Supermarkt-Apps, Verbraucherschützer

Supermarkt-Apps: Verbraucherschützer warnen vor Datenklau und Kaufzwang

06.02.2026 - 18:51:12

Studien zeigen, dass Apps von Discountern zu ungeplanten Zusatzkäufen verleiten und umfassende Nutzerprofile erstellen. Verbraucherzentralen fordern strengere Gesetze und haben Klagen eingereicht.

Deutsche Verbraucherschützer schlagen Alarm: Apps von Supermärkten und Discountern nutzen psychologische Tricks, um Kundinnen und Kunden zu höheren Ausgaben und zur Preisgabe persönlicher Daten zu verleiten. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die meisten Nutzer für vermeintliche Schnäppchen zu Zusatzkäufen gedrängt werden.

Zwei Drittel kaufen extra für Rabatte

Die Versprechen der Apps sind verlockend: Sparen bei den ohnehin steigenden Lebensmittelpreisen. Doch die Realität sieht anders aus. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) präsentierte kürzlich eine repräsentative Studie mit einem klaren Befund. Zwar nutzen 78 Prozent der Shopper Supermarkt-Apps. Doch satte zwei Drittel (67 Prozent) gaben an, in den letzten zwei Jahren extra Artikel gekauft zu haben, um an App-Rabatte oder Boni zu kommen.

Die vermeintlichen Ersparnisse werden so oft durch ungeplante Mehrausgaben aufgefressen. „Die Apps sind darauf ausgelegt, Kunden enger an die Marke zu binden und ihre Kaufentscheidungen zu steuern“, erklärt eine Expertin. Das Kalkül der Händler geht auf – auf Kosten der Verbraucher.

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Der wahre Preis: Ihre persönlichen Daten

Doch nicht nur das Geld fließt. Der eigentliche Deal lautet: Rabatt gegen Daten. Supermarkt-Apps sind mächtige Werkzeuge zur Erfassung detaillierter Einkaufsprofile. Sie protokollieren nicht nur gekaufte Produkte, sondern auch Suchanfragen, angesehene Artikel und Nutzungshäufigkeit.

Konzerne wie Lidl, Rewe und Edeka erstellen daraus umfassende Kundenprofile. Diese können sensible Rückschlüsse zulassen: auf mögliche Allergien, Ernährungsgewohnheiten oder sogar auf Säuglinge im Haushalt. „Dieses Wissen wird für hochpersonalisierten Werbeeinsatz genutzt“, warnt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. Gegen diese maßgeschneiderten Einflüsse sei Widerstand kaum möglich.

Psychologische Fallen: Gamification und Dark Patterns

Die Strategien gehen weit über reine Datensammlung hinaus. Immer mehr Apps setzen auf manipulative Designs und psychologische Tricks. Verbraucherschützer identifizieren sogenannte „Dark Patterns“ – trügerische Benutzeroberflächen, die zum Vorteil des Anbieters lenken.

Dazu zählen „Gamification“-Elemente wie digitale Belohnungen, Bonus-Level und Gewinnspiele, die zu wiederholten Käufen animieren. Zeitlich begrenzte Angebote und Hinweise auf knappe Ware erzeugen künstliche Dringlichkeit und fördern Impulskäufe. Der vzbv fordert angesichts dieser Methoden ein gesetzliches Verbot solcher manipulativen Designs in Einkaufs-Apps.

App-only-Preise vor Gericht

Der Streit um mangelnde Transparenz ist bereits vor Gericht gelandet. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Klagen gegen die Discounter Lidl und Penny eingereicht. Der Vorwurf: Die Bewerbung von Sonderpreisen ausschließlich für App-Nutzer verstoße gegen die Preisangabenverordnung.

Die Werbung zeige nicht klar den Endpreis für Kundinnen und Kunden ohne App an. Das benachteilige Menschen ohne Smartphone oder solche, die den Datentausch ablehnen. Verbraucherzentren melden zahlreiche Beschwerden von Kunden, die sich diskriminiert fühlen. Die laufenden Verfahren könnten einen wichtigen Präzedenzfall für die Preistransparenz im Digitalzeitalter schaffen.

App-Ersparnis: Oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Was bleibt vom großen Sparversprechen? Nach Einschätzung der Verbraucherschützer bewegen sich die realen Ersparnisse meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Oft ließen sich vergleichbare Beträge mit traditionellen Methoden erreichen.

Die eigentliche Transformation spielt sich hinter den Kulissen ab: Supermärkte wandeln sich zu datengetriebenen Unternehmen mit enormem Einfluss auf das Konsumverhalten. Es entsteht ein Kreislauf, in dem Verbraucher mehr ausgeben, um mehr zu „sparen“ – und dabei immer mehr Daten preisgeben, die das Marketing weiter verfeinern.

Forderung nach schärferen Gesetzen

Die Verbraucherschützer fordern deshalb grundlegende Änderungen. Der vzbv verlangt ein Verbot, Nutzerdaten für Werbeprofile zu kombinieren. Kundinnen und Kunden sollten an Treueprogrammen teilnehmen können, ohne der kommerziellen Nutzung ihrer Daten zuzustimmen.

Bis es zu gesetzlichen Regelungen kommt, raten Experten zur kritischen Haltung: Versprechen hinterfragen, Datenschutzeinstellungen rigoros anpassen und sich der psychologischen Trigger bewusst sein. Der Streit um die Balance zwischen digitalem Fortschritt und Verbraucherschutz im Einzelhandel hat gerade erst begonnen.

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