Telekom, KI-Cloud

Telekom startet europäische KI-Cloud für die Industrie

04.02.2026 - 14:45:12

Die Deutsche Telekom lanciert eine eigene Hochleistungs-Cloud für KI, um Europas digitale Unabhängigkeit zu stärken. Neue EU-Regulierungen treiben die Nachfrage nach europäischen Lösungen.

Deutsche Telekom hat eine eigene Hochleistungs-Cloud für Künstliche Intelligenz gestartet. Damit will der Konzern Europas Abhängigkeit von US-Techgiganten verringern und die digitale Souveränität stärken. Der Start fällt in eine Phase, in der Regulierungen wie die NIS2-Richtlinie die Nachfrage nach sicheren, europäischen Lösungen befeuern.

Industrielle KI made in Germany

Seit Mittwoch ist die Industrial AI Cloud der Telekom offiziell in Betrieb. Die neue Infrastruktur soll die verfügbare Rechenleistung für KI-Anwendungen in Deutschland um 50 Prozent erhöhen. Ein akutes Problem, denn für das Training großer KI-Modelle fehlte hierzulande bislang oft die nötige GPU-Kapazität.

„Wir beseitigen den Zwiespalt zwischen technologischer Leistungsfähigkeit und digitaler Unabhängigkeit“, erklärt Dr. Ferri Abolhassan, Vorstand der T-Systems. Das Angebot richtet sich an DAX-Konzerne, den Mittelstand und die öffentliche Hand. Es umfasst verwaltete Datenbanken und vorkonfigurierte Entwickler-Tools, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen.

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Die KI-Cloud ist Teil einer größeren Offensive: Bereits am Montag hatte die Telekom ihre T Cloud Public massiv ausgebaut. Mit automatisierten Migrations-Tools will sie Unternehmen den Wechsel von US-amerikanischen „Hyperscalern“ wie AWS oder Microsoft Azure erleichtern. Die Botschaft ist klar: Europäische Firmen müssen sich nicht mehr zwischen modernster Technik und strenger Datensouveränität entscheiden.

Secunet-Ergebnisse belegen Boom

Dass der Markt für souveräne Sicherheitslösungen boomt, zeigen auch die Zahlen des IT-Sicherheitsunternehmens secunet. Der Konzern meldete für 2025 einen Umsatzanstieg von 13 Prozent auf 458,8 Millionen Euro. Noch deutlicher wuchs der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) – um 22 Prozent auf 51,7 Millionen Euro.

Besonders stark treibt die Sparte Verteidigung und Weltraum das Wachstum an. Der Auftragseingang stieg insgesamt um 26 Prozent auf über 531 Millionen Euro. Für Branchenbeobachter ein klares Signal: Der öffentliche Sektor und Verteidigungsorganisationen investieren massiv in zertifizierte, europäische Cybersicherheit. In unsicheren geopolitischen Zeiten wird heimische Infrastruktur zur Priorität.

AWS und Microsoft passen sich an

Die US-Techriesen reagieren auf den europischen Regulierungsdruck. Amazon Web Services (AWS) brachte im Januar seine „AWS European Sovereign Cloud“ allgemein auf den Markt. In dieser separaten Infrastruktur verbleiben alle Kundendaten ausschließlich innerhalb der EU – eine direkte Antwort auf Bedenken bezüglich Daten-Residenz und ausländischer Zugriffe.

Auch Microsoft vertieft seine Allianzen vor Ort. Das Unternehmen arbeitet mit Partnern wie der SAP-Tochter Delos Cloud und dem französischen Joint Venture Bleu zusammen. Ziel ist ein „souveränes Fallback“: Kritische Infrastrukturen sollen auch dann weiterarbeiten, wenn geopolitische Spannungen die regulären Dienste stören. Ein hybrides Marktmodell entsteht, bei dem US-Technologie unter strikter europäischer Aufsicht steht.

NIS2 und DORA treiben die Nachfrage

Den Rahmen für diesen Markt setzt Brüssel. Seit 1. Januar 2026 gelten die Meldepflichten der NIS2-Richtlinie in vollem Umfang. Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen Cybersicherheitsvorfälle nun innerhalb strikter Fristen melden. Das treibt die Nachfrage nach Plattformen, die diese Compliance-Anforderungen automatisch erfüllen.

Hinzu kommt der Digital Operational Resilience Act (DORA), der seit über einem Jahr in Kraft ist. Die BaFin fungiert seit Januar 2025 als zentrale Meldestelle für ICT-Vorfälle im Finanzsektor. Eine aktuelle Analyse des Anwaltsnetzwerks CMS betont: Datensouveränität ist längst keine rein technische Frage mehr, sondern ein zentrales politisches Thema. Während das geplante EU-Cybersicherheits-Zertifizierungsschema (EUCS) in politischen Debatten feststeckt, setzt der Markt bereits eigene Standards – getrieben vom Kundenwunsch nach rechtlicher Immunität und transparenteren Lieferketten.

Wettlauf um die kritischen Workloads

Für 2026 erwarten Beobachter ein Jahr der Konsolidierung und praktischen Umsetzung. Die Infrastruktur steht nun mit Telekoms KI-Cloud und AWS‘ Sovereign Cloud bereit. Die Gretchenfrage lautet: Werden europäische Unternehmen ihre wirklich kritischen Geschäftsprozesse auch tatsächlich migrieren?

Der Erfolg der souveränen Plattformen hängt davon ab, ob sie mit den globalen Hyperscalern funktional mithalten können – und gleichzeitig garantieren, dass sie nicht extraterritorialen Gesetzen unterliegen. Mit der bevorstehenden Umsetzung des Cyber Resilience Act (CRA) wird zudem ein neuer Wettbewerbsfaktor wichtig: Wie gut integrieren die Cloud-Anbieter „Secure-by-Design“-Prinzipien direkt in ihre Architektur? Der Kampf um Europas digitale Zukunft hat begonnen.

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