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Spanien verbietet Social Media für Minderjährige unter 16

06.02.2026 - 19:00:12

Spanien will als erstes großes EU-Land den Zugang zu sozialen Medien für unter 16-Jährige per Gesetz sperren. Ein umfassendes Maßnahmenpaket sieht auch Haftung für Tech-Manager und neue Transparenzregeln vor.

Spanien will als erstes großes EU-Land Social-Media-Zugang für unter 16-Jährige komplett sperren. Die umstrittene Maßnahme ist Teil einer Offensive gegen Hass und Manipulation im Netz.

Die Ankündigung von Ministerpräsident Pedro Sánchez auf dem Weltregierungsgipfel in Dubai markiert einen radikalen Kurswechsel. „Wir müssen unsere Kinder vor diesem digitalen Wilden Westen schützen“, begründete Sánchez den Vorstoß. Kern des Plans ist eine gesetzliche Pflicht zu wirksamer Altersverifikation für Plattformen – einfache Checkboxen sollen nicht mehr genügen.

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Fünf-Punkte-Plan gegen digitale Gefahren

Das Verbot ist nur der Anfang einer umfassenden Regulierungsstrategie. Die spanische Regierung plant ein ganzes Bündel neuer Gesetze:
* Strafrechtliche Haftung für Tech-Manager, wenn illegale oder hasserfüllte Inhalte nicht schnell genug gelöscht werden.
* Strafbarkeit algorithmischer Manipulation, die die Verbreitung illegaler Inhalte beschleunigt.
* Ein neues „Hass- und Polarisierungs-Fußabdruck“-System, das den Beitrag von Plattformen zu gesellschaftlicher Spaltung messen und öffentlich machen soll.
* Die Staatsanwaltschaft soll Verstöße großer Plattformen aktiv untersuchen.

Sánchez spricht von einer „toxischen, straflosen Welt“, der Kinder schutzlos ausgeliefert seien. Die geplante Gesetzesänderung wird bereits nächste Woche im Ministerrat erwartet und hebt das digitale Mindestalter von 14 auf 16 Jahre an. Für 14- und 15-Jährige wäre künftig eine ausdrückliche elterliche Zustimmung nötig. Bei Verstößen drohen Plattformen hohe Geldstrafen.

Europa zieht nach – Tech-Branche protestiert

Spanien folgt einem klaren europäischen Trend. Frankreich hat bereits ein Verbot für unter 15-Jährige beschlossen, Dänemark und Griechenland ziehen mit ähnlichen Plänen nach. Die Initiative orientiert sich am Vorbild Australiens, das im Dezember 2024 als erstes Land ein Verbot für unter 16-Jährige einführte.

Die Reaktion aus der Tech-Welt ließ nicht lange auf sich warten. Elon Musk, Eigentümer der Plattform X, kritisierte die spanischen Pläne öffentlich. Der Konflikt zwischen staatlicher Regulierung und Tech-Giganten verschärft sich.

Die entscheidende Frage wird die praktische Umsetzung sein. Können Plattformen wirklich wirksame Verifikationssysteme etablieren? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Spaniens Vorstoß Schule macht – und wie die globale Tech-Industrie auf den wachsenden Druck aus Europa reagiert.

@ boerse-global.de