Streptococcus, Mundkeim

Streptococcus anginosus: Mundkeim treibt Magenkrebs an

08.01.2026 - 10:27:12

Eine Studie zeigt, wie das Bakterium Streptococcus anginosus Magentumoren direkt mit der Aminosäure Methionin versorgt und so das Krebswachstum fördert. Dies erfordert neue Ansätze in Diagnostik und Therapie.

Ein Mundbakterium versorgt Magenkrebszellen mit lebenswichtiger Nahrung. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie aus Schanghai. Der Keim Streptococcus anginosus produziert direkt im Tumor die Aminosäure Methionin und beschleunigt so das Wachstum.

Die Forschung der Jiao-Tong-Universität stellt bisherige Annahmen infrage. Bislang galt vor allem das Bakterium Helicobacter pylori als Hauptrisikofaktor für Magenkrebs. Die neuen Daten rücken nun einen zweiten, heimtückischen Akteur in den Fokus.

Ein perfider Lieferdienst im Tumor

Das Forschungsteam um Chengbei Zhou entdeckte eine symbiotische Beziehung. Streptococcus anginosus, normalerweise ein harmloser Mundbewohner, siedelt sich in Magentumoren an. Dort fungiert er als interne Fabrik: Er stellt Methionin her und liefert es direkt an die Krebszellen.

Diese sind für ihr rasantes Wachstum auf die Aminosäure angewiesen – ein Phänomen, das als Hoffman-Effekt bekannt ist. Die Studie belegt: Tumore wuchsen in Mausmodellen mit dem Bakterium deutlich schneller. Blockierten die Forscher die bakterielle Methionin-Produktion, blieb der Effekt aus.

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Warum Diäten allein oft scheitern

Die Entdeckung erklärt ein klinisches Dilemma. Ein Ansatz in der komplementären Krebstherapie ist die methioninarme Diät. Patienten reduzieren Lebensmittel wie rotes Fleisch oder Eier, um den Tumor „auszuhungern“.

Doch diese Strategie stößt an Grenzen, wenn das Bakterium im Magen selbst zum Versorger wird. Es umgeht die diätetische Restriktion und hält die Krebszellen am Leben. Die Studie legt nahe, dass künftige Therapien beides kombinieren müssen: eine angepasste Ernährung und eine gezielte Bekämpfung des Keims.

Paradigmenwechsel in der Diagnostik

Die klinischen Implikationen sind weitreichend. Bisher konzentriert sich die Diagnostik bei Magenproblemen fast ausschließlich auf Helicobacter pylori. Die neue Studie fordert einen Paradigmenwechsel.

  • Neuer Risikomarker: S. anginosus könnte künftig als eigenständiger Risikofaktor in Biopsien routinemäßig gesucht werden.
  • Zweistufiger Prozess: Während Helicobacter die Entzündung auslöst, scheint Streptococcus als Brandbeschleuniger in späteren Stadien zu wirken.
  • Therapeutisches Ziel: Die bakterielle Methionin-Synthese wird zum Angriffspunkt für neue, präzise Medikamente.

Der Weg zur personalisierten Mikrobiom-Medizin

Die Veröffentlichung markiert einen Wendepunkt. Sie zeigt, dass der Kampf gegen Krebs nicht nur auf Zellebene, sondern auch im mikrobiellen Ökosystem des Körpers stattfindet.

Die Forschung ebnet den Weg für eine mikrobiombasierte Präzisionsmedizin. In Zukunft könnten diagnostische Tests spezifische Bakterienstämme identifizieren und maßgeschneiderte Therapien ermöglichen – eine Kombination aus Antibiotika, Probiotika und Ernährung. Der „Methionin-Check“ findet dann nicht mehr nur auf dem Teller, sondern auch im Magen selbst statt.

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