ROUNDUP, Waffenruhe

USA greifen Ziele im Iran an

08.05.2026 - 05:30:18 | dpa.de

TEHERAN/WASHINGTON - Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wird auf eine neue Probe gestellt: Nach iranischen Attacken auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus hat das US-Militär als Vergeltungsmaßnahme Ziele in der Islamischen Republik angegriffen.

(Neu: weitere Details)

TEHERAN/WASHINGTON (dpa-AFX) - Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wird auf eine neue Probe gestellt: Nach iranischen Attacken auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus hat das US-Militär als Vergeltungsmaßnahme Ziele in der Islamischen Republik angegriffen. Das teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) der US-Streitkräfte auf der Plattform X mit. Das iranische Militär warf den USA nach den Angriffen vor, die ohnehin fragile Waffenruhe verletzt zu haben.

US-Präsident Donald Trump forderte den Iran erneut unter Drohungen auf, "schnell" eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen. Die seit rund einem Monat bestehende Waffenruhe gelte aber trotz der Angriffe weiter.

"US-Streitkräfte wehrten unprovozierte iranische Angriffe ab und reagierten mit Schlägen zur Selbstverteidigung, als Lenkwaffenzerstörer der US-Marine am 7. Mai die Straße von Hormus in Richtung Golf von Oman durchquerten", erklärte Centcom. Iranische Streitkräfte hätten mehrere Raketen abgefeuert und Drohnen sowie kleine Boote eingesetzt, als die drei US-Schiffe die Meerenge passiert hätten. Es seien keine US-Einheiten getroffen worden.

US-Militär greift iranische Militäreinrichtungen an

Das US-Militär habe die Bedrohungen "neutralisiert" und iranische Militäreinrichtungen angegriffen, die für die Angriffe verantwortlich gewesen seien - darunter Raketen- und Drohnenabschussrampen, Kommando- und Kontrollzentren sowie Zentralen für Aufklärung und Überwachung, hieß es weiter. Es werde keine Eskalation angestrebt, man werde jedoch die US-Streitkräfte schützen.

Die Meerenge ist für die Weltwirtschaft unter anderem wegen der Exporte von Öl und Flüssiggas aus den Staaten am Persischen Golf von entscheidender Bedeutung. Der Iran hat die Schifffahrt in der Passage seit Kriegsbeginn mit Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen gebracht. Die USA wiederum haben inzwischen eine Blockade für Schiffe verhängt, die aus iranischen Häfen auslaufen oder diese ansteuern. Trotz Waffenruhe kam es in der Meerenge zu Angriffen.

Iran wirft USA Verstoß gegen Waffenruhe vor

Das iranische Militär warf den USA nach den jüngsten Angriffen vor, die von Trump zuletzt einseitig auf unbestimmte Zeit verlängerte Waffenruhe verletzt zu haben. Das US-Militär habe einen iranischen Öltanker angegriffen, der von den Küstengewässern Irans in Richtung Straße von Hormus unterwegs gewesen sei, zitierte der regierungstreue Sender Press TV das iranische Hauptquartier Khatam al-Anbiya.

Das iranische Militär hielt den USA laut Press TV weiter vor, zugleich mit Unterstützung "regionaler Länder" Luftangriffe auf zivile Gebiete entlang der Küste und auf der in der Straße von Hormus gelegenen Insel Gheschm durchgeführt zu haben. Die iranischen Streitkräfte hätten umgehend reagiert und US-Militärschiffe östlich der Straße von Hormus angegriffen.

Seit gut einem Monat gilt eine Waffenruhe im Iran-Krieg. Die militärischen Spannungen sind jedoch nach wie vor hoch. US-Präsident Donald Trump hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass bald eine Einigung mit der Führung in Teheran erreicht werden könnte, um den Krieg zu beenden.

Trump droht: Deal jetzt oder brutale Schläge

Trump forderte den Iran erneut auf, eine Friedensvereinbarung schnell zu unterzeichnen. Ansonsten werde das US-Militär iranische Einheiten in Zukunft noch viel härter und viel gewaltsamer treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran werde "von WAHNSINNIGEN angeführt, und hätten sie die Chance, eine Atomwaffe einzusetzen, würden sie es ohne Frage tun - aber diese Gelegenheit werden sie nie bekommen".

Trump schrieb weiter, den iranischen Angreifern sei schwerer Schaden zugefügt worden. Ihre Boote seien gesunken, ihre Raketen und Drohnen abgeschossen worden. "Sie fielen so wunderschön auf den Ozean herab, als ob ein Schmetterling in sein Grab fallen würde!" Ein normales Land hätte diese Zerstörer passieren lassen, aber der Iran sei kein normales Land. Die US-Schiffe würden sich nun wieder der US-Seeblockade gegen den Iran anschließen.

Trump vergleicht Angriffe mit spielerischer Ohrfeige

ABC News berichtete, Trump habe dem Sender in einem Telefoninterview gesagt, "die Waffenruhe läuft, sie gilt". Die Angriffe auf den Iran verglich er in demnach mit einer kleinen, spielerischen Ohrfeige. Vor Journalisten sagte Trump wenig später, es werde offensichtlich sein, wenn die Waffenruhe nicht mehr gelte. Dann würde aus dem Iran viel Rauch aufsteigen - eine Anspielung auf ein bereits mehrfach von Trump angedrohtes massives Bombardement.

Zuletzt schien eine Einigung über ein Ende des Kriegs näherzurücken. Trump hatte gesagt, die Gespräche liefen sehr gut, er halte einen Deal in den kommenden Tagen für möglich. Auch am Donnerstagabend (Ortszeit) äußerte sich erneut optimistisch. Der Iran hatte allerdings Berichte über eine bevorstehende Einigung als überzogen zurückgewiesen. Ein US-Verhandlungsvorschlag werde geprüft, hieß es. Man werde den pakistanischen Vermittlern eine Antwort dazu übergeben.

Iranische Antwort auf Abkommen mit den USA steht noch aus

Derzeit wartet das Weiße Haus laut Medienberichten auf eine Reaktion Irans auf eine einseitige Absichtserklärung mit 14 Punkten. Ziel ist es dabei unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden demnach auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus. Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden.

Erklärtes Kriegsziel der USA ist es, den Iran davon abzuhalten, sein Nuklearprogramm voranzutreiben, um Atomwaffen zu entwickeln. Dazu gehört für Washington auch die vollständige Entfernung des hoch angereicherten Urans aus dem Iran sowie der Abbau seiner Anreicherungskapazitäten. Für den Bau von Atomwaffen muss Uran sehr hoch angereichert werden. Der Iran beteuert seit Jahren, sein Atomprogramm sei rein ziviler Natur.

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