Sicherheitsbeauftragte: Überzeugen statt anweisen
10.02.2026 - 15:22:12Sicherheitsbeauftragte schützen Kollegen ohne disziplinarische Macht. Ihre Wirksamkeit hängt von einer Schlüsselkompetenz ab: strategischer Kommunikation. Eine aktuelle Mitteilung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) unterstreicht, dass diese essenziellen Akteure des betrieblichen Gesundheitsschutzes durch Überzeugung, Beratung und Bewusstseinsbildung wirken müssen. Anstatt Anweisungen zu erteilen, sind sie darauf angewiesen, Kollegen und Vorgesetzte für Gefahren zu sensibilisieren. Ihre Rolle als Bindeglied zwischen Belegschaft und Führungsebene wird damit zur Königsdisziplin der zwischenmenschlichen Einflussnahme.
Die bewusste Machtlosigkeit als Stärke
Rechtlich verankert im Sozialgesetzbuch VII, sind Sicherheitsbeauftragte (SiBe) in Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten Pflicht. Ihre Aufgabe: den Arbeitgeber bei der Unfallprävention unterstützen, Gefahren identifizieren und auf sicherheitswidriges Verhalten hinweisen. Die Entscheidung, ihnen keine disziplinarische Weisungsbefugnis zu geben, ist dabei Absicht. Sie sollen nicht als verlängerter Arm des Managements gelten, sondern als vertrauenswürdige Kollegen. Diese Unabhängigkeit senkt die Hemmschwelle für offene Problemeingeständnisse. Ihre Autorität speist sich nicht aus hierarchischer Macht, sondern aus Fachwissen, Ortskenntnis und der Fähigkeit, auf Augenhöhe zu überzeugen.
Das Werkzeug: Psychologie der Sicherheitsgespräche
Da formale Autorität fehlt, wird die strategische Gesprächsführung zum zentralen Werkzeug. Untersuchungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sehen darin einen entscheidenden Erfolgsfaktor. Es geht darum, die intrinsische Motivation für sicheres Handeln zu wecken. Erfolgreiche SiBe setzen auf das Vier-Augen-Gespräch statt auf Bloßstellung. Sie erklären Gefahren, hören aktiv zu, um Ursachen wie Gewohnheit oder Unwissenheit zu verstehen, und argumentieren mit den persönlichen Folgen eines Unfalls. Diese partnerschaftliche Herangehensweise fördert die Akzeptanz im Team nachhaltiger als jedes Regelwerk.
Sicherheitsbeauftragte arbeiten oft ohne disziplinarische Macht – deshalb kommt es auf klare, anschauliche Unterweisungen und lückenlose Dokumentation an. Ein kostenloses Paket bietet Ihnen eine fertige PowerPoint-Muster-Präsentation, Checklisten und eine praktische Anleitung, um Sicherheitsunterweisungen zeitsparend und rechtssicher vorzubereiten. So gewinnen Sie Akzeptanz im Team und schaffen die nötigen Nachweise für Führungskräfte. Ideal für SiBe und HR-Verantwortliche, die Wirkung und Effizienz ihrer Prävention steigern wollen. Jetzt kostenlose Vorlage für Sicherheitsunterweisungen herunterladen
Die Führungsebene muss Rückendeckung geben
Die beste Kommunikationsstrategie verpufft ohne Unterstützung von oben. Die sichtbare Rückendeckung durch Vorgesetzte und Geschäftsführung ist entscheidend, damit Sicherheitsbeauftragte ernst genommen werden. Das bedeutet konkret: Unternehmen müssen SiBe Zeit und Ressourcen für ihre Aufgaben sowie regelmäßige Fortbildungen einräumen. Noch wichtiger ist, dass gemeldete Mängel und Verbesserungsvorschläge zeitnah aufgegriffen werden. Unterbleibt dies, führt das zu Frustration und untergräbt die Glaubwürdigkeit. Eine positive Sicherheitskultur wird von der Spitze vorgelebt – sie ist der Nährboden für die Überzeugungsarbeit der SiBe.
Spiegelbild moderner Arbeitskulturen
Die Betonung von Kommunikation und Einflussnahme spiegelt einen breiteren Wandel wider. Starre Hierarchien weichen agilen, kollaborativen Modellen, in denen laterale Führung an Bedeutung gewinnt. Die Rolle des Sicherheitsbeauftragten ist ein Paradebeispiel für „Führen ohne Vorgesetztenfunktion“. Dieser Trend findet sich auch in der Weiterentwicklung des Arbeitsschutzrechts wieder. Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2, die 2026 in Kraft trat, zielt auf eine praxisnähere und flexiblere Betreuung ab. Arbeitsschutz wird so immer mehr als dynamischer Kommunikationsprozess verstanden.
Zukunft: Der Kommunikator als Sicherheitsgarant
Die Zukunft der Prävention gehört einer umfassenden Sicherheitskultur. Darin wird die Bedeutung des kommunikativ versierten Sicherheitsbeauftragten weiter steigen. Die Qualifizierung wird sich stärker auf Soft Skills wie Gesprächsführung und Konfliktlösung fokussieren. Digitale Tools wie Meldungs-Apps können die Arbeit unterstützen und Kommunikationswege verkürzen. Am Ende bleibt der engagierte Kollege im Mittelpunkt, der mit einem offenen Gespräch oft mehr erreicht als mit jeder Anweisung. Die Investition in seine kommunikativen Fähigkeiten ist eine direkte Investition in die Gesundheit der gesamten Belegschaft.
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