Schlumberger-Aktie: Warum Ölservice jetzt wieder spannend für DACH-Anleger wird
24.02.2026 - 13:36:18 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Schlumberger NV, einer der weltweit größten Ölfeld-Dienstleister, profitiert von wieder anziehenden Investitionen der Öl- und Gasindustrie. Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz stellt sich jetzt die Frage, ob die Aktie trotz Energiewende und politischer Risiken wieder ein attraktiver Depotbaustein werden kann. Was Sie jetzt wissen müssen...
Schlumberger ist im deutschsprachigen Raum weniger präsent als DAX-Schwergewichte, hat aber über ETFs, Zertifikate und Direktkäufe an US-Börsen längst einen festen Platz in vielen Depots. Die jüngsten Quartalszahlen und Analystenkommentare zeigen: Institutionelle Investoren drehen den Blick wieder stärker auf Ölservice-Titel, weil die globale Förderindustrie nach Jahren der Zurückhaltung ihre Budgets erhöht.
Für Anleger im DACH-Raum ist das vor allem aus zwei Gründen relevant: Erstens hängen Gewinnentwicklung und Bewertung der Schlumberger-Aktie stark an der globalen Konjunktur und am Ölpreis, der wiederum Einfluss auf Inflation, Zinsen und damit auch auf den Euro-Stoxx- und DAX-Verlauf hat. Zweitens bietet die Aktie eine Möglichkeit, indirekt vom anhaltenden Bedarf an fossilen Energien zu profitieren, ohne direkt in Ölproduzenten wie Exxon oder Saudi Aramco investieren zu müssen.
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Analyse: Die Hintergründe
Geschäftsmodell im Überblick: Schlumberger NV, inzwischen unter der Marke "SLB" auftretend, ist ein Technologiekonzern für die Öl- und Gasindustrie. Das Unternehmen liefert Dienstleistungen und Technologie für Exploration, Bohrung, Förderung und Produktion. Dazu gehören seismische Messungen, Bohrtechnik, digitale Plattformen und zunehmend auch Lösungen rund um CO2-Speicherung und Geothermie.
Damit steht Schlumberger nicht im direkten Wettbewerb mit klassischen Ölkonzernen, sondern verdient an deren Investitionen. Je mehr Bohrlöcher entstehen und je komplexer die Felder, desto größer der Bedarf an Hightech-Service - und desto besser die Margen. In Phasen hoher Ölpreise ziehen die Budgets der Produzenten an, was sich mit Verzögerung in den Zahlen von Dienstleistern wie Schlumberger widerspiegelt.
Aktuelle Nachrichtenlage: In den jüngsten Quartalsberichten meldete Schlumberger steigende Umsätze und Gewinne, getragen von einer starken Nachfrage im Mittleren Osten und in Offshore-Regionen wie Brasilien und Westafrika. Besonders positiv bewerteten Analysten, dass die Margen in den stark zyklischen Bohr- und Produktionsservices sich stabilisierten oder sogar ausgeweitet haben.
Zudem betont das Management, dass die weltweiten Öl- und Gasinvestitionen strukturell höher bleiben könnten als in der Dekade nach 2014. Grund: Viele Jahre Unterinvestition, wachsende Nachfrage in Schwellenländern und der politische Wunsch nach Versorgungssicherheit in Europa seit der Energiekrise. Für Schlumberger bedeutet das potenziell einen längeren Aufschwungzyklus anstatt einer kurzfristigen Erholung.
Hyperrelevanz für den DACH-Markt: Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Schlumberger aus mehreren Blickwinkeln spannend:
- Portfolio-Diversifikation: Der heimische Markt ist energie- und rohstoffseitig schwach besetzt. Im DAX dominieren Industriekonzerne, Chemie, Auto, Finanzwerte und Healthcare. Wer global im Energiebereich diversifizieren will, kommt um US- und globale Titel wie Schlumberger kaum herum.
- ETF-Exposure: Viele breit gestreute ETFs, die im DACH-Raum populär sind, enthalten Schlumberger: etwa MSCI World, S&P 500 oder Branchen-ETFs für Energie und Rohstoffe. Selbst wer nicht aktiv in Einzeltitel investiert, ist über solche Produkte oft bereits an Schlumberger beteiligt.
- Einfluss auf heimische Energiepreise: Die Servicekapazität von Unternehmen wie Schlumberger beeinflusst mittelbar das globale Angebot an Öl und Gas. Stabilere oder höhere Förderung kann preisdämpfend wirken - was sich letztlich auf Heizkosten, Industriestrompreise und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland auswirkt.
