Starlink, Bord

Starlink an Bord: SWISS-Daten für KI-Training?

29.01.2026 - 12:09:12

Die geplante Internet-Revolution bei SWISS gerät in Turbulenzen. Datenschützer schlagen Alarm: Der neue Satellitendienst Starlink könnte Passagierdaten für KI-Systeme nutzen – und stellt die Airline vor ein juristisches Dilemma.

Es klingt wie ein Quantensprung für Vielflieger: Die Lufthansa Group rüstet ab der zweiten Jahreshälfte 2026 über 850 Flugzeuge, darunter die gesamte SWISS- und Edelweiss-Flotte, mit Starlink-Satelliteninternet aus. Das Versprechen: Hochgeschwindigkeits-Breitband in Reiseflughöhe, kostenlos für Vielflieger. Doch der Preis für diese Verbindung könnte in Form von Nutzerdaten gezahlt werden.

Die Sorge entzündet sich an einer stillschweigenden Aktualisierung der Datenschutzrichtlinien von Starlink vom 15. Januar 2026. Diese erlaubt es dem US-Anbieter, Abonnentendaten zum Training seiner Maschinenlernmodelle und KI-Systeme wie dem Chatbot „Grok“ zu verwenden. Entscheidend ist der Mechanismus: Die Datennutzung erfolgt automatisch, es sei denn, Nutzer deaktivieren sie aktiv in ihren Kontoeinstellungen (Opt-out).

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Schweizer Datenschutz gegen US-Datenhunger

Diese Praxis könnte mit dem revidierten Datenschutzgesetz (nDSG) kollidieren. Das seit September 2023 vollständig geltende Schweizer Recht verlangt Transparenz und oft eine ausdrückliche, informierte Einwilligung (Opt-in) für risikoreiche Datenverarbeitungen – wie etwa die Speisung persönlicher Daten in generative KI-Modelle.

Rechtsexperten bezweifeln, dass ein Opt-out-Verfahren den strengen „Privacy-by-Default“-Prinzipien des nDSG genügt. Die Lage wird zusätzlich verkompliziert, wenn Passagierdaten über US-Server laufen und damit unter den US CLOUD Act fallen könnten. SWISS betont, das Angebot werde konform mit allen geltenden Datenschutzvorschriften umgesetzt. Unklar bleibt jedoch, ob die Airline eine spezielle Unternehmenslösung aushandelt, die die umstrittenen KI-Klauseln umgeht.

Folgen für Geschäftsreisende und Branche

Das Dilemma zeigt einen grundsätzlichen Konflikt im Luftverkehr auf: den Trade-off zwischen erstklassigem Nutzererlebnis und digitaler Souveränität. Für wichtige Kunden aus der Schweizer Banken- und Pharmabranche ist die Sicherheit von Flugdaten essenziell. Wenn die Gefahr besteht, dass Mitarbeiter-Daten für KI-Training genutzt werden könnten, müssten Firmen die Nutzung des Bord-WLANs für sensible Arbeiten möglicherweise verbieten – und damit den Produktivitätsvorteil der Technologie zunichtemachen.

Bis zum Start der Ausrüstung Ende 2026 steht SWISS unter Druck, die technische Architektur der Starlink-Integration zu klären. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (EDÖB) könnte zudem prüfen müssen, ob Opt-out-Praktiken ausländischer Anbieter an Bord Schweizer Flugzeuge mit nationalem Recht vereinbar sind. Für Passagiere gilt vorerst: die Nutzungsbedingungen genau lesen, bevor sie sich in den digitalen Lüften einloggen.

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