Span d.d.: Kleine Zagreber IT-Schmiede mit großer Kursdynamik – Chance oder bereits heiß gelaufen?
02.01.2026 - 13:53:58Die Aktie der kroatischen IT-Gesellschaft Span d.d. hat sich in den vergangenen zwölf Monaten eindrucksvoll entwickelt. Doch nach der Rally stellen sich Investoren die Frage: Wie viel Potenzial bleibt?
Während große US?Technologiewerte die Schlagzeilen dominieren, vollzieht sich an der Zagreber Börse leise eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte: Die Aktie des kroatischen IT-Dienstleisters Span d.d. hat in den vergangenen Monaten ein beachtliches Kursplus erzielt und damit viele Nebenwerte klar hinter sich gelassen. Anleger, die den Titel bislang kaum auf dem Radar hatten, fragen sich nun, ob der Aufwärtstrend weiter trägt oder ob die Bewertung bereits zu ambitioniert erscheint.
Die Span-Aktie (ISIN HRSPANRA0007), gelistet an der Zagreber Wertpapierbörse, profitiert von einem soliden Wachstum im IT-Dienstleistungsgeschäft, einer zunehmenden internationalen Ausrichtung und dem Rückenwind der Digitalisierungswelle in Mittel- und Osteuropa. Gleichzeitig bleibt das Papier aufgrund seiner geringen Marktkapitalisierung und vergleichsweise niedrigen Handelsvolumina ein typischer Nebenwert – mit entsprechenden Chancen, aber auch Risiken.
Nach Daten von Finanzportalen wie der Zagreber Börse (ZSE) und internationalen Kursanbietern notierte Span zuletzt bei rund 26,00 bis 27,00 Euro je Aktie (umgerechnet auf Basis des in kroatischen Kuna bzw. Euro geführten Heimatkurses). Die aktuellen Notierungen stammen aus dem fortlaufenden Handel des jüngsten Börsentages; sie spiegeln damit den letzten verfügbaren Schlussstand wider. Im Vergleich zu den Vortagen zeigt sich kurzfristig ein eher seitwärts gerichteter Verlauf, während der längerfristige Trend weiter nach oben weist.
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Wer vor etwa einem Jahr in die Span-Aktie eingestiegen ist, kann sich heute über eine mehr als respektable Wertentwicklung freuen. Nach Kursdaten aus dem vergangenen Jahr lag der Schlusskurs damals deutlich niedriger als heute, im Bereich von knapp unter 20 Euro je Aktie. Auf Basis der aktuellen Notierungen ergibt sich damit ein Kursplus in einer Größenordnung von grob 30 bis 40 Prozent – je nach exakt gewähltem Stichtag.
Für einen Nebenwert aus einem vergleichsweise kleinen Markt wie Kroatien ist das ein eindrucksvolles Ergebnis. Anleger, die früh das Potenzial des IT-Dienstleisters erkannt haben, wurden für ihr Risiko belohnt. Selbst nach zwischenzeitlichen Schwankungen zeigt der Gesamtverlauf: Die Aktie befindet sich in einem stabilen Aufwärtstrend. Im 52?Wochen-Vergleich bewegt sich der Kurs aktuell eher im oberen Bereich der Spanne; der Abstand zum Jahrestief ist deutlich, zum Jahreshoch jedoch überschaubar. Das Sentiment ist damit klar positiv, wenn auch nicht mehr euphorisch.
Auf Sicht der vergangenen fünf Handelstage lässt sich eher ein ruhiger Konsolidierungsverlauf erkennen, mit kleineren Ausschlägen nach oben und unten. Über einen Zeitraum von etwa drei Monaten betrachtet dominiert hingegen ein klarer Bullenmarkt: Vom damals niedrigeren Kursniveau aus hat sich der Wert Zug um Zug nach oben gearbeitet, getragen von soliden Geschäftszahlen und einem freundlichen Umfeld für Technologiewerte in der Region.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen waren die kursbewegenden Nachrichten zu Span überschaubar, spektakuläre Ad-hoc-Meldungen blieben aus. Weder große Übernahmen noch außergewöhnliche Gewinnwarnungen oder Kapitalmaßnahmen wurden publik. Anstelle von Schlagzeilen steht damit derzeit eher die operative Kontinuität im Vordergrund. Für Investoren ist das keineswegs ein Nachteil: Gerade bei kleineren IT-Dienstleistern kann ein Mangel an Negativnachrichten ein Indikator für ein geordnetes Wachstum und ein gut gemanagtes Projektgeschäft sein.