- ESG und Regulierung: Gerade in Deutschland tritt die Energiewende besonders forsch voran. Pensionskassen, Versicherer und Stiftungen im DACH-Raum stehen unter Druck, ESG-Kriterien einzuhalten. Schlumberger versucht, mit Lösungen für CO2-Speicherung und Geothermie zu kontern, bleibt aber primär ein fossiler Dienstleister. Für Anleger mit strengen Nachhaltigkeitsrichtlinien ist das ein kritischer Punkt.
Relevante Rahmenbedingungen im DACH-Raum:
- MiFID-II- und PRIIP-Regeln: Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz in US-Aktien wie Schlumberger investiert, tut dies meist über Banken und Broker, die die europäischen Informationspflichten erfüllen müssen. Das schränkt zwar selten den Zugang ein, erhöht aber die Bedeutung von standardisierten Infos wie KIDs und Research-Zusammenfassungen.
- Abgeltungsteuer und Quellensteuer: Dividenden aus US-Werten wie Schlumberger unterliegen der US-Quellensteuer, die mit dem Doppelbesteuerungsabkommen meist auf 15 % begrenzt wird. Für deutsche Privatanleger werden Dividenden nach Anrechnung dieser Steuer zusätzlich mit 25 % Abgeltungsteuer plus Soli (und ggf. Kirchensteuer) belegt. Die Netto-Dividendenrendite ist daher geringer als die vom Unternehmen ausgewiesene Bruttorendite.
- Schweizer Besonderheit: In der Schweiz unterliegen Kapitalerträge der Vermögenssteuer sowie in bestimmten Konstellationen der Einkommenssteuer. Für Schweizer Anleger kann eine langfristige Haltestrategie in dividendenstarken Werten wie Schlumberger attraktiv sein - abhängig vom individuellen Steuersatz und Wohnkanton.
Zyklische Risiken: Schlumberger ist traditionell hoch zyklisch. Bricht der Ölpreis wegen einer Rezession, geopolitischer Entspannung oder eines unerwartet schnellen Durchbruchs bei erneuerbaren Energien ein, reagieren die Investitionsbudgets der Ölkonzerne meist mit Verzögerung, aber dafür deutlich. Dann geraten Margen und Auslastung schnell unter Druck, und Ölservice-Aktien zählen zu den stärksten Verlierern im Sektor.
Für Anleger im DACH-Raum bedeutet das: Schlumberger eignet sich eher als Satellitenposition im Energie- oder Rohstoffcluster des Depots und weniger als defensiver Kernwert. Wer ohnehin stark in zyklischen DAX-Werten wie Auto oder Chemie engagiert ist, sollte das zusätzliche Risiko im Gesamtportfolio klar kalkulieren.
Energiewende vs. Realität: Ein typisches Missverständnis gerade im deutschsprachigen Raum: Politische Energiewendeziele werden häufig 1:1 in Investmententscheidungen übertragen. Global betrachtet wächst der Energiebedarf jedoch weiter, und viele Schwellenländer setzen noch lange verstärkt auf Öl und Gas. Schlumberger positioniert sich hier als Technologieanbieter, der existierende fossile Infrastrukturen effizienter machen und parallel neue Geschäftsfelder im Bereich CO2-Speicherung, Geothermie und Wasserstoff-Technologien erschließen will.
Für ESG-orientierte Anleger im DACH-Raum könnte genau dieser Transformationspfad zum Prüfstein werden: Reicht der Anteil der "grünen" Aktivitäten, um die Aktie mit einem guten Gewissen zu halten, oder bleibt Schlumberger ein klassischer Ölzulieferer, den viele nachhaltige Fonds ausschließen?
Handelsmöglichkeiten für DACH-Anleger:
- Direktkauf an US-Börsen wie NYSE via deutsche, österreichische oder Schweizer Onlinebroker.
- Handel via geteilte Listings oder Zertifikate über Xetra, Börse Stuttgart, Börse Frankfurt oder die SIX Swiss Exchange, sofern entsprechende Produkte verfügbar sind.
- Indirekte Beteiligung über ETFs oder aktiv gemanagte Fonds, etwa globale Energie- oder Value-Fonds, die in DACH weit verbreitet sind.
Vor einem Investment sollten Anleger im DACH-Raum prüfen, ob der eigene Broker ausreichende Liquidität in Euro-Handelssegmenten bietet oder ob der Handel in US-Dollar für sie akzeptabel ist. Währungsrisiken zwischen Euro bzw. Schweizer Franken und US-Dollar sind ein zusätzlicher Faktor, der die Rendite positiv oder negativ beeinflussen kann.
