SAP Aktie: Versteckte Risiken?
29.01.2026 - 23:00:35Die SAP-Aktie erlebte am Donnerstag ihren schwersten Handelstag seit über fünf Jahren. Das Papier sackte um bis zu 16 Prozent auf rund 165 Euro ab – der tiefste Stand seit zwei Jahren. Allein dieser Kurssturz riss den DAX um rund 500 Punkte nach unten, da SAP aufgrund seiner Gewichtung im Leitindex numerisch für fast die Hälfte der Tagesverluste verantwortlich war. Der Index schloss 2,1 Prozent tiefer bei 24.309 Punkten.
Auslöser der massiven Verkaufswelle waren die am Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen. Der sogenannte Current Cloud Backlog (CCB) – also der gesicherte Auftragsbestand im Cloud-Geschäft auf Sicht von zwölf Monaten – wuchs währungsbereinigt um 25 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro. Das klingt nach einem soliden Wachstum, doch die Walldorfer verfehlten damit ihre eigene Prognose von 26 Prozent. SAP-Chef Christian Klein hatte im Oktober noch erklärt, dass 26 Prozent die Untergrenze darstellen würden, um eine „Enttäuschung“ zu vermeiden.
Analysten drehen ab
Die Reaktion der Finanzexperten fiel harsch aus. Die DZ Bank kappte den fairen Wert für die Aktie von 210 auf 150 Euro und bestätigte ihre „Verkaufen“-Einstufung. Analyst Armin Kremser verwies auf den enttäuschenden Cloud-Auftragsbestand. Morgan Stanley bemängelte ebenfalls die schwächer als erwartete CCB-Entwicklung, während die Bank of America immerhin den soliden Ausblick und das angekündigte Aktienrückkaufprogramm positiv hervorhob.
Jefferies-Experte Charles Brennan machte zudem auf eine gesunkene Kundenzufriedenheit aufmerksam, die sich in schlechteren Bewertungen durch Kunden mit fest installierter Software niederschlage. JPMorgan-Analyst Toby Ogg zeigte sich zwar vom unerwartet hohen freien Cashflow-Ausblick überrascht, konnte über den schwachen Vertragsbestand aber nicht hinwegsehen.
Wenn Komplexität zur Ausrede wird
Finanzvorstand Dominik Asam lieferte eine Erklärung für das Verfehlen der eigenen Ziele: Im vierten Quartal hätten sich einige große Deals in der Vertriebspipeline befunden, die wegen ihrer Komplexität länger zur Umsetzung bräuchten. Zudem seien manche abgeschlossenen Verträge mit öffentlichen Auftraggebern aufgrund spezieller Kündigungsregeln nicht in den CCB eingeflossen.
Doch können solche Argumente