Siemens-Studie: Digitalisierung wird Schlüssel zur Energiewende
17.03.2026 - 00:00:23 | boerse-global.deDie Energiewende wird digital – oder sie scheitert. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Siemens, die den Stand der Industrie untersucht. Gleichzeitig legt die EU-Kommission einen Entwurf vor, der Künstliche Intelligenz in die Netzplanung integrieren soll.
Da die EU-Kommission bereits konkrete Pläne zur Integration von KI-Modellen vorlegt, müssen Unternehmen die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen kennen. Dieser kostenlose Leitfaden erklärt Ihnen kompakt die Anforderungen und Übergangsfristen der seit August 2024 geltenden EU-KI-Verordnung. EU-KI-Verordnung kompakt: Jetzt Gratis-Leitfaden sichern
Industrie setzt auf digitale Werkzeuge
Der Abschied von fossilen Brennstoffen stellt das Stromnetz vor enorme Herausforderungen. Es muss flexibler und präziser gesteuert werden als je zuvor. Die Lösung dafür kommt aus der digitalen Welt. Das zeigt der Siemens Infrastructure Transition Monitor, für den 1.400 Führungskräfte weltweit befragt wurden.
Zwei von drei Industriemanagern sehen die Elektrifizierung als wirksamsten Hebel für ihre Klimaziele. Genauso viele halten die Digitalisierung für einen entscheidenden Beschleuniger der Energiewende. Die Zahlen belegen einen Reifeprozess: 38 Prozent der Unternehmen geben an, über ausgereifte Strategien zur Dekarbonisierung zu verfügen. 2023 waren es erst 27 Prozent.
Im Fokus stehen nachfrageseitige Flexibilitätsmechanismen. Smart Sensors, Automatisierung und Predictive Analytics helfen Betrieben, ihren Verbrauch in Echtzeit an Netzlage und Preise anzupassen. 59 Prozent der Unternehmen planen, ihre Energieanlagen für solche Flexibilitätsmärkte zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Manager betont zudem, dass ein besserer Datenaustausch zwischen Erzeugern und Verbrauchern die Effizienz und Stabilität der Netze deutlich verbessern würde.
EU plant KI für Netze und Effizienz-Label
Während die Industrie vorprescht, arbeitet die Politik an den Rahmenbedingungen. Ein Entwurf der EU-Kommission verfolgt eine Doppelstrategie für die digitale Energiewende.
Ein Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz. Mit Programmen wie Horizon Europe sollen spezielle KI-Modelle für die Netzplanung entwickelt werden. Geplant sind ein Energy Data Lab zum Testen von Prognosemodellen und ein Energy Data Hub für einheitliche Kommunikationsprotokolle. Priorität haben bidirektionales Laden von E-Autos und die Flexibilisierung des Netzes – essenziell für die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarstrom.
Doch die Digitalisierung hat selbst einen ökologischen Preis. Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom. Daher plant die Kommission strikte Energieeffizienzvorgaben für neue Rechenzentren ab 2030. Bereits 2027 soll ein umfassendes Label-System eingeführt werden. Es soll den Verbrauch von Energie und Wasser, die Nutzung von Abwärme und den Anteil erneuerbarer Energien bewerten. Die Botschaft ist klar: Die Werkzeuge für die Dekarbonisierung dürfen nicht selbst zum Klimaproblem werden.
Die zunehmende Vernetzung und der Einsatz von KI in der Energiewirtschaft schaffen neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle, auf die viele Betriebe noch nicht vorbereitet sind. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, wie Sie Ihr Unternehmen mit effektiven Strategien und einfachen Maßnahmen proaktiv vor kostspieligen Angriffen schützen. Kostenlosen Cyber-Security-Report herunterladen
Milliardensummen für smarte Netze fließen
Der Aufbau digitaler Energiesysteme erfordert gewaltige Investitionen. Besonders in Schwellenländern mit veralteter Infrastruktur klafft eine Finanzierungslücke.
Das Global Innovation Lab for Climate Finance hat acht Finanzlösungen ausgewählt, die rund 600 Millionen Euro in Klimaprojekte lenken sollen. Ein Beispiel ist der Vietnam Industrial Decarbonization Accelerator. Das Vorhaben will über 50 Millionen Euro mobilisieren, um Solaranlagen, Batteriespeicher und Dekarbonisierungslösungen in vietnamesischen Industriegebieten zu finanzieren. Solche Blended-Finance-Modelle sind entscheidend, damit Entwicklungsländer veraltete Infrastruktur überspringen und direkt smarte Netze aufbauen können.
Politische Unsicherheit bremst Investitionen
Trotz des Fortschritts bleiben große Hürden. Laut der Siemens-Studie sehen 63 Prozent der Manager die politische Unsicherheit als wachsende Gefahr für die Energiewende. Unterschiedliche Regulierungen in verschiedenen Ländern können Investitionen in grenzüberschreitende digitale Netze ausbremsen.
Hinzu kommt das Problem der Dateninteroperabilität. Die Erfolge von KI und digitalen Zwillingen in der Energieprognose hängen vollständig von kompatiblen Datenformaten ab. Ohne einheitliche Protokolle, wie sie der geplante EU-Data Hub schaffen soll, bleiben Datensilos ein limitierender Faktor. Auch die Lieferketten für digitale Bauteile – von Chips für Smart Meter bis zu Servern für KI-Modelle – müssen nachhaltig und resilient sein, um den Nettonutzen für das Klima nicht zu schmälern.
Ausblick: Digitale Zwillinge und Effizienz-Label prägen das Jahrzehnt
Bis 2030 wird die Verschmelzung von Digitalisierung und Dekarbonisierung weiter Fahrt aufnehmen. Digitale Zwillinge von Stromnetzen werden sich schnell verbreiten. Sie erlauben es Netzbetreibern, Lastflüsse virtuell zu simulieren und zu optimieren, bevor sie in der realen Welt umgesetzt werden.
Die geplanten Effizienz-Label der EU ab 2027 werden die Tech-Branche vor eine Bewährungsprobe stellen. Rechenzentren müssen in Kühltechnologien und Abwärmenutzung innovieren. Parallel dazu dürften die Kapitalflüsse in smarte Netze in Schwellenländern deutlich zunehmen, sobald sich Blended-Finance-Modelle bewähren.
Die erfolgreiche Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft hängt am intelligenten Zusammenspiel aller Energiequellen. Wo industrielle Bereitschaft, regulatorische Rahmenbedingungen und gezielte Investitionen zusammenfinden, werden digitale Technologien vom optionalen Upgrade zur fundamentalen Architektur des Energiesystems der Zukunft.
Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.
Für. Immer. Kostenlos.

