Templeton, Dragon

Templeton Dragon Fund (TDF): Chance im China-Crash oder Value Trap?

23.02.2026 - 22:20:50 | ad-hoc-news.de

China-Aktien bleiben unter Druck – und ausgerechnet jetzt rückt der Templeton Dragon Fund (TDF) wieder in den Fokus deutscher Anleger. Was hinter dem Rabatt auf den Nettoinventarwert steckt und wer hier noch einsteigen sollte.

Bottom Line zuerst: Der Templeton Dragon Fund (TDF) notiert weiter mit deutlichem Abschlag auf seinen Nettoinventarwert und hängt an der schwachen Stimmung für China-Aktien – zugleich spekulieren professionelle Anleger auf eine Erholung und mögliche Maßnahmen des Managements, um den Kurs zum inneren Wert aufzuschließen. Für deutsche Investoren ist TDF damit ein hochvolatiler, aber potenziell lukrativer Hebel auf eine China-Wende – allerdings mit speziellen US- und Fondsrisiken.

Was Sie jetzt wissen müssen: Der Fonds bleibt stark von politischen Entscheidungen in Peking, der Entwicklung des Renminbi und der globalen Risikoaversion abhängig. Wer als deutscher Anleger in TDF investiert, wettet nicht nur auf China, sondern auch auf die Fähigkeit des Managements, den Abschlag zum Nettoinventarwert (NAV) zu verringern.

Mehr zum Produkt Templeton Dragon Fund direkt beim Anbieter

Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs

Der Templeton Dragon Fund (ISIN: US88018T1051, Ticker: TDF) ist ein in den USA gelisteter Closed-End Fund, der primär in chinesische und breiter gefasst in Greater-China-Aktien investiert. Damit bildet TDF ein konzentriertes Exposure auf einen Markt, der seit Jahren von Immobilienkrise, Regulierungsschocks und geopolitischen Spannungen geprägt ist. Die Performance von TDF hing in den vergangenen Quartalen stark an denselben Faktoren wie große China-Indizes wie dem Hang Seng China Enterprises Index oder MSCI China.

Während große US- und Europa-Indizes, darunter auch der DAX, zwischenzeitlich neue Hochs getestet haben, blieb der chinesische Markt deutlich zurück. Diese Divergenz spiegelt sich im Kursverlauf von TDF wider: Der Fonds konnte von der globalen Aktienrally kaum profitieren, weil die zugrunde liegenden Positionen – etwa in Technologie, Konsum und Finanzwerten aus China – unter anhaltendem Kapitalabfluss leiden. Besonders belastend war die Zurückhaltung internationaler Investoren gegenüber chinesischen Assets, die eher auf US- und europäische Blue Chips ausweichen.

Ein zentrales Merkmal von TDF ist der häufig signifikante Abschlag des Börsenkurses auf den Nettoinventarwert. Closed-End Funds notieren nicht automatisch bei 100 % des NAV, sondern können – je nach Nachfrage, Liquidität und Vertrauen in das Management – mit Abschlag (Discount) oder Aufschlag (Premium) handeln. Bei TDF lag dieser Discount über weite Strecken deutlich im zweistelligen Prozentbereich, was den Fonds für Value-orientierte Investoren interessant macht, gleichzeitig aber das Misstrauen des Marktes gegenüber chinesischen Assets dokumentiert.

Für deutsche Anleger, die den Fonds über internationale Broker an US-Börsen handeln können, ist dieser Abschlag zweischneidig. Einerseits bedeutet ein hoher Discount: Man kauft 1 Euro China-Exposure für weniger als 1 Euro. Andererseits kann der Abschlag jahrelang persistent bleiben – oder sich bei weiterem Vertrauensverlust sogar ausweiten. Dieses "Discount-Risiko" kommt zusätzlich zu den bekannten China-Risiken wie politischer Eingriff, schwachem Immobiliensektor und möglichen Sanktionen.

