Tate & Lyle Aktie: Übernahme zu 59% Aufschlag
08.06.2026 - 15:20:02 | boerse-global.de
Der Deal ist offiziell. Ingredion, ein US-Spezialzutatenhersteller aus Illinois, übernimmt Tate & Lyle für 2,7 Milliarden Pfund — und die Aktionäre des britischen Traditionsunternehmens kassieren dabei einen außergewöhnlich hohen Aufschlag.
Ein Angebot mit Luft nach oben
Der Übernahmepreis liegt bei 595 Pence je Aktie in bar, zuzüglich Dividenden von bis zu 20 Pence — macht zusammen maximal 615 Pence. Gemessen am Schlusskurs vom 13. Mai 2026 entspricht das einem Aufschlag von 59 Prozent. Der Verwaltungsrat empfiehlt das Angebot einstimmig.
Rückenwind gibt es auch von einem Großaktionär: Huber Equity Corporation hat sich unwiderruflich verpflichtet, mit rund 16,8 Prozent des Grundkapitals für die Übernahme zu stimmen. Das ist ein starkes Signal für den Abstimmungsprozess.
An der Börse reagierten die Aktien mit einem Kurssprung von rund zwölf Prozent auf etwa 553 Pence — noch immer deutlich unter dem Angebotspreis. Das zeigt, dass Investoren die Risikoprämie für regulatorische Unsicherheiten und den langen Zeithorizont einpreisen. Completion ist frühestens in der zweiten Hälfte 2027 zu erwarten, nach Aktionärszustimmung, Gerichtsgenehmigung und kartellrechtlichen Freigaben.
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Vom Zuckerbaron zur Speciality-Ingredients-Gruppe
Tate & Lyle hat eine bemerkenswerte Transformation hinter sich. 1921 aus zwei Londoner Zuckerraffinerien zusammengewachsen, trennte sich das Unternehmen 2010 komplett vom Kerngeschäft Zucker — und konzentrierte sich auf Süßungsmittel, Ballaststoffe und Pflanzenextrakte. Die Entdeckung von Sucralose 1976, vermarktet als Splenda, war ein früher Meilenstein.
Zuletzt beschleunigte Tate & Lyle das Wachstum weiter: Mit der Übernahme von CP Kelco im Juni 2024 stärkte das Unternehmen seine Position bei pflanzlichen Inhaltsstoffen erheblich.
Ingredion trägt den Preis selbst
Für Ingredion ist das eine der größten Akquisitionen der Unternehmensgeschichte. Die Finanzierung setzt sich aus Barmitteln, neuen Schulden und einer bereits zugesagten Brückenfinanzierung zusammen. Das Pro-forma-Verhältnis von Nettoschuld zu bereinigtem EBITDA liegt nach Closing bei rund 3,0x — innerhalb von 18 Monaten soll es auf etwa 2,5x sinken.
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Für Tate & Lyle markiert das Angebot nach dem geplatzten Advent-Interesse aus dem Herbst 2024 nun den tatsächlichen Abschluss eines langen Verkaufsprozesses. Wer seit Bekanntwerden der Gespräche Anfang Mai dabei war, hat bereits rund 50 Prozent Kursgewinn erzielt.
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