Zuletzt stand vor allem das grundlegende Geschäftsmodell im Fokus der Marktbeobachter. Span positioniert sich als IT-Integrator und Dienstleister mit Schwerpunkten in den Bereichen Cloud-Lösungen, Cybersicherheit und Infrastrukturservices – Segmente, die in ganz Europa von steigenden IT-Budgets und dem anhaltenden Trend zur Digitalisierung profitieren. Die Gesellschaft bedient sowohl Unternehmen als auch öffentliche Auftraggeber und ist damit nicht nur von einem einzelnen Kundensegment abhängig. Branchenportale verweisen zudem auf eine zunehmende internationale Ausrichtung mit Projekten außerhalb des Heimatmarktes, was die Abhängigkeit von der Binnenkonjunktur Kroatiens reduziert.
Da es jüngst keine kursrelevanten Einzelmeldungen gab, rückt die technische Betrachtung stärker in den Vordergrund. Charttechniker sehen in der jüngsten Seitwärtsbewegung nach der vorangegangenen Rally eine klassische Konsolidierungsphase. Das Handelsvolumen ist moderat, ohne Hinweise auf größere Abgabewellen. Aus technischer Sicht ist dies oft ein Zeichen dafür, dass kurzfristige Gewinnmitnahmen bereits erfolgt sind und der Markt auf den nächsten Impuls – beispielsweise über neue Quartalszahlen oder größere Aufträge – wartet.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Die Abdeckung von Span durch große internationale Investmentbanken ist naturgemäß begrenzt. Weder US-Schwergewichte wie Goldman Sachs und JPMorgan noch große Häuser wie Deutsche Bank oder UBS veröffentlichen im Moment regelmäßig Research zu dem Titel. Das liegt vor allem an der geringen Marktkapitalisierung und der regionalen Fokussierung auf den kroatischen Kapitalmarkt. Gleichwohl existiert lokales und regionales Research, das ein differenziertes Bild zeichnet.
Analysten aus dem mittel- und osteuropäischen Raum, darunter kleinere Broker- und Researchhäuser, stufen die Aktie überwiegend positiv ein. In den verfügbaren Berichten der vergangenen Wochen überwiegen Einstufungen im Bereich "Kaufen" oder "Übergewichten"; vereinzelt findet sich eine neutralere "Halten"-Empfehlung. Explizite Verkaufsempfehlungen sind kaum zu finden. Die genannten Kursziele liegen im Durchschnitt moderat über dem aktuellen Kursniveau. Je nach Studie schwankt die Spanne, doch häufig wird ein Aufwärtspotenzial im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich unterstellt.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Kursziele eher vorsichtig entwickeln: Nach der deutlichen Kurssteigerung der vergangenen zwölf Monate haben einige Analysten ihre Modelle angepasst und die Erwartungen an das Gewinnwachstum leicht angehoben, ohne jedoch in überschwänglichen Optimismus zu verfallen. In den Kommentaren wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die Bewertung im Vergleich zu anderen regionalen IT-Dienstleistern zwar nicht mehr günstig, aber auch nicht überzogen wirkt – vorausgesetzt, Span hält das derzeitige Wachstumstempo und die Margen stabil.
In Summe ergibt sich damit ein konstruktives, aber nicht euphorisches Analystenbild: Der Konsens geht von weiterem Kursspielraum nach oben aus, allerdings mit zunehmender Selektivität. Investoren sollen verstärkt auf operative Kennzahlen wie Auftragseingang, Margenentwicklung und Cashflow achten, statt sich allein auf die bisherige Kursdynamik zu verlassen.
