Tarifvertrag in Baden-Württemberg setzt auf längere Ruhezeiten
14.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deVer.di und die kommunalen Arbeitgeber in Baden-Württemberg haben einen neuen Manteltarifvertrag für den Nahverkehr beschlossen. Der Deal bis Ende 2029 bringt mehr Geld für Nacht- und Samstagsarbeit – und eine wichtige Neuerung für die psychische Gesundheit der Beschäftigten.
10,5 Stunden Mindestruhezeit ab 2029
Nach intensiven Nachverhandlungen einigten sich die Tarifparteien auf eine verbindliche Mindestruhezeit von 10,5 Stunden. Sie soll ab 2029 gelten und soll Erschöpfung und Burnout vorbeugen. „Diese Ruhezeiten sind ein essenzieller Baustein, um die Berufe attraktiver zu machen“, heißt es aus Gewerkschaftskreisen.
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Finanziell steigen die Zuschläge: Der Nachtzuschlag erhöht sich auf 25 Prozent. Die Zulage für Samstagsarbeit wird bis 2028 schrittweise auf 20 Prozent angehoben. Auch Überstunden werden bis 2030 besser vergütet. Der Vertrag gilt bis Januar 2030 unter Friedenspflicht.
Personalmangel treibt Belastung in die Höhe
Die neuen Regeln kommen nicht von ungefähr. Die psychische Belastung im öffentlichen Dienst ist enorm. Laut dem aktuellen DGB-Personalreport klagen 59 Prozent der Beschäftigten über generelle Erschöpfung. Fast die Hälfte ist nach der Arbeit zu erschöpft für Privates.
Der dbb Beamtenbund bestätigt das Bild: Über die Hälfte der Mitarbeiter fühlt sich psychisch stark belastet. Treiber ist der massive Personalmangel. Viele Stellen in Behörden, Kitas und Krankenhäusern bleiben unbesetzt – die Arbeit lastet auf immer weniger Schultern.
Krankenstände bleiben auf hohem Niveau
Die Folge sind hohe Krankenstände. Krankenkassen wie die DAK verzeichnen weiterhin viele Ausfälle. Neben Erkältungen sind psychische Erkrankungen und Rückenleiden häufige Gründe. In unterbesetzten Bereichen wie der Pflege nehmen psychisch bedingte Fehlzeiten besonders zu.
Experten fordern, die Ursachen anzugehen. Längere Ruhezeiten wie in Baden-Württemberg sollen hier gegensteuern. Sie geben den Beschäftigten feste Erholungsphasen zurück.
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Länder einigen sich auf 5,8 Prozent mehr Gehalt
Bundesweit bewegt sich in der Tarifrunde 2026 einiges. Für die rund 925.000 Tarifbeschäftigten der Länder (TV-L) gab es im Februar einen Abschluss. Die Gehälter steigen in drei Stufen um insgesamt 5,8 Prozent. Im April gibt es zunächst 2,8 Prozent mehr, mindestens aber 100 Euro.
Auch hier spielen Belastungen eine Rolle: Die Zulage für Schichtdienste wurde auf 100 Euro, für Wechselschicht auf 200 Euro pro Monat erhöht. Die Laufzeit beträgt 27 Monate.
Hessen ringt noch um sieben Prozent mehr
Während in den meisten Ländern Ruhe herrscht, wird in Hessen noch verhandelt. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro. Sie wollen den Landesdienst wettbewerbsfähig halten. Nach einem zähen Auftakt Ende Februar laufen im März entscheidende Gespräche.
„Ein starker öffentlicher Dienst braucht Investitionen in das Personal“, betonen Vertreter des Beamtenbundes. Die Verhandlungen gelten als richtungsweisend.
Paradigmenwechsel: Gesundheit statt nur Geld
Die aktuellen Abschlüsse zeigen einen klaren Trend. Es geht nicht mehr nur um Geld. Arbeitszeit, Ruhephasen und der Schutz vor Überlastung rücken in den Mittelpunkt. Arbeitsmarktanalysten sehen darin eine Reaktion auf den Fachkräftemangel.
Nur mit gesunden Arbeitsbedingungen können öffentliche Arbeitgeber im Wettbewerb um Nachwuchs bestehen. Die Angleichung von Ost- und West-Standards im TV-L und die kürzere Arbeitszeit an ostdeutschen Kliniken sind weitere Zeichen dieses Wandels. Der Baden-Württemberg-Vertrag könnte zur Blaupause für andere Sektoren werden.
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