Strategy Aktie: Saylor unter Beschuss
09.06.2026 - 22:22:06 | boerse-global.de
Anfang Juni verkaufte Strategy erstmals seit Dezember 2022 wieder Bitcoin — nur 32 Einheiten, ein winziger Bruchteil der Gesamtbestände. Der Markt reagierte trotzdem heftig. Und seither wächst die Kritik an Michael Saylor.
Kleiner Verkauf, große Wirkung
Der Erlös von 2,5 Millionen Dollar diente schlicht der Finanzierung von Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien. Rechnerisch entsprechen die 32 Bitcoin gerade einmal 0,004 Prozent der Gesamtbestände von über 843.000 BTC. Dennoch durchbrach Bitcoin innerhalb von Stunden die 70.000-Dollar-Marke und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte April.
Das Timing war denkbar ungünstig. Seit dem 7. Mai verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs elf aufeinanderfolgende Handelstage mit Nettoabflüssen — die längste Serie seit dem Start dieser Produkte Anfang 2024. Parallel dazu bewegte Mt. Gox rund 10.400 BTC auf unbekannte Wallets, was die Nervosität weiter schürte. Auf diesen bereits unter Druck stehenden Markt traf dann die Nachricht, dass der jahrelange Symbol-Halter von Bitcoin plötzlich verkauft.
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Saylor zeigt auf die KI
Strategy-Chef Michael Saylor sieht die Schuld woanders: Er führt den Abverkauf der vergangenen Woche auf massive Kapitalumschichtungen in den KI-Sektor zurück. Bitcoin verlor in der Folge rund 15 Prozent und fiel zeitweise auf 60.000 Dollar.
Kritiker nehmen diese Erklärung nicht ab. Für sie ist Strategy selbst das aktuell größte Risiko für den Bitcoin-Kurs — nicht wegen der Verkaufsgröße, sondern wegen des Signals. Das "Niemals-verkaufen"-Narrativ, das jahrelang Saylors öffentliches Auftreten prägte, ist gebrochen. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Wenn der größte Bitcoin-Gläubige der Welt anfängt zu liquidieren, auch wenn es winzige Beträge sind, fragt sich manch einer, was das über die interne Lage von Strategy verrät.
Analytik als zweites Standbein
Unabhängig von der Bitcoin-Debatte zeigte Strategy diese Woche auf dem Gartner Data & Analytics Summit in London seine Enterprise-Software-Seite. Gemeinsam mit Diageo präsentierte das Unternehmen sein Produkt Strategy Mosaic als sogenannte "Universal Context Layer" — eine Schnittstelle, die Unternehmensdaten aus Plattformen wie Databricks oder Snowflake einheitlich für Analysetools und KI-Agenten zugänglich machen soll. Im Pilotprojekt mit Diageo ließ sich die Lieferzeit für neue Datenprodukte von zwei Wochen auf wenige Stunden reduzieren.
Dieser Geschäftsbereich läuft medial meist im Schatten der Bitcoin-Treasury-Strategie. Für die fundamentale Bewertung von Strategy bleibt er dennoch relevant — erst recht, wenn die Bitcoin-Abhängigkeit des Unternehmens zunehmend zum Diskussionsthema wird.
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