Strategy Aktie: Strategiewende beruhigt Märkte
29.06.2026 - 19:26:12 | boerse-global.de
Jahrelang war die Botschaft eindeutig: Bitcoin kaufen, halten, niemals verkaufen. Heute hat Strategy diese Doktrin zumindest aufgeweicht — und die Märkte reagieren mit Erleichterung.
Das Unternehmen stellte heute einen sogenannten Digital Credit Capital Framework vor. Kern des Pakets: eine Dollar-Reserve von rund 2,55 Milliarden Dollar, die etwa 17,4 Monate an Vorzugsdividenden und Zinszahlungen abdeckt. Der Vorstand genehmigte Rückkaufprogramme für Vorzugswertpapiere und Stammaktien im Volumen von je bis zu einer Milliarde Dollar — ohne Kaufverpflichtung. Die Dividende der STRC-Vorzugsaktie steigt ab dem 1. Juli auf 12 Prozent.
Bitcoin-Verkäufe erstmals möglich
Der eigentlich bedeutsame Punkt steckt im neu genehmigten Bitcoin-Monetarisierungsprogramm. Es erlaubt künftige Verkäufe der Kryptowährung, um die Reserve aufzufüllen, Dividenden zu finanzieren oder Rückkäufe zu bezahlen. Eine Pflicht zum Verkauf besteht nicht. Michael Saylor betont, Bitcoin bleibe das primäre Reservevermögen. Dennoch markiert allein die Option einen Bruch mit der jahrelangen Haltedoktrin.
Der Hintergrund erklärt die Kurskorrektur der Strategie: Strategy hält 847.363 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 75.651 Dollar je Coin — eine Position, die bei Kursen nahe 60.000 Dollar deutlich unter Wasser liegt. Der modifizierte Nettovermögenswert (mNAV), das Verhältnis von Unternehmenswert zu Bitcoin-Bestand, war erstmals unter 1,0 gefallen. Das bedeutet: Der Börsenwert lag zuletzt unterhalb des Werts der gehaltenen Bitcoins.
Kurssprung mit Einschränkungen
Vorbörslich legte die Aktie zeitweise rund 8 Prozent zu — vom zuvor markierten Zwölfmonatstief. Das ist Ausdruck von Erleichterung, keine Entwarnung. Die Rückkäufe sind genehmigt, aber freiwillig. Das Monetarisierungsprogramm ist eine Option, kein Automatismus. Hinzu kommt: Strategy zählt zu den am stärksten leerverkauften Werten der Wall Street, ein Teil der Aufwärtsbewegung dürfte auf das Eindecken von Short-Positionen zurückgehen.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast 46 Prozent an Wert verloren. CEO Phong Le beschreibt den heutigen Schritt als Übergang von reiner Kapitalaufnahme hin zur aktiven Steuerung der Kapitalstruktur. Ob das Modell trägt, hängt letztlich am Bitcoin-Kurs — und der notiert derzeit nahe 20-Monats-Tiefs.
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