Silber, Millionen

Silber: 46,3 Millionen Feinunzen Defizit 2026

28.05.2026 - 04:17:43 | boerse-global.de

Trotz sinkender Silbernachfrage aus der Solarindustrie vergrößert sich das Angebotsdefizit auf 46,3 Millionen Unzen. Investoren kompensieren den Rückgang.

Silber: 46,3 Millionen Feinunzen Defizit 2026 - Foto: über boerse-global.de
Silber: 46,3 Millionen Feinunzen Defizit 2026 - Foto: über boerse-global.de

Der Silberpreis fiel gestern auf 74,60 Dollar je Feinunze. Minus 3,05 Prozent zum Vortag. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von über 126 Prozent. Hinter dieser Volatilität vollzieht sich ein struktureller Umbau der Nachfrage — mit Folgen, die weit über den Tagespreis hinausreichen.

Photovoltaik dreht ab: 19 Prozent weniger Verbrauch

Die Solarindustrie braucht weniger Silber. Bereits 2025 sank der Bedarf um 6 Prozent auf 186,6 Millionen Feinunzen. Für 2026 prognostiziert das Silver Institute einen weiteren Rückgang um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Feinunzen.

Der Grund: steigende Silberpreise zwingen Modulhersteller zum Umdenken. Thrifting-Strategien reduzieren den Silberanteil pro Zelle. Alternative Metallisierungsverfahren setzen auf Kupfer statt Silber. Chinesische Produzenten treiben den Wandel voran.

Longi Green Energy Technology ersetzt Silber durch Kupfer in seinen Rückkontaktzellen. Massenproduktion ab dem zweiten Quartal 2026. Jinko Solar plant ebenfalls kupferbasierte Panels im großen Stil. Shanghai Aiko Solar Energy hat bereits silberfreie Solarzellen auf den Markt gebracht.

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Die elektrische Leitfähigkeit von Silber bleibt jedoch ohne kosteneffiziente Alternative. Elektrofahrzeuge, KI-Rechenzentren und 5G-Infrastruktur schaffen neue Nachfrage. Schneller, als das Thrifting die Lücke schließen kann.

Defizit weitet sich aus — trotz Solarrückzug

Der Markt wird 2026 ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Feinunzen verzeichnen. Das zeigt der aktuelle World Silver Survey des Silver Institute, erstellt mit Metals Focus. 2025 lag das Defizit bei 40,3 Millionen Feinunzen.

Der industrielle Rückzug wird vollständig durch Privatkapital kompensiert. Münzen, Barren und börsengehandelte Produkte ziehen massiv Kapital an. Das Ergebnis: schrumpfende Lagerbestände, extreme Preisschwankungen.

Seit 2021 hat der Markt 762 Millionen Feinunzen aus oberirdischen Beständen abgebaut, um die Angebotslücke zu schließen. Analysten bezeichnen dieses Ausmaß als beispiellos in der modernen Geschichte.

COMEX-Reserven kollabieren — China kauft massiv

Die registrierten COMEX-Silberbestände sanken um 61 Prozent. Von 201 Millionen Feinunzen im September 2025 auf 79,27 Millionen Feinunzen im April 2026.

Chinas Silberimporte explodierten im März 2026 um 78 Prozent gegenüber dem Vormonat auf rund 836 Tonnen. Ein Schock, der industrielle Dringlichkeit, Einzelhandelsnachfrage und geopolitisches Kalkül vereint.

Die Shanghai Gold Exchange notierte Silber im März bei rund 95,60 Dollar je Feinunze. Der LBMA-Benchmark in London lag bei etwa 84,00 Dollar. Eine Prämie von rund 14 Prozent für physisches Silber in China — ein deutliches Signal für akute Knappheit.

Geopolitik und Zinsen belasten kurzfristig

Die jüngsten US-Militärschläge verschärften die Lage im Nahen Osten. Der Waffenstillstand hält weitgehend, während die USA und der Iran über Kernforderungen verhandeln. Anleger warten ab.

Die Silberpreise liegen seit Beginn des Konflikts um fast 20 Prozent im Minus. Die Befürchtung: ein energiegetriebener Inflationsschock könnte die Zentralbanken zu einer längeren straffen Geldpolitik zwingen.

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Der PV-bedingte Nachfragerückgang dürfte den industriellen Gesamtverbrauch 2026 um weitere 3 Prozent auf 639,6 Millionen Feinunzen drücken. KI-Rechenzentren, Hochgeschwindigkeits-Übertragungshardware und Fahrzeugelektronik wachsen. Das Volumen reicht aber nicht, um den Rückzug der Solarindustrie auszugleichen.

Physische Investoren füllen die Lücke

Die globale Münz- und Barrennachfrage stieg 2025 um 14 Prozent. Indien legte um 33 Prozent zu. Börsengehandelte Produkte verzeichneten Netto-Zuflüsse von 68,3 Millionen Feinunzen. Das Silver Institute erwartet für 2026 einen weiteren Anstieg der physischen Investitionen um 18 Prozent — der höchste Stand seit 2022.

Ein strukturelles Problem bleibt: Rund 70 Prozent der weltweiten Silberförderung entfällt auf Beiprodukte aus dem Abbau von Blei, Zink und Kupfer. Angebotsentscheidungen folgen der Basismetall-Ökonomik, nicht dem Silberpreis. Das Angebot bleibt starr, während die Nachfrage durch Investoren in die Höhe schießt.

Die Photovoltaik mag sich vom Silber abwenden. Die Lücke füllen andere — und die oberirdischen Bestände schwinden weiter.

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