Stablecoins, Banken

Stablecoins zwingen Banken und Fintechs in ungewollte Partnerschaft

07.02.2026 - 03:03:12

Der Kampf um digitale Zahlungen eskaliert durch Tether-Investitionen und neue Gesetze. Banken reagieren mit Übernahmen, während Notenbanken digitale Währungen vorantreiben.

Der Kampf zwischen etablierten Banken und Fintech-Unternehmen erreicht eine neue Eskalationsstufe. Im Zentrum steht die Frage, wer die digitale Zahlungsinfrastruktur der Zukunft kontrolliert. Eine strategische Investition des Stablecoin-Giganten Tether und hitzige Regulierungsdebatten zwingen die Kontrahenten zu einer ungewollten Symbiose.

Tether attackiert das SWIFT-System direkt

Die Fronten sind klar: Während Fintechs auf Stablecoins als neue Kerntechnologie setzen, verteidigen Banken ihr traditionelles Geschäft. Tether, der weltgrößte Anbieter von digitalen Stablecoins, hat nun einen direkten Angriff auf das etablierte SWIFT-System gestartet. Das Unternehmen investierte kürzlich in das „t-0“-Netzwerk, eine Plattform, die grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Banken in Echtzeit und zu minimalen Kosten abwickeln soll.

Parallel dazu diskutieren Aufsichtsbehörden in den USA und Europa über den Zugang von Fintech-Firmen zu zentralen Zahlungssystemen. In Washington lief gerade die Konsultationsphase für einen Vorschlag der US-Notenbank aus. Dieser könnte Krypto-Unternehmen direkten Zugang zu den Fed-Systemen gewähren – und damit traditionelle Banken umgehen.

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Der Kampf um die Kundeneinlagen hat begonnen

Doch es geht um mehr als nur Infrastruktur. Der eigentliche Konflikt entzündet sich an den Kundengeldern. In Washington wird ein Gesetz diskutiert, das Krypto-Firmen verbieten könnte, Zinsen auf Stablecoin-Guthaben zu zahlen. Die Sorge der Banken ist verständlich: Würden Verbraucher ihre Ersparnisse aus niedrig verzinsten Sparkonten in höherverzinsliche digitale Alternativen verschieben, könnten Billionen Dollar abwandern.

„Das Potenzial für eine Abwanderung von Einlagen zwingt die Banken zum Handeln“, analysieren Marktbeobachter. Aus dem einstigen „Wir gegen die“-Denken werden zögerliche Gespräche über Kompromisse. In Südkorea fordert die Zentralbank sogar, dass Banken-Konsortien die alleinigen Emittenten von Stablecoins sein sollten – ein Vorschlag, den Fintechs als innovationsfeindlich kritisieren.

Notenbanken kontern mit digitalem Zentralbankgeld

Während die Privatwirtschaft innoviert, schlagen die Zentralbanken zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt ihr Projekt für einen digitalen Euro voran. Ein EZB-Direktoriumsmitglied betonte erst diese Woche, dass Zentralbankgeld „fit für das digitale Zeitalter“ bleiben müsse, um Abhängigkeiten von nicht-europäischen Lösungen zu vermeiden.

Das regulatorische Umfeld wird für alle Player immer komplexer. Seit Februar 2026 gelten von Norwegen bis China neue Vorschriften zu Zahlungsverkehr, Geldwäschebekämpfung und Verbraucherschutz. Die hohen Compliance-Kosten führen bereits zu Marktaustritten. Die Krypto-Plattform Gemini bestätigte ihren Rückzug vom britischen Markt – ein deutliches Signal für die Herausforderungen durch uneinheitliche internationale Regeln.

Banken schlagen zurück: Kaufen und integrieren

Die etablierten Finanzinstitute gehen in die Offensive. Statt nur zu verteidigen, erweitern sie aggressiv ihre digitalen Fähigkeiten durch Übernahmen und Partnerschaften. Die spanische Großbank Santander plant die Übernahme der US-Bank Webster für rund 12,2 Milliarden Euro. Damit würde sie zu den zehn größten Retail- und Geschäftsbanken in den USA aufsteigen.

Im Vereinigten Königreich geht die NatWest Bank einen anderen Weg. Durch eine exklusive Partnerschaft mit der Immobilienplattform Rightmove wird die Bank zur Standardlösung für Hypotheken-Voranfragen im Hauskaufprozess. Diese Strategie, Bankdienstleistungen nahtlos in digitale Ökosysteme zu integrieren, soll die Kundenbeziehung in einem zersplitterten Markt sichern.

Hybrides Finanzsystem zeichnet sich ab

Die einfache Erzählung vom disruptiven Fintech, das die alteingesessenen Banken ablöst, ist überholt. Die Realität ist komplexer: Wettbewerb und Kooperation existieren nebeneinander. Fintechs brauchen die Legitimität, Liquidität und regulatorische Erfahrung der Banken. Die Banken wiederum sind auf die technologische Innovation und nutzerzentrierte Gestaltung der Fintechs angewiesen, um moderne Kundenerwartungen zu erfüllen.

Die entscheidenden Fragen lauten nun: Wer kontrolliert die Zahlungsinfrastruktur? Und wer besitzt die Kundenbeziehung? Die Antwort scheint auf integrierte Ökosysteme und strategische Partnerschaften hinauszulaufen – geschmiedet im Feuer des Wettbewerbs und geformt von der Hand globaler Regulierungsbehörden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese ungewollte Partnerschaft hält.

@ boerse-global.de