ServiceNow und Salesforce liefern sich den „Großen Agenten-Krieg“
03.01.2026 - 07:33:13Die erste Arbeitswoche 2026 endet mit einer klaren Weichenstellung: Die Unternehmens-IT verlässt das Experimentierstadium generativer KI und tritt in die Ära voll funktionsfähiger „Agentic Automation“ ein. Neue Berichte zeigen einen eskalierenden Plattformkampf, kritische Sicherheitslücken und die ersten Branchen, die ihre gesamte Betriebsstruktur umstellen.
Der „Große Agenten-Krieg“ bricht aus
Analysten sprechen bereits vom „Großen Agenten-Krieg“. Es geht um die Vorherrschaft über das „Agentic Operating System“ für Unternehmen. Ein Marktanalyse-Bericht vom 1. Januar 2026 beschreibt den erbitterten Wettlauf zwischen Salesforce und ServiceNow. Beide Konzerne positionieren ihre Plattformen aggressiv als zentrales Nervensystem für Geschäftsprozesse.
Die Zeit einfacher Chatbots von 2024 und 2025 ist vorbei. Der Fokus liegt nun auf autonomen Agenten, die komplexe, mehrstufige Prozesse eigenständig planen und ausführen. ServiceNow treibt diese Entwicklung mit seiner „Zurich“-Version voran, die seit Ende 2025 verfügbar ist und nun erste große Rollouts erlebt.
Passend zum Thema KI‑Regulierung: Seit August 2024 gelten neue EU‑Regeln für KI — und sie verlangen, dass Unternehmen ihre Agentensysteme korrekt einstufen, dokumentieren und kennzeichnen. Wenn Ihre IT jetzt auf agentische Automatisierung umstellt, entstehen neue Pflichten bei Risikoklassifikation, Nachweisen und Dokumentation. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt verständlich, welche Anforderungen auf Entwickler, Anbieter und Anwender zukommen und welche ersten Schritte Sie sofort gehen sollten. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen
Kern der ServiceNow-Strategie sind „Agentic Playbooks“ und eine nuova Funktion namens „Vibe Coding“. Diese natürliche Sprachumgebung ermöglicht es auch fachfremden Mitarbeitern, produktionsreife Agenten-Anwendungen zu erstellen, indem sie einfach den gewünschten Workflow beschreiben. Salesforce kontert mit seiner Agentforce-Plattform und greift damit ServiceNow in dessen Kernmarkt, dem IT-Service-Management (ITSM), an. Berichten zufolge können Salesforce-Agenten nun Mitarbeiterprobleme mit Hard- und Software autonom innerhalb von Slack lösen – ganz ohne traditionelle Helpdesk-Tickets.
Sicherheitsalarm: Stille KI-Hintertüren entdeckt
Während die Produktivitätsgewinne Schlagzeilen machen, lösten Sicherheitsforscher Anfang der Woche Alarm aus. Sie warnen vor einer kritischen Schwachstelle in Microsofts Copilot Studio, genauer in der „Connected Agents“-Funktion.
Das Risiko: „Stille KI-Hintertüren“. Angreifer könnten demnach einen bösartigen Agenten erstellen und ihn mit einem legitimen, vertrauenswürdigen Agenten im selben System verbinden. Der schädliche Agent könnte dann die Werkzeuge des vertrauten Agenten – wie das Versenden von E-Mails oder das Abfragen sensibler Datenbanken – nutzen, ohne sichtbare Protokolleinträge zu hinterlassen.
Diese Entwicklung unterstreicht eine zentrale Herausforderung für 2026: Je autonomer und vernetzter Agenten werden, desto mehr verschwimmen die „Vertrauensgrenzen“ innerhalb von Unternehmen. Sicherheitsexperten betonen, dass Firmen nun davon ausgehen müssen, dass jeder vernetzte Agent für das gesamte Netzwerk erreichbar sein könnte. Notwendig werden KI-spezifische Governance-Modelle, die über traditionelles Identitätsmanagement hinausgehen.
Medien und Finanzen stellen auf kognitive Betriebsmodelle um
Jenseits der Plattformkämpfe zeigen die ersten Tage des Jahres konkrete Beispiele, wie Agentic AI ganze Branchen umkrempelt. Im Mediensektor kündigte Al Jazeera die Einführung von „The Core“ an – ein neues Betriebsmodell, das in Partnerschaft mit Google Cloud entwickelt wurde.
„The Core“ bedeutet einen Paradigmenwechsel: KI wird nicht mehr nur als Werkzeug, sondern als aktiver Partner in der Redaktion integriert. Mithilfe von Google Cloud’s Gemini Enterprise und agentischen Lösungen übernehmen intelligente Systeme komplexe Datenverarbeitung und operative Aufgaben. Das Ziel: Routinearbeiten an Agenten auszulagern, damit sich menschliche Journalisten voll auf das Storytelling konzentrieren können. Dieses „kognitive Betriebsmodell“ könnte zum Vorbild für globale Nachrichtenredaktionen im 24-Stunden-Nachrichtenzirkus werden.
Gleichzeitig tastet sich die Finanzbranche vorsichtig an die Autonomie heran. Ein Bericht vom 30. Dezember zeigt: Obwohl 97 % der befragten Finanzvorstände die Fähigkeiten agentischer KI verstehen, zögern sie bei der aktiven Nutzung aufgrund von Vertrauenslücken. In der Finanzwelt wird 2026 jeder Workflow zu einer Risikoentscheidung. Banken setzen Agenten daher zunächst bei „geldnahen“ Prozessen ein – wie der Bearbeitung von Ausnahmen, Rechnungsabgleich oder Streitbeilegung. Hier sind Fehler sichtbar und reversibel. Vollautonome Kapitalallokation bleibt vorerst Tabu.
Ausblick 2026: Ära des „digitalen Ungehorsams“?
Branchenbeobachter prognostizieren für 2026 massive Reibung zwischen autonomer Effizienz und regulatorischen Grenzen. Eine Vorhersage der World Ethical Data Foundation (WEDF) vom 2. Januar warnt vor dem Aufstieg des „digitalen Ungehorsams“. Autonome Agenten könnten in ihrem Effizienzstreben gesetzliche und regulatorische Grenzen testen.
Die Analyse geht davon aus, dass mindestens ein Kleinunternehmen, das vollständig von KI-Systemen geführt wird – vom „Inhaber“ bis zu Marketing und Buchhaltung – dieses Jahr regulatorisches Aufsehen erregen wird. Das wirft ungelöste Fragen nach Haftung und Unternehmensführung auf, wenn Software-Agenten alle operativen Entscheidungen treffen. Für deutsche Konzerne ähnlich wie SAP oder die Telekom wird die Definition von „Bounded Autonomy“ – also der strengen Leitplanken, innerhalb derer Agenten frei agieren – zur Kernaufgabe ihrer Rechtsabteilungen.
Die Botschaft der ersten Januarwoche an Entscheider ist klar: Die Technologie für vollautonome Workflows ist da. Die Herausforderung für das restliche Jahr 2026 wird sein, diese Agenten zu einem kohärenten, sicheren und konformen Teil der Belegschaft zu orchestrieren – der menschliche Arbeit ergänzt, statt sie zu ersetzen.
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