Makroökonomisch bleibt das China-Sentiment herausfordernd. Meldungen aus Peking zu Stimulus-Paketen, Infrastrukturprogrammen oder Lockerungen im Immobiliensektor sorgen immer wieder für kurzfristige Kurssprünge – werden aber von vielen Investoren als zu zögerlich bewertet. Das führt zu einem Stop-and-Go-Muster im Kursverlauf von TDF: positive Tage mit deutlichen Aufschlägen wechseln sich mit Phasen erneuter Schwäche ab, sobald neue Konjunktur- oder Immobilienzahlen enttäuschen.

Ein zusätzlicher Faktor ist der Wechselkurs: Der Renminbi hat gegenüber Dollar und Euro in den vergangenen Jahren zeitweise deutlich nachgegeben. Für deutsche Anleger, die in Euro denken, bedeutet ein schwächerer Renminbi doppelte Belastung: fallende lokale Kurse chinesischer Aktien plus Wechselkursverlust. TDF rechnet seine Portfoliowerte in US-Dollar; der Euro-Dollar-Kurs wirkt also ebenfalls auf die letztendliche Rendite eines deutschen Privatanlegers.

Wichtig: Anders als ein klassischer ETF ist TDF aktiv gemanagt. Das Management von Franklin Templeton versucht, durch Titelauswahl und Timing besser als der Markt abzuschneiden. Zu den typischen Schwerpunkten gehörten in der Vergangenheit große Technologie- und Internetplattformen, staatlich geprägte Finanzwerte sowie selektive Konsum- und Industrieunternehmen. Die aktive Komponente bedeutet: Chancen auf Outperformance, aber auch ein zusätzliches Manager-Risiko, falls zentrale Investmentthesen nicht aufgehen.

Für die deutsche Anlegerschaft ist vor allem die Zugänglichkeit interessant. Über gängige Neo- und Onlinebroker mit US-Börsenzugang können Privatanleger TDF meist problemlos handeln. Klassische Hausbanken hingegen bieten US-Closed-End-Fonds zum Teil nur eingeschränkt oder mit höheren Gebühren an. Steuerlich ist der Fonds als ausländischer Investmentfonds zu behandeln, mit entsprechenden Besonderheiten bei Abgeltungsteuer und Vorabpauschale – hier sollten sich Anleger mit Steuerberater oder Bank beraten, bevor sie größere Positionen aufbauen.

Ein weiterer Aspekt mit Blick auf Deutschland: Viele heimische Anleger sind bereits indirekt über DAX-Konzerne wie Volkswagen, BMW, BASF oder Siemens an der chinesischen Konjunktur beteiligt, da ein großer Teil ihres Umsatzes aus China stammt. TDF liefert im Vergleich dazu ein direktes, konzentriertes China-Exposure – ohne den Puffer eines diversifizierten globalen Geschäftsmodells. Wer TDF ins Depot legt, erhöht also seine spezifische China-Beta deutlich und sollte das mit einem Blick auf die Gesamtstruktur des Portfolios bewusst einplanen.

Korrelationsseitig war in den vergangenen Monaten zu beobachten: China-Assets, darunter die Titel im TDF-Portfolio, reagierten teils invers auf US-Zinsfantasien. Steigende Renditen am US-Anleihemarkt führten zu Abflüssen aus Schwellenländer-Aktien, einschließlich China. Lockerungssignale der Fed hingegen unterstützten China-Aktien temporär, weil sie den globalen Risikoappetit erhöhen. Für deutsche Anleger koppelt sich TDF damit nicht nur an chinesische Daten, sondern indirekt auch an die Geldpolitik der US-Notenbank.

Aus deutscher Perspektive ist ein weiterer Punkt entscheidend: die Regulierungstechnologie. In Europa diskutieren Aufsichtsbehörden weiter über die Risikobewertung chinesischer Investments, insbesondere bei Staatsunternehmen und bei Titeln mit möglicher Sicherheitsrelevanz (z. B. Telekommunikation, Halbleiter). Sollten sich die Rahmenbedingungen verändern – etwa über strengere Vorgaben für institutionelle Investoren –, könnte das Mittelzuflüsse in China-Fonds wie TDF weiter dämpfen oder im positiven Fall wiederbeleben.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Für den Templeton Dragon Fund selbst veröffentlichen große Investmentbanken wie Goldman Sachs, JPMorgan oder Deutsche Bank in der Regel keine klassischen Kursziele, wie sie für Einzelaktien üblich sind. TDF ist ein Closed-End-Fonds; Analysten fokussieren sich deshalb eher auf die Entwicklung des zugrunde liegenden China-Marktes (MSCI China, Hang Seng China Enterprises) und auf den Abschlag zum NAV.

