Swisscom setzt mit 0,9 Prozent Gehaltsplus Maßstab für 2026
17.02.2026 - 13:40:12 | boerse-global.deDie schweizerische Lohnrunde 2026 nimmt konkrete Formen an. Nach dem wegweisenden Abschluss bei Swisscom zeichnet sich ein Bild vorsichtiger Optimierung ab: Die nominalen Erhöhungen dürften die niedrige Inflation übertreffen, doch Gewerkschaften warnen vor schwindender Kaufkraft durch steigende Lebenshaltungskosten.
Telekom-Riese als Benchmark
Der Telekommunikationskonzern Swisscom einigte sich am Dienstag mit den Sozialpartnern syndicom und transfair auf eine Erhöhung der Lohnsumme um 0,9 Prozent zum 1. April 2026. Das Abdeckt rund 9.500 Mitarbeitende. Die Erhöhung wird nach einem Split-Modell umgesetzt: Etwa die Hälfte des Budgets fließt in allgemeine Erhöhungen, der Rest in individuelle Anpassungen basierend auf Leistung und Position. Mitarbeitende, die bereits am Bandmaximum verdienen, erhalten eine Einmalzahlung.
Klementina Pejic, Personalchefin von Swisscom, begründete den Abschluss mit den soliden Geschäftsergebnissen und dem Ziel, marktgerechte Löhne zu zahlen. Der Abschluss gilt als wichtiger Richtwert für die gesamte Schweizer Wirtschaft.
Kluft zwischen den Branchen
Während Swisscom knapp unter der Ein-Prozent-Marke blieb, zeigen andere Sektoren deutlich kräftigere Zuwächse – oft getrieben von akutem Fachkräftemangel.
Im Einzelhandel setzte Lidl Schweiz mit einer Erhöhung der Lohnsumme um 1,5 Prozent früh im Februar die Messlatte hoch. Der Diskounter erhöhte zudem strukturell die Mindestlöhne.
Historisch fiel das Ergebnis im Bausektor aus. Die Gewerkschaften Unia und Syna erkämpften einen neuen Landesmantelvertrag (LMV) für 2026–2031 mit Lohnerhöhungen und Verbesserungen von fast 10 Prozent über sechs Jahre. Die Vereinbarung enthält eine automatische Inflationsanpassung, sollte die Teuerung 2 Prozent übersteigen – ein Novum mit langfristiger Planungssicherheit.
Reallohnwachstum in der Theorie
Die wirtschaftliche Ausgangslage ist paradox: Die Prognosen für die Schweizer Inflation 2026 liegen bei nur 0,5 bis 0,6 Prozent. Rechnerisch bedeuten die nominalen Erhöhungen von 0,9 bis 1,5 Prozent also ein Rückkehr zum Reallohnwachstum.
Doch Gewerkschaften wie Travail.Suisse und der SGB üben scharfe Kritik. Ihrer Analyse nach bildet der offizielle Verbraucherpreisindex die Realität der Haushalte nicht ab. Die stetig steigenden Krankenkassenprämien und Mieten fressen die Gehaltszuwächse vieler Arbeitnehmer auf. Ein Plus von unter einem Prozent werde so oft komplett neutralisiert.
Trend zur Individualisierung
Ein Markenzeichen der Lohnrunde 2026 ist der anhaltende Shift von pauschalen zu individuellen Gehaltskomponenten. Das Swisscom-Modell steht exemplarisch für diesen Trend.
Arbeitgeber argumentieren, so Leistungsträger besser belohnen und interne Ungleichheiten korrigieren zu können. Gewerkschaften sehen darin häufig ein Instrument, das Durchschnittsverdiener mit knappen Inflationsausgleichen abspeist. In Branchen ohne starke Gesamtarbeitsverträge (GAV) ist die Abhängigkeit von individuellen Leistungsbudgets noch ausgeprägter.
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Ausblick: Stabilisierung statt Boom
Für die Schweizer Arbeitnehmerschaft wird 2026 wohl ein Jahr der Stabilisierung, nicht des spürbaren Wohlstandsgewinns. Die Gefahr hoher Inflation ist gebannt, doch der Druck auf die Haushaltskassen durch Fixkosten bleibt hoch. Die Lohnpolitik bleibt ein konfliktreiches Thema.
Der Fokus der Personalabteilungen dürfte sich zunehmend auf non-monetäre Benefits verlagern, um die Lücke zwischen Budget und Erwartungen zu schließen. Beobachter rechnen damit, dass die Lohnschere zwischen boomenden Branchen wie Bau und dem Dienstleistungssektor weiter aufgeht. Auch die laufenden bilateralen Verhandlungen mit der EU zum Lohnschutz werden die Regulierung in den kommenden Monaten prägen.
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