SpaceX Aktie: Zweifel an All-Plänen
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 17:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SpaceX wird an der Börse zeitweise fast so hoch bewertet wie Amazon. Ausgerechnet jetzt hagelt es scharfe Kritik an einem zentralen Baustein dieser Fantasie: den geplanten Rechenzentren im Erdorbit.
Zeihans Rechnung: Kühlung, Strahlung, Kosten
Geopolitik-Analyst Peter Zeihan nannte das Konzept in einem viel beachteten Video "dämlich" und unterstellte den Verantwortlichen, ihre eigenen Investoren für naiv zu halten. Seine Rechnung: Für ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung im All wären rund 500 Starship-Starts nötig. Hinzu kämen etwa 20 Millionen Pfund zusätzliches Gewicht allein für den Strahlenschutz der Chips.
Das eigentliche Problem liegt für Zeihan bei der Kühlung. Im Vakuum gibt es weder Luft noch Wasser, die Abwärme abtransportieren könnten — nötig wären Kühlrippen von mehreren Zehn Quadratkilometern Fläche. Allein dafür veranschlagt er rund 250 Milliarden US-Dollar.
Etwas moderater, aber ebenfalls skeptisch fällt die Einschätzung der Energieberatung Wood Mackenzie aus: Sie kommt auf Gesamtkosten von rund 170 Milliarden US-Dollar für dieselbe Anlage — etwa das Dreifache einer vergleichbaren Anlage auf der Erde. Auf der Prognoseplattform Kalshi taxieren Händler die Wahrscheinlichkeit, dass ein Orbit-Rechenzentrum mit einem Megawatt Leistung vor Januar 2029 den Betrieb aufnimmt, auf 14 Prozent. Bis 2035 steigt die Quote auf 39 Prozent — SpaceX selbst nennt in seiner Börsenzulassung 2028 als Zieljahr.
Das Geschäft läuft vorerst auf der Erde
Nach der Übernahme von xAI im Februar 2026 präsentiert sich SpaceX seinen Investoren als vertikal integriertes KI-Unternehmen, nicht mehr nur als Raketenbetreiber. Die ersten orbitalen KI-Satelliten sollen frühestens 2028 starten, mit einem langfristigen Ziel von 100 Gigawatt gestarteter Jahreskapazität. Real verdient wird das Geld derzeit terrestrisch: Anthropic zahlt SpaceX seit Mai 2026 monatlich 1,25 Milliarden US-Dollar für Kapazitäten in den bodengebundenen Colossus-Rechenzentren, kündbar mit 90 Tagen Frist beiderseits.
Im eigenen Börsenprospekt räumt SpaceX ein, dass die orbitale Technologie unbewiesen ist und wirtschaftlich möglicherweise nie tragfähig wird — eine bemerkenswert offene Formulierung angesichts der Bewertung, die das Unternehmen inzwischen erreicht hat. Zeitweise stand SpaceX bei rund zwei Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung, während der Jahresumsatz bei 18,7 Milliarden US-Dollar und einem operativen Verlust von 2,6 Milliarden US-Dollar lag. Die Investmentbank Stifel wertet allein das Satellitengeschäft Starlink mit 1,25 Billionen US-Dollar — mehr als die Hälfte der gesamten SpaceX-Bewertung hängt damit an einem einzigen, bereits profitablen Geschäftsbereich.
Die Aktie notierte zuletzt bei 114,52 US-Dollar, leicht im Minus. Der nächste belastbare Prüfstein für die Orbit-Pläne bleibt der von SpaceX selbst gesetzte Zieltermin 2028 für die ersten Testsatelliten — bis dahin stehen sich Zeihans physikalische Einwände und die vorsichtigeren Wall-Street-Modelle unversöhnlich gegenüber.
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