Tarifeinigung: Gärtner erhalten 6,4 Prozent mehr Lohn
25.03.2026 - 03:30:49 | boerse-global.deDie deutsche Gartenbau-Branche hat einen wegweisenden Tarifabschluss erzielt. Für rund 110.000 Beschäftigte bedeutet das spürbar mehr Geld und eine historische Strukturreform. Nach drei Verhandlungsrunden einigten sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und die Arbeitgeberverbände auf einen neuen Manteltarifvertrag für neun Bundesländer. Der Deal, rückwirkend zum 1. März 2026 in Kraft, beendet den jahrzehntealten Flickenteppich regionaler Abkommen.
Neue Tarifverträge erfordern oft eine Anpassung der bestehenden Arbeitsdokumente, um rechtssicher zu bleiben. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit 19 fertigen Muster-Formulierungen dabei, aktuelle gesetzliche Anforderungen mühelos umzusetzen. 19 fertige Muster-Formulierungen für rechtssichere Arbeitsverträge
Gestaffelte Erhöhung bis 2027
Der Kern der Einigung ist eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,4 Prozent. Sie wird in zwei Schritten umgesetzt: Die erste Hälfte von 3,2 Prozent gilt bereits seit dem 1. März dieses Jahres. Die zweite Stufe folgt genau ein Jahr später, am 1. März 2027. Diese Staffelung soll den Betrieben Planungssicherheit geben und die Kaufkraft der Beschäftigten angesichts der Inflation sichern.
Ein zentraler Meilenstein ist die Anhebung des Ecklohns. Bis März 2027 steigt der Bruttostundenlohn für eine Fachkraft auf 17,57 Euro. Damit soll der produzierende Gartenbau im Wettbewerb um knappe Fachkräfte konkurrenzfähig bleiben. Für Regionen mit traditionell niedrigerem Lohnniveau gibt es Sonderregelungen: In Rheinland-Pfalz steigen die Löhne um 6,0, im Saarland um 5,0 Prozent. Der Vertrag gilt für 24 Monate bis Ende Februar 2028 und bringt den Betrieben damit Tariffrieden.
Neun Länder, ein Tarifgebiet
Die wahre Revolution steckt im Kleingedruckten. Der Abschluss schafft ein neues Groß-Tarifgebiet, das neun Bundesländer unter ein gemeinsames Regelwerk bringt. Dazu gehören Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. Bisher herrschte hier ein undurchsichtiges Patchwork aus regionalen Vereinbarungen. Für bundeslandübergreifend operierende Unternehmen bedeutete das enormen bürokratischen Aufwand. Für Beschäftigte führte es zu unfairen Lohnunterschieden bei gleicher Arbeit.
„Dies ist ein strategischer Erfolg“, bewertet die IG BAU den Schritt. Das langfristige Ziel ist ein einheitlicher Bundesflächentarif für die gesamte Branche. Die Arbeitgeber der Arbeitsgemeinschaft der gärtnerischen Arbeitgeberverbände (AGA) begrüßen die Konsolidierung. Sie erlaube es, Ressourcen zu bündeln und sich auf große Branchenherausforderungen zu konzentrieren statt auf regionale Kleinkriege. Baden-Württemberg und Hessen schlossen ein separates, aber vergleichbares Abkommen mit 7,8 Prozent mehr Lohn ab.
Mehr Geld für Azubis und soziale Leistungen
Ein Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchssicherung. Um den Gartenbau für junge Menschen attraktiver zu machen, steigen die Ausbildungsvergütungen deutlich:
* 1. Lehrjahr: 1.010 Euro monatlich
* 2. Lehrjahr: 1.125 Euro monatlich
* 3. Lehrjahr: 1.360 Euro monatlich
Zudem verbessert der neue Rahmentarifvertrag das soziale Paket. Dazu zählen höheres Urlaubsgeld, erhöhte Erschwerniszulagen für besonders belastende Arbeiten im Freien und verbesserte vermögenswirksame Leistungen. In einer Branche mit oft körperlich anspruchsvoller Arbeit unter freiem Himmel sind diese Zusatzleistungen ein wichtiges Instrument, um Fachkräfte zu halten.
Da die korrekte Abrechnung von Zulagen und Sonderleistungen oft kompliziert ist, lauern hier teure Haftungsfallen für Arbeitgeber. Sichern Sie sich diesen kostenlosen Leitfaden, um Nacht- und Feiertagszuschläge sowie soziale Leistungen rechtssicher und lohnsteuerfrei abzuwickeln. Praktische Checklisten für Personaler jetzt gratis herunterladen
Balanceakt in schwierigem Umfeld
Der Abschluss kommt in einer wirtschaftlich anspruchsvollen Zeit. Die Branche kämpft mit hohen Energiekosten, besonders für Gewächshausbetriebe. Die 6,4 Prozent sind daher ein Balanceakt zwischen der Unterstützung der Belegschaften und der Überlebensfähigkeit vieler mittelständischer Betriebe.
Die IG BAU sieht in dem Ergebnis ein starkes Signal der Wertschätzung für eine systemrelevante Tätigkeit. „Die harte Arbeit bei Wind und Wetter muss sich im Portemonnaie widerspiegeln“, so die Gewerkschaft. Die Arbeitgeber setzen auf Modernisierung. Einheitlichere Bedingungen sollen die Branche als professionelle Karriere option profilieren und eine Abwanderung in besser zahlende Industriezweige verhindern.
Blaupause für einen Bundes-Tarif?
Die Einigung von 2026 ist wahrscheinlich nur der Anfang. Gewerkschaft und Arbeitgeber haben das Ziel bekräftigt, auch die ostdeutschen Bundesländer in ein künftiges, bundesweites Tarifgebiet einzubeziehen. Experten sehen in dem Deal eine Blaupause für andere landwirtschaftliche Sektoren, die noch unter regionaler Zersplitterung leiden.
Mit den steigenden Lohnkosten dürften viele Betriebe nun Investitionen in Automation und nachhaltige Technologien beschleunigen. Für die nächsten zwei Jahre gibt der Vertrag jedoch klare Perspektiven. Die Menschen in Deutschlands Gärtnereien, Baumschulen und Gemüsebaubetrieben können auf mehr finanzielle Sicherheit hoffen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

