen Versorgern, die Erzeugungs-, Handels- und Vertriebsaktivitäten bündeln, ist Terna fokussierter auf das Übertragungsnetzgeschäft. Das reduziert Exposure gegenüber volatilen Großhandelsstrompreisen und Kraftwerksmargen, erhöht aber die Abhängigkeit von Regulierung und Investitionszyklen. Diese Spezialisierung spiegelt sich in der Risikostruktur und damit in der Bewertung wider.
Innerhalb des europäischen Infrastruktur- und Netzbetreiber-Universums reiht sich Terna in eine Gruppe von Unternehmen ein, die von Investoren als „Core Infrastructure“ betrachtet werden. Diese Titel zeichnen sich durch relativ stabile Cashflows, hohe Kapitalintensität und oft großzügige Dividendenpolitiken aus. Übliche Vergleichsgrößen sind neben klassischen Bewertungskriterien wie KGV und EV/EBITDA auch Kennzahlen wie der prozentuale Anteil regulierter Erträge oder die durchschnittliche Restlaufzeit der Regulierungsperioden.
Terna positioniert sich mit einer Kombination aus italienischem Heimatmarkt, wachsendem Investitionsprogramm für die Energiewende und solider Dividendenhistorie in diesem Segment. Für internationale Investoren bietet die Aktie damit ein Exposure in den italienischen Strommarkt und die dortigen Netzstrukturen, ohne direkt in die volatileren Erzeugungs- und Handelsaktivitäten investieren zu müssen.
Bewertungsseitig wird Terna häufig mit anderen europäischen Netzbetreibern verglichen, etwa mit Unternehmen, die in Ländern mit ähnlichem Regulierungsrahmen aktiv sind. Abweichungen in den Bewertungskennzahlen können aus Unterschieden in der Kapitalstruktur, im Wachstumspfad des Investitionsprogramms oder in länderspezifischen politischen Risiken resultieren. Für Anleger, die verschiedene Infrastrukturwerte im Portfolio kombinieren, kann Terna ein Baustein in einer breiteren Diversifikationsstrategie sein.
Wer die Aktie beobachtet, sollte daher neben den unternehmensspezifischen Kennzahlen auch die Entwicklung des europäischen Versorger- und Infrastrukturindex sowie die Zinslandschaft verfolgen. Änderungen in diesen übergeordneten Faktoren wirken sich häufig auf die Bewertungsmultiplikatoren ganzer Sektoren aus und damit auch auf Titel wie Terna.
Im Ergebnis bleibt die Bewertung der Terna - Rete Elettrica Nazionale-Aktie eine Abwägung zwischen stabilen, regulierten Erträgen, attraktiver Dividende und den Anforderungen eines hohen Investitionsprogramms in einem sich wandelnden Energiesystem. Für langfristig orientierte Anleger steht weniger die kurzfristige Kursbewegung im Vordergrund als die Frage, wie verlässlich die regulierten Cashflows auch in den kommenden Regulierungsperioden fließen und welche Rendite auf das eingesetzte Kapital damit verbunden ist.
Kurzprofil zur Terna-Aktie
- Name: Terna - Rete Elettrica Nazionale S.p.A.
- Branche: Energieinfrastruktur, Übertragungsnetzbetreiber
- Hauptsitz: Rom, Italien
- Kernmaerkte: Italienischer Stromübertragungsmarkt, europäisches Verbundnetz
- Umsatztreiber: Regulierte Netzentgelte, Netzausbau für erneuerbare Energien, Systemdienstleistungen
- Heimatboerse / Notierung: Borsa Italiana (Terna-Aktie), Zweitnotiz im deutschen Handel (z.B. Xetra/Frankfurt; WKN nach Datenlage bei deutschen Kursanbietern wie finanzen.net abrufbar)
- Handelswaehrung: Euro
Weitere Infos zur Terna - Rete Elettrica Nazionale-Aktie
Aktuelle Entwicklungen, Kurse und Hintergründe zur Terna - Rete Elettrica Nazionale-Aktie finden Sie gebündelt im Themenbereich bei ad hoc news sowie im Investor-Relations-Bereich des Unternehmens.
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