Tarifabschluss, Länder

Tarifabschluss der Länder: 5,8% Gehaltsplus

15.02.2026 - 15:21:12 | boerse-global.de

Nach wochenlangen Warnstreiks einigen sich Länder und Gewerkschaften auf Tarifabschluss mit schrittweisen Gehaltserhöhungen bis 2028 und verbesserten Arbeitsbedingungen.

Landesbeschäftigte erhalten 5,8 Prozent mehr Gehalt. Der Abschluss der Tarifrunde der Länder wurde am Samstag in Potsdam erzielt und gilt retroaktiv ab dem 1. November 2025. Er schafft Planungssicherheit in einer angespannten Haushaltslage und stärkt den öffentlichen Dienst in Deutschland gegenüber dem privaten Sektor.

Durchbruch in Potsdam

Nach drei Verhandlungsrunden und wochenlangen Warnstreiks, die Kliniken, Schulen und Behörden lahmlegten, haben TdL und Gewerkschaften am Samstagmorgen eine Einigung erzielt. Die Vereinbarung beendet die industrienachhaltige Blockadephase und verhindert weitere unbefristete Arbeitsniederlegungen.

Der Abschluss läuft 27 Monate – retroaktiv vom 1. November 2025 bis zum 31. Januar 2028. Kern des Pakets ist eine dreistufige Gehaltserhöhung, die Niedrig- und Mittelverdiener stärker berücksichtigt.

Die Details im Überblick:
– 1. April 2026: +2,8 Prozent, mindestens 100 Euro monatlich. Diese soziale Komponente sorgt dafür, dass Geringverdienende deutlich stärker profitieren.
– 1. März 2027: +2,0 Prozent linear.
– 1. Januar 2028: +1,0 Prozent.

Für Auszubildende, Trainees und Praktikanten gibt es zusätzlich 150 Euro mehr pro Monat, verteilt auf drei Schritte: 60 Euro 2026, 60 Euro 2027 und 30 Euro 2028.

Strukturreformen und Ost-West-Anpassung

Über die reinen Gehaltssteigerungen hinaus baut das Abkommen Strukturen um und harmonisiert Arbeitsbedingungen.

  • Wechselschichtzulage: Die Zulage für wechselnde Schichten steigt deutlich. Allgemein wird sie auf 150 Euro pro Monat gesetzt, bei Pflegekräften in Krankenhäusern sogar bis zu 250 Euro. Reguläre Schichtzulagen erhöhen sich auf 60 Euro, Krankenhausbeschäftigte bis zu 100 Euro.
  • Ost-West-Harmonisierung: Der Kündigungsschutz im Osten wird an westliche Standards angeglichen. Außerdem sollen die regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeiten an den Universitätskliniken Rostock, Greifswald und Jena bis zum 1. Januar 2029 schrittweise auf 38,5 Stunden reduziert werden.
  • Studentische Beschäftigte: Erstmals gibt es eine einheitliche Lohnregelung für studentische Beschäftigte; der Stundenlohn steigt bis 2028 auf über 16 Euro pro Stunde.
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Reaktionen aus dem Verhandlungstisch

Ver.di-Chef Frank Werneke nannte die Verhandlungen eine der bislang schwierigsten der jüngeren Zeit. Er betonte, der Mindestzuwachs von 100 Euro sei besonders wichtig, um Mitarbeitende in der Belegschaft nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. Die Tarifparteien betonten, dass der Abschluss die Balance zwischen fairer Entlohnung und der finanziellen Belastbarkeit der Länder wahrt.

Auch die Regierungen der Länder äußerten sich erleichtert. Rheinland-Pfalz begrüßten Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Finanzministerin Doris Ahnen den Abschluss als tragfähige Lösung, die dem öffentlichen Dienst Planungssicherheit gibt und zugleich die Haushalte schützt. Die Vereinbarung soll dazu beitragen, Fachkräfte für den öffentlichen Dienst in Deutschland zu gewinnen und zu halten.

Auswirkungen und Kontext

Der Tarifabschluss kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, in dem der öffentliche Dienst mit Fachkräftemangel kämpft. Die Mindeststeigerung verhindert, dass Beschäftigte mit der Inflation Schritt halten müssen, während die Länder durch eine mehrjährige Laufzeit eine bessere Haushaltsplanung erhalten. Analysten erwarten, dass die Gesamtkosten je Land in den Hunderten von Millionen Euro liegen werden, was entsprechende Anpassungen im Haushaltsplan nötig macht.

Die Vereinbarung spiegelt die jüngste Ausrichtung wider, Gehaltsstrukturen bundesweit besser zu synchronisieren, um Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Bund und Kommunen zu sichern. Für Beschäftigte bedeutet dies klare Gehaltssteigerungen, strukturierte Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und eine bessere Ost-West-Angleichung. Dass die erste Gehaltsanpassung bereits im April 2026 erfolgt, macht den Schritt unmittelbar spürbar.

Ausblick und Umsetzung

Nun müssen die Tarifverträge in den Ländern umgesetzt und von den Gewerkschaften sowie den TdL-Gremien formell angenommen werden. Danach folgen Arbeiten an der Beamtenbesoldung und an pensionierten Leistungen, damit die neuen Strukturen nahtlos greifen. In den kommenden Wochen sind Mitgliederbefragungen vorgesehen, um die Zustimmung zum Kompromiss zu sichern. Die ersten Gehaltsanpassungen sehen Beschäftigte dann auf den Lohnabrechnungen für April 2026.

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