Ausblick und Strategie
Für die kommenden Monate steht Span d.d. an einem interessanten Punkt seines Kapitalmarktprofils. Nach der erfolgreichen Kursentwicklung und der Etablierung als ernstzunehmender Player im regionalen IT-Sektor stellt sich die Frage, ob das Unternehmen den Übergang von einem lokalen Wachstumswert zu einem breiter beachteten Qualitätswert schaffen kann. Entscheidend wird dabei sein, ob die Gesellschaft ihr Geschäftsmodell weiter skalieren und sich zugleich im intensiver werdenden Wettbewerb behaupten kann.
Das Umfeld bleibt grundsätzlich günstig: In vielen mittel- und osteuropäischen Ländern investieren Unternehmen und öffentliche Institutionen verstärkt in digitale Infrastruktur, Cloud-Migration und IT-Sicherheit. Gerade in diesen Segmenten ist Span gut positioniert. Gelingt es, größere internationale Kunden zu gewinnen oder bestehende Kooperationen auszubauen, könnte dies dem Umsatz und damit auch dem Gewinn zusätzliche Impulse verleihen. Projekte mit wiederkehrenden Serviceumsätzen und langfristigen Wartungs- oder Sicherheitsverträgen würden zudem die Visibilität der Erträge erhöhen – ein Pluspunkt für langfristig orientierte Investoren.
Risiken bestehen vor allem in der begrenzten Größe des Unternehmens und der starken Abhängigkeit von qualifiziertem Fachpersonal. Der Wettbewerb um IT-Spezialisten ist in ganz Europa intensiv; steigende Personalkosten könnten auf die Margen drücken. Zudem ist die Aktie aufgrund des begrenzten Freefloats anfällig für stärkere Schwankungen, wenn einzelne größere Investoren Positionen auf- oder abbauen. Für Anleger bedeutet das: Potenziell höhere Renditechancen gehen mit einer erhöhten Volatilität einher.
Strategisch orientierte Investoren, die einen Einstieg erwägen, sollten daher zweigleisig denken. Kurzfristig spricht die aktuelle Konsolidierungsphase nach der Kursrally dafür, auf klare Signale aus den nächsten Quartalszahlen oder neuen Auftragsmeldungen zu warten. Mittel- bis langfristig bleibt die Investmentstory jedoch intakt: Ein wachsender IT-Dienstleister in einem dynamischen regionalen Markt, mit solider Bilanz und einem klaren Fokus auf zukunftsträchtige Segmente wie Cloud und Cybersicherheit.
Für bereits engagierte Anleger stellt sich die Frage nach der richtigen Haltestrategie. Wer früh eingestiegen ist und deutliche Buchgewinne aufweist, könnte Teilgewinnmitnahmen in Erwägung ziehen, um das Risiko zu reduzieren – insbesondere angesichts der gestiegenen Bewertung und der üblichen Unsicherheiten in einem volatilen globalen Marktumfeld. Gleichzeitig spricht die operative Entwicklung bislang nicht für einen kompletten Ausstieg: Solange Span seine Wachstums- und Profitabilitätsziele erreicht, bleibt die Aktie ein interessanter Baustein in einem diversifizierten Portfolio mit Schwerpunkt auf technologiegetriebenen Nebenwerten.
Unterm Strich präsentiert sich Span d.d. damit als typischer wachstumsstarker IT-Wert aus der zweiten Reihe: kein spektakulärer Highflyer, aber ein Unternehmen mit solider Basis, erkennbarer strategischer Richtung und einem Kurs, der die bisherigen Fortschritte bereits zu einem guten Teil einpreist – ohne das langfristige Potenzial vollständig auszuschöpfen. Wer die Risiken eines kleineren Marktes akzeptiert und bereit ist, Kursschwankungen auszusitzen, findet hier einen Titel, der auch in Zukunft für positive Überraschungen sorgen könnte.


