Terawulf Aktie: 61 Prozent Plus seit Jahresanfang
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-Infrastrukturunternehmen TeraWulf treibt seine Neuausrichtung auf das lukrative Geschäft mit KI-Rechenzentren massiv voran. Über seine Tochtergesellschaft Raylan Data LLC hat das Unternehmen einen weitreichenden Leasingvertrag mit dem KI-Spezialisten Anthropic abgeschlossen. Die Vereinbarung mit einer Laufzeit von 20 Jahren umfasst eine Kapazität von rund 401 Megawatt für Hochleistungsrechnen (HPC) am Standort Hawesville im Bundesstaat Kentucky.
Strategischer Schwenk auf KI-Rechenzentren
Der Abschluss mit Anthropic wird in Marktkreisen mit einem Gesamtvolumen von etwa 19 Milliarden US-Dollar bewertet. Dieser Schritt markiert eine deutliche Diversifizierung des Geschäftsmodells, das ursprünglich stark auf das Mining von Kryptowährungen fokussiert war. Laut Marktanalysen generieren Rechenzentren für Künstliche Intelligenz pro Kilowattstunde rund 25 US-Dollar, während das Bitcoin-Mining lediglich auf etwa einen US-Dollar kommt. Bis Ende 2026 wird erwartet, dass der Anteil der KI-Umsätze bei führenden Mining-Unternehmen von derzeit 30 Prozent auf rund 70 Prozent ansteigt.
Die Errichtung der Infrastruktur in Kentucky soll in Phasen erfolgen. Erste Teile der Kapazitäten werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027 betriebsbereit sein, während die vollständige Inbetriebnahme für den Beginn des Jahres 2028 geplant ist. Um diesen massiven Ausbau zu finanzieren, plant TeraWulf Berichten zufolge eine Schuldenaufnahme in Höhe von rund 3,5 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht dem 3,4-fachen der im April durchgeführten Kapitalerhöhung, die 1,036 Milliarden US-Dollar einbrachte.
Finanzielle Basis und institutionelle Unterstützung
Trotz der langfristigen Umsatzvisibilität durch den Anthropic-Vertrag zeigten sich die jüngsten Quartalszahlen belastet durch hohe Investitionen. Im ersten Quartal 2026 meldete TeraWulf einen Verlust je Aktie von 1,01 US-Dollar, womit die Konsensschätzung der Analysten von minus 0,19 US-Dollar deutlich verfehlt wurde. Der Umsatz belief sich auf 34,01 Millionen US-Dollar, wovon bereits 21 Millionen US-Dollar aus HPC-Leasingverträgen stammten. Die Cash-Position des Unternehmens lag zuletzt bei soliden 3,1 Milliarden US-Dollar.
Auf der Seite der institutionellen Investoren gibt es jedoch Anzeichen für wachsendes Vertrauen. Freemont Management S.A. erwarb im ersten Quartal 226.600 Aktien des Unternehmens. Auch andere Adressen wie Jennison Associates und Sanctuary Advisors haben ihre Positionen deutlich aufgestockt. Demgegenüber stehen Insiderverkäufe: CEO Paul Prager veräußerte Ende Mai ein Paket von 166.650 Aktien zu einem Preis von 24,43 US-Dollar.
Marktpositionierung und Analystenprognosen
Die Aktie von TeraWulf notiert derzeit bei einem Schlusskurs von 15,71 € und zeigt damit seit Jahresanfang eine positive Entwicklung von 61,27 %. Dennoch spiegelt der aktuelle Kurs eine deutliche Korrektur wider; der Abstand zum 52-Wochen-Hoch liegt bei -39,49 %. Ein Grund für den jüngsten Druck auf den Sektor könnte ein Moratorium im Bundesstaat New York sein, das Genehmigungen für neue Rechenzentren mit einer Kapazität von mehr als 50 Megawatt vorübergehend gestoppt hat.
Analystenhäuser bewerten die Aktie dennoch überwiegend positiv. Cantor Fitzgerald vergibt ein "Overweight"-Rating mit einem Kursziel von 37 US-Dollar, während Rosenblatt Securities die Aktie mit "Buy" und einem Ziel von 30 US-Dollar einstuft. Der durchschnittliche faire Wert wird in einigen Analysen sogar auf über 36 US-Dollar taxiert, was auf eine erhebliche Unterbewertung hindeutet. Das wachsende Interesse von KI-Größen wie Anthropic an langfristigen Verträgen unterstreicht die Bedeutung der Infrastrukturanbieter in der aktuellen Phase des KI-Booms. Während Anthropic auch über Kooperationen mit Meta und SpaceX verhandelt, bildet der Vertrag mit TeraWulf eine wesentliche Säule für deren langfristige Rechenkapazitäten.
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