Swiss Re: Extremwetter treibt Katastrophenschäden in Europa an
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSExtremwetter werde in Europa zunehmend ein Treiber von Katastrophenereignissen, stellt der Rückversicherer Swiss Re CH0126881561 fest.
Das schwere Hagelereignis in der Schweiz habe sich in einem relativ dicht besiedelten Gebiet ereignet, sagte Leopold Camara, Leiter Rückversicherung für Nord-, Zentral- und Osteuropa bei Swiss Re, auf einer Pressekonferenz anlässlich des Rückversicherer-Branchentreffens in Baden-Baden. Allerdings hätte es noch schlimmer kommen können: "Das gleiche Ereignis über Zürich hätte wohl noch einen viel größeren Verlust verursacht."
Die geschätzten Schäden von mehr als 1,7 Milliarden Franken basieren laut Swiss Re auf den bisher veröffentlichten Angaben des Schweizerischen Versicherungsverbands und der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen. Bei dem schweren Gewitter vom 28. August 2026 kam es neben schweren Sturmböen auch zu Hagelschlag mit Hagelkörnern, die lokal einen Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern erreichten. Betroffen waren insbesondere die Kantone Bern, Solothurn, Aargau, Zürich und Thurgau.
Fahrzeuge massiv betroffen
Immer bedeutender würden bei extremen Wetterereignisse die Schäden an Fahrzeugen, stellen die Swiss Re-Verantwortlichen fest. So könne ein einziges Ereignis viele Tausend Fahrzeuge betreffen. Von den Hagelschäden der Schweiz von Ende August lagen laut den Zahlen alleine die Schäden an Motorfahrzeugen bei rund 800 Millionen Franken.
Dabei handelte es sich um kein einmaliges Ereignis, so die Swiss Re-Verantwortlichen. Auch in Norditalien hatten Hagelstürme im Juli und August 2026 zu hohen Fahrzeugschäden geführt. Immer wichtiger sei auch die Prävention: Dazu gehörten etwa möglichst frühzeitige Warnungen vor solchen Ereignissen oder der Zugang zu gedeckten Parkmöglichkeiten.
Stetig zunehmende Waldbrand-Schäden
Das laufende Jahr illustriert für die Swiss-Re-Verantwortlichen, dass die durch die extreme Hitze und die anhaltende Trockenheit verursachten Waldbrände immer bedeutsamer für die Versicherungsindustrie werden: In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Schäden aus Waldbränden in Europa jährlich um acht bis elf Prozent zugenommen, zitierte Nikhil da Victoria Lobo, Leiter Rückversicherung West- und Südeuropa, Mittlerer Osten und Afrika, eine entsprechende Studie.
In Frankreich seien in den vergangenen zwanzig Jahren noch nie so große Gebiete von Feuern betroffen gewesen wie 2026, stellte der Swiss-Re-Manager fest. "Wir sehen hier neue Dimensionen." In Spanien habe es in früheren Jahren zwar schon eine höhere Anzahl von Bränden gegeben. Aber die diesjährigen Brände hätten insgesamt eine größere Fläche verwüstet.
Vernetztes Risiko
Für die Versicherungsbranche stelle die extreme Hitze ein vernetztes Risiko dar, das diverse Bereiche innerhalb der Schadenversicherung tangiere: Das extreme Wetter könne die Energieversorgung, die Infrastruktur und schlussendlich auch die Wirtschaft beeinträchtigen.
So verwies da Victoria Lobo auf die Folgen der Trockenheit. Neben den Schäden für die Landwirtschaft belasteten die Niedrigstände der großen Flüsse als wichtige Verkehrswege auch den Gütertransport und damit die Logistikketten.
Mikro-Preistrends
Bedeckt gaben sich die Swiss-Re-Verantwortlichen derweil zu den Preistrends in der Rückversicherungsindustrie. Aussagen über die Preisrückgänge seien oft sehr pauschal, meinten sie zu entsprechenden Fragen. Tatsächlich beobachte man aber viele "Mikrozyklen".
So sehe man zwar Geschäftsbereiche mit abnehmenden Preisen, in anderen Bereichen und auch je nach Geographie könne das auch anders aussehen, sagte Camara."