Die Konsensmeinung vieler internationalen Häuser zu chinesischen Aktien ist derzeit ambivalent: Fundamental erscheinen große Teile des Marktes, gemessen an Kennzahlen wie KGV und Kurs-Buchwert-Verhältnis, im historischen Vergleich günstig. Strategen von US- und europäischen Banken verweisen jedoch auf politische Unsicherheiten und die mangelnde Visibilität beim Wachstum. Daher lauten viele Einstufungen sinngemäß: "untergewichten bis neutral" für China, mit selektiven Chancen in Qualitätswerten.

Für einen Fonds wie TDF bedeutet das: Der strukturelle Gegenwind bleibt bestehen, aber Value- und Contrarian-Investoren sehen im hohen Abschlag zum NAV und in der extrem schlechten Stimmung auch Chancen auf eine überproportionale Erholung, wenn sich das Umfeld aufhellt. In Research-Notizen wird oft darauf hingewiesen, dass sentimentgetriebene Underperformance zu Übertreibungen nach unten führen kann – genau jene Phase, in der aktiv gemanagte Produkte wie TDF später überdurchschnittlich profitieren könnten.

Institutionelle Anleger, darunter auch einige vermögensverwaltende Adressen aus Deutschland, betrachten TDF deshalb teilweise als taktische Beimischung: kein Kerninvestment wie S&P- oder DAX-ETF, sondern eine opportunistische Wette auf eine Normalisierung in China innerhalb der nächsten Jahre. Die Strategie dahinter: kleine Gewichtung, lange Anlagedauer, Akzeptanz hoher Volatilität – und die Hoffnung auf eine Schließung des Discounts zum NAV durch Marktmechanismus oder Managementmaßnahmen.

Eine Besonderheit bei vielen Closed-End-Funds ist die Möglichkeit von Share-Buyback-Programmen, Tender Offers oder strukturellen Maßnahmen wie einer späteren Umwandlung in einen offenen Fonds. Solche Schritte können helfen, den Kurs wieder näher an den Nettoinventarwert heranzuführen. Ob und in welchem Umfang der Templeton Dragon Fund entsprechende Instrumente nutzt oder plant, ist für professionelle Investoren ein wesentlicher Punkt bei der Einschätzung des Chance-Risiko-Profils. Deutsche Privatanleger sollten diese Mechanik zumindest verstehen, bevor sie sich von einem attraktiven Discount allein leiten lassen.

Auf der Mikroebene spielt zudem die Qualität des Portfolios eine Rolle. Viele Sell-Side-Analysten sind bei ausgewählten chinesischen Tech- und Konsumwerten trotz allem konstruktiv und vergeben dort Übergewichten-Ratings. Wenn das Management von TDF diese Titel übergewichtet und schwächere Sektoren wie hochverschuldete Immobilienentwickler meidet, könnte der Fonds mittel- bis langfristig eine Outperformance gegenüber dem breiten China-Markt erzielen. Der entscheidende Hebel bleibt jedoch: Wann kehrt das Vertrauen der globalen Investoren in den chinesischen Markt zurück?

Fazit für deutsche Anleger: Der Templeton Dragon Fund bleibt ein Nischeninstrument für Investoren mit hoher Risikotoleranz, die bewusst auf eine Trendwende in China setzen wollen. Der attraktive Abschlag zum NAV, die aktive Managementstrategie und die einfache Handelbarkeit über US-Börsen sind Pluspunkte – stehen aber massiven Unsicherheiten gegenüber, die von Peking über Washington bis Frankfurt reichen. Wer einsteigt, sollte das nur als kleine, klar definierte Beimischung tun – und mental auf einen langen Atem eingestellt sein.

Hol dir den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.

 Hol dir den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt abonnieren.