Startup-Boom, Wirtschaftsflaute

Startup-Boom trotz Wirtschaftsflaute: Deutschland gründet wieder

08.01.2026 - 01:14:11

Der Next Generation Report 2026 zeigt einen kräftigen Anstieg von Neugründungen, angetrieben von KI und Deep Tech. Sachsen und Bayern sind die dynamischsten Regionen.

Die deutsche Startup-Szene hat sich von der gesamtwirtschaftlichen Stagnation abgekoppelt und verzeichnet einen kräftigen Gründungsboom. Das zeigt der heute veröffentlichte „Next Generation Report 2026“ des Startup-Verbands und von startupdetector.

Überraschende Dynamik in schwierigen Zeiten

Während die deutsche Wirtschaft 2025 nahezu stagnierte, kehrte in der Gründerszene der Wachstumsmodus zurück. Die Zahl neuer Startups näherte sich wieder der Marke von 3.000 im Jahr – ein Niveau, das zuletzt im Post-Pandemie-Boom 2021 erreicht wurde. Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden 1.500 Neugründungen gezählt, ein Plus von 9 Prozent gegenüber den vorangegangenen sechs Monaten.

„Das ist mehr als nur eine statistische Erholung“, kommentieren die Autoren des Reports. Es handele sich um einen strukturellen Wandel hin zu qualitativ hochwertigeren und fokussierteren Geschäftsmodellen. Offenbar haben sich Gründer an das „neue Normal“ mit höheren Zinsen und geopolitischen Unsicherheiten angepasst.

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„Deep Tech“ und KI treiben den Wandel an

Die Dynamik speist sich vor allem aus einem Schwerpunkt auf technologieintensive Branchen. Zwar bleibt Software die dominante Kategorie mit einem Wachstum von rund 16 Prozent. Die größten Zuwächse verzeichneten jedoch Industrielle Lösungen, insbesondere mit Fokus auf Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung. Hier schnellten die Zahlen um fast 30 Prozent nach oben.

Dieser Trend spiegelt sich in aktuellen Marktentwicklungen wider. Startups wie die deutsche Verteidigungstechnologie-Firma Skylance GmbH mit ihren jetgetriebenen Anti-Drohnen-Systemen stehen exemplarisch für den Fokus auf „Deep Tech“. Auch der Energiesektor treibt Hightech-Spin-offs voran, befeuert durch Großaufträge wie die jüngste 224-MW-Bestellung für die Nordex Group.

Die Botschaft ist klar: Deutsche Gründer setzen zunehmend auf B2B-Anwendungen für industrielle Kernprobleme wie Energieeffizienz oder Digitalisierung. Einzige Ausnahme im B2C-Bereich: Der Food-Sektor legte überraschend um 44 Prozent zu.

Sachsen und Bayern überflügeln Berlin

Die auffälligste Erkenntnis des Reports betrifft die regionale Verteilung. Zwar bleibt Berlin in absoluten Zahlen führend, das dynamischste Wachstum spielt sich anderswo ab.

Sachsen stach mit einem Gründungsplus von sagenhaften 71 Prozent hervor. Der Boom wird der starken Technischen-Universitäts-Landschaft in Dresden und Leipzig zugeschrieben, die zunehmend Hardware- und Mikroelektronik-Startups anzieht.

Auch Bayern festigte seine Position mit einem Wachstum von 23 Prozent und etablierte München endgültig als Hauptstadt für „High-Tech“-Gründungen. Gemessen an der Einwohnerzahl hat München Berlin sogar überholt. Die Stadt profitiert von der Nähe zu DAX-Konzernen und Elite-Forschungseinrichtungen. Auch forschungsstarke Standorte wie Heidelberg, Darmstadt und Aachen tragen überproportional zum nationalen Ergebnis bei.

Reifeprüfung für das Ökosystem bestanden

Für Branchenbeobachter sind die Zahlen ein Beleg für die Reife des deutschen Startup-Ökosystems. Dass sich die Gründungsaktivität vom allgemeinen Wirtschaftswachstum abkoppelt, deutet darauf hin, dass Gründer langfristige strukturelle Chancen wittern – wie die KI-Revolution oder die Energiewende – und sich von konjunkturellen Schwankungen weniger beeindrucken lassen.

„Die Widerstandsfähigkeit der Branche sendet ein starkes Signal in schwierigen Zeiten“, so der Startup-Verband. Innovation werde zu einer kritischen Säule der deutschen Wirtschaft, die selbst dann florieren kann, wenn traditionelle Industrien schwächeln.

Doch der Report zeigt auch Herausforderungen auf. Während die Gründungszahlen steigen, bleibt die Insolvenzquote in kapitalintensiven B2C-Segmenten eine Sorge. Der Markt wird selektiver: Hochwertige, technologiegetriebene Geschäftsmodelle ziehen Talente und Kapital an, während undifferenzierte Verbrauchermodelle weiter konsolidieren.

Ausblick: Allzeithoch 2026 in Sicht?

Die Dynamik aus 2025 dürfte ins neue Jahr hineinwirken. Wenn das Wachstum in Sachsen und Bayern anhält und die Integration von KI in industrielle Prozesse Fahrt aufnimmt, könnte 2026 ein neues Allzeithoch bei Startup-Gründungen bringen.

Die entscheidende Frage für die Politik wird nun sein, ob diese jungen Unternehmen auch das nötige Wachstumskapital für die Skalierung finden. Nur so kann verhindert werden, dass sie nach der Reifephase in die USA oder nach Asien abwandern. Die nächste Gründer-Generation ist bereit – und setzt auf deutsche Ingenieurskunst und ein erneuertes Risikobewusstsein.

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