Scottish Mortgage: Vom 9,5-Prozent-Discount zu 7-Prozent-Aufschlag
02.06.2026 - 18:06:32 | boerse-global.deScottish Mortgage macht aus früherem Druck plötzlich Munition. Nach jahrelangen Rückkäufen gibt der Investment Trust nun fast täglich eigene Aktien aus dem Bestand ab. Der Grund ist ungewöhnlich: Die Aktie handelt nicht mehr mit Abschlag, sondern mit Aufschlag auf den Nettoinventarwert.
Am 1. Juni platzierte Scottish Mortgage 2.350.000 Aktien aus dem Treasury-Bestand zu 1.516,50 Pence je Stück. Die Ausgabe erfolgte gegen Barzahlung und über dem jeweils gültigen Nettoinventarwert. Das ist der Kern der Wende.
Nach der Transaktion hält der Trust noch 369.514.074 Aktien im eigenen Bestand. Die ausgegebenen Aktien ohne Treasury-Bestand belaufen sich nun auf 1.115.266.806 Stück.
Vom Discount zum Aufpreis
Im vergangenen Geschäftsjahr gab Scottish Mortgage 1,31 Milliarden Pfund für Rückkäufe aus. Damals wollte der Trust den Discount stützen, der zum Jahresende bei 9,5 Prozent lag.
Seit Anfang 2024 summieren sich die Rückkäufe auf mehr als 3 Milliarden Pfund. Das Programm war eine Reaktion auf jahrelangen Druck im Kurs.
Im Jahr 2023 notierte die Aktie zeitweise rund 20 Prozent unter NAV. Jetzt liegt sie bei einem Aufschlag von etwa 7 Prozent. Für einen Investment Trust ist das selten.
Der Wechsel ist mehr als Kosmetik. Wenn ein Trust eigene Aktien mit Abschlag kauft, steigt der rechnerische Wert der übrigen Anteile. Wenn er Aktien mit Aufschlag ausgibt, fließt der Aufpreis dem Fonds zu. Verwässerung ist dann nicht das Problem.
Der Kurs in Deutschland liegt bei 18,20 Euro und damit seit Jahresanfang 30,99 Prozent höher. Zum 52-Wochen-Hoch fehlen noch 3,47 Prozent.
SpaceX treibt die Nachfrage
Die Nachfrage fußt auf einem starken Geschäftsjahr. Der Nettoinventarwert stieg bis März 2026 um 27,4 Prozent. Damit schlug Scottish Mortgage den FTSE All-World um neun Prozentpunkte.
Das Aktionärsvermögen wuchs auf 13,82 Milliarden Pfund nach 12,08 Milliarden Pfund im Vorjahr. Der Zuwachs erklärt, warum der Markt den Trust neu bewertet.
Die größten Positionen zeigen zugleich, wo die Begeisterung und das Klumpenrisiko liegen:
- SpaceX: 19,3 Prozent
- Taiwan Semiconductor Manufacturing: 5,7 Prozent
- ByteDance: 4,7 Prozent
- MercadoLibre: 4,0 Prozent
- Stripe: 3,9 Prozent
SpaceX ist der Hebel. Eine deutliche Neubewertung machte SpaceX zur größten Einzelposition. Fast ein Fünftel des Portfolios steckt in einem nicht börsennotierten Unternehmen. Der Wert entsteht daher aus internen Bewertungen statt aus täglichem Börsenhandel.
Mehr Spielraum für Private Markets
Die strategische Linie hat sich ebenfalls verschoben. Am 10. April 2026 stimmten die Aktionäre einer neuen Anlagepolitik zu. Sie erlaubt zusätzliche Investitionen von bis zu 250 Millionen Pfund in private Firmen. Das gilt auch, wenn die Quote nicht börsennotierter Anlagen die Grenze von 30 Prozent bereits übersteigt.
Der erweiterte Spielraum muss jährlich erneuert werden. Damit behält die Hauptversammlung ein Kontrollrecht über diese Flexibilität. Das ist wichtig, weil private Bewertungen weniger transparent sind als Börsenkurse.
Heather Manners soll Anfang Januar als unabhängige Non-Executive-Direktorin einziehen. Die Zustimmung steht auf der Hauptversammlung am 2. Juli in Edinburgh an. Professor Maxwell verlässt das Gremium nach dieser Sitzung.
Auch die Ausschüttung sendet ein Signal der Kontinuität. Die Gesamtdividende steigt um 4,3 Prozent auf 4,57 Pence je Aktie. Es ist das 43. Jahr in Folge mit Wachstum.
China und SpaceX bleiben die Risiken
Die starke Nachfrage hat klare Haken. Scottish Mortgage hält 14 Prozent des Portfolios in China-nahen Positionen. Dazu zählt ByteDance, der Eigentümer von TikTok. Neue US-Beschränkungen könnten diese Beteiligungen belasten.
Das jüngste Treffen von Donald Trump und Xi Jinping brachte keine sichtbare Entspannung im Handelskonflikt. Politischer Druck bleibt damit ein Faktor für mehrere Kernpositionen.
Auch SpaceX bleibt ein doppelter Treiber. Ein starker Börsengang könnte den Aufschlag stützen. Ein enttäuschendes Debüt oder eine niedrigere Bewertung würde die Logik der Premium-Ausgaben schwächen.
Im Treasury liegen weiter 369 Millionen Aktien. Hält der Aufschlag, kann Scottish Mortgage diese Nachfrage weiter nutzen. Dreht die Stimmung bei SpaceX oder China, rückt der alte Discount-Mechanismus wieder nach vorn.
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