Stahlpreise schießen durch EU-Klimaabgabe in die Höhe
25.01.2026 - 16:01:12Die volle Einführung des CO₂-Grenzausgleichs (CBAM) hat europäische Stahlpreise abrupt nach oben getrieben. Die Preislücke zu Billigimporten ist geschlossen – Käufer müssen ihre Einkaufsstrategien neu bewerten.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die endgültige Phase des europäischen Klimainstruments. Die Folge: Ein erster großer Preisschock geht durch den Stahlmarkt. Führende Hersteller wie ArcelorMittal haben in den letzten Tagen deutliche Aufschläge angekündigt. Sie begründen dies mit den neuen CO₂-Kosten, die nun auf Importe aus Drittländern zukommen. Marktberichte zeigen: Der traditionelle Rabatt für Importe ist faktisch verschwunden, sobald die CO₂-Abgabe einberechnet wird. Das führt zum Stillstand zwischen produzierenden Hütten und zögerlichen Abnehmern.
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Inlandswerke peilen 700 Euro pro Tonne an
ArcelorMittal setzte diese Woche mit neuen Angeboten das Tempo für das erste Quartal 2026. Das Basismaterial Warmband (HRC) soll nun 700 Euro pro Tonne kosten. Das ist ein deutlicher Sprung gegenüber der Handelsspanne von 630-650 Euro pro Tonne ab Werk aus der Vorwoche.
Die Dynamik erfasst auch höherwertige Produkte. Laut Daten von Eurometal vom 23. Januar liegen neue Angebote für Kaltband (CRC) bei 830 Euro und für feuerverzinktes Band (HDG) bei 820 Euro pro Tonne. Beobachter registrieren eine ungewöhnliche Preisinversion: CRC ist teurer als HDG. Grund sind Lieferengpässe. Deutsche Marktquellen berichten, dass die Hütten zuletzt die Produktion von HRC und HDG priorisierten – Kaltband wurde knapp. Diese Verknappung und die neue CO₂-Kostenuntergrenze ermutigen die Produzenten zu hohen Aufschlägen.
Die Import-Lücke schließt sich
Für europäische Einkäufer bricht eine zentrale Strategie weg: der Ausgleich teurer Inlandsprodukte durch günstigere Importe. Aktuelle Angebote aus der Türkei oder dem Mittleren Osten liegen zwar nominell bei etwa 540 Euro pro Tonne. Doch die verpflichtenden CBAM-Zertifikate machen diese Option für viele Importeure unwirtschaftlich.
Analysen von Kallanish zeigen: Sobald die CBAM-Kosten auf den Importpreis aufgeschlagen werden, bleibt „kaum ein Preisarabitrage“ gegenüber Inlandsmaterial übrig. Das definitive CBAM-Regime verlangt Zertifikate, die den eingebetteten Emissionen der Ware entsprechen. Da die Standardwerte für die CO₂-Intensität vieler Nicht-EU-Länder – besonders bei Hochofen-Stahl – hoch angesetzt sind, schnellen die effektiven Abgaben in die Höhe.
Die geschlossene Preislücke wird durch strenge EU-Schutzmaßnahmen verstärkt. Marktteilnehmer sehen in der Kombination aus CO₂-Kosten und der Gefahr von Anti-Dumping-Zöllen auf Produkte wie CRC eine Rechtfertigung für die hohen Inlandsaufschläge.
Käufer halten sich zurück – die Nachfrage lahmt
Trotz des Preisdrucks von der Angebotsseite bleibt die Nachfrage schwach. Rückmeldungen aus dem Vertrieb in Deutschland und den Niederlanden deuten darauf hin, dass der Markt die schnellen Steigerungen noch nicht schluckt. Ein niederländischer Manager äußerte sich diese Woche skeptisch: Verarbeiter könnten die gestiegenen Kosten derzeit nicht an Endkunden weitergeben.
Die vorherrschende Stimmung unter Einkäufern ist Vorsicht. Die Lager sind höher als üblich gefüllt. Viele Servicecenter und Hersteller verfolgen daher eine „Abwartehaltung“, anstatt zum neuen Preisniveau von 700 Euro zu ordern. Ein deutscher Käufer kommentierte, die neuen Preise für CRC und HDG passten nicht zur Marktrealität und könnten zum Handelsstillstand führen. Es wächst die Sorge: Wenn die Bestellungen zu lange ausbleiben, könnten die Auftragsbücher der Hütten später im Quartal leiden. Dann würde sich zeigen, wie entschlossen die Produzenten an ihren neuen Preisuntergrenzen festhalten.
Wie geht es weiter?
Die aktuelle Turbulenz wurde von Analysten erwartet, nachdem die EU die Standardwerte für die Übergangsphase bestätigt hatte. Daten zu den CO₂-Standardwerten für große Exporteure wie China und Indien deuteten bereits auf deutlich höhere Abgaben hin als zunächst angenommen.
Der Markt erwartet nun einige angespannte Wochen, in denen sich die realen CBAM-Kosten durchsetzen. Das Wechselspiel zwischen der neuen „grünen Prämie“ auf Importe und der schwachen Nachfrage im Euroraum wird entscheiden, ob die 700-Euro-Marke für Warmband hält. Zudem stützen die reduzierten Importkontingente unter den Schutzmaßnahmen die Inlandspreise weiter – unabhängig vom Preis steht weniger alternatives Material zur Verfügung.
Branchenexperten gehen davon aus, dass die Kluft zwischen den Hüttenpreisen und der Zahlungsbereitschaft der Käufer bestehen bleibt, es sei denn, die Nachfrage zieht im Februar spürbar an. Das könnte zu einer Phase geringer Transaktionsvolumen führen. Doch da die Import-Sicherheitsventile durch CBAM geschlossen sind, haben die Inlandswerke vorerst die Oberhand bei der Preisgestaltung – zumindest für das erste Halbjahr 2026.
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