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Das sagen die Profis (Kursziele)
Analystenkonsens: Die großen Investmenthäuser sehen Schlumberger traditionell als Kerninvestment im Energie- und Ölservice-Sektor. Viele internationale Research-Häuser bewerten die Aktie derzeit überwiegend mit "Kaufen" oder "Übergewichten", teilweise mit Verweis auf den strukturellen Investitionszyklus im Öl- und Gasbereich und die starke Marktstellung des Konzerns.
Wichtig für Anleger im deutschsprachigen Raum: Einige dieser Research-Reports sind auch bei heimischen Banken und Brokern verfügbar, etwa über Plattformen wie die Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse-Nachfolger oder große Direktbanken mit Research-Zugriff. Die Spanne der Kursziele liegt typischerweise über dem aktuellen Kurs, was auf weiteres Aufwärtspotenzial hindeutet - allerdings stets unter der Prämisse stabiler Ölpreise und keiner scharfen globalen Rezession.
Argumente der Bullen:
- Marktführerschaft und technologische Stärke in einem oligopolistischen Markt für komplexe Ölfeldservices.
- Profitabler Hebel auf steigende Investitionsbudgets der Öl- und Gasindustrie, insbesondere in den profitablen Offshore- und Nahost-Regionen.
- Attraktive Bewertung im Vergleich zur eigenen Historie und im Verhältnis zu großen Ölproduzenten, kombiniert mit solider Bilanz und Dividendenpolitik.
- Strategische Initiativen im Bereich CO2-Speicherung, Geothermie und digitale Plattformen, die mittelfristig zusätzliche Ertragsquellen schaffen sollen.
Argumente der Bären:
- Hohe Zyklik: Ein starker Rückgang des Ölpreises oder ein globaler Nachfrageschock könnte die Investitionsbereitschaft der Kunden drastisch dämpfen.
- Politischer Druck im Zuge der Energiewende, insbesondere in Europa, könnte die öffentliche Akzeptanz fossiler Investments reduzieren und Kapitalströme umlenken.
- ESG-Risiken, einschließlich möglicher Reputationsschäden oder regulatorischer Eingriffe, die Versicherer, Banken und Pensionskassen im DACH-Raum zwingen, Engagements zu reduzieren.
- Technologischer Wandel: Sollten erneuerbare Energien und Speichertechnologien schneller und günstiger skalieren als erwartet, könnte der Bedarf an neuen Öl- und Gasprojekten schneller nachlassen.
Was bedeutet das für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Wer einen energiebezogenen Satelliten im Depot sucht und bereit ist, die Zyklik des Sektors zu tragen, findet in Schlumberger einen global führenden Player mit hoher operativer Hebelwirkung auf einen länger anhaltenden Investitionszyklus im Öl- und Gasbereich. Institutionelle Investoren, auch im DACH-Raum, nutzen den Titel häufig als Kernposition im Ölservice-Segment.
Privatanleger sollten dagegen kritisch prüfen, wie gut ein Investment in Schlumberger zur eigenen Risiko-Rendite-Strategie passt. In stark ESG-getriebenen Mandaten oder Depots, die sich klar an der deutschen Energiewende ausrichten, könnte der Titel aus Nachhaltigkeitsgründen außen vor bleiben. Für eher rendite- und zyklusorientierte Investoren kann Schlumberger hingegen eine bewusste Beimischung sein - mit der klaren Bereitschaft, deutliche Kursschwankungen auszuhalten.
Praktischer Hinweis für DACH-Anleger: Vor einem Einstieg empfiehlt es sich,
- die eigene Sektorallokation (Energie, Rohstoffe, Zykliker) im Gesamtdepot zu überprüfen,
- Währungsrisiko Euro bzw. Schweizer Franken gegen US-Dollar einzupreisen,
- die steuerliche Behandlung von US-Dividenden mit dem Steuerberater oder anhand offizieller Informationen zu klären,
- und die Hausmeinung der eigenen Bank oder des Brokers zum Wertpapier einzusehen.
Fazit: Schlumberger bleibt ein Schwergewicht im globalen Ölservice und gewinnt angesichts steigender Investitionsbudgets und geopolitischer Unsicherheiten für viele Anleger wieder an Attraktivität. Im DACH-Raum ist der Titel eine Möglichkeit, gezielt auf eine länger anhaltende Phase höherer fossiler Investitionen zu setzen - und gleichzeitig den strukturellen Übergang zu neuen Energietechnologien im Blick zu behalten. Ob sich der Einstieg jetzt lohnt, hängt weniger von der Schlagzeile des Tages ab, sondern von der eigenen strategischen Positionierung zwischen Energiewende-Ideal und realwirtschaftlicher Nachfrage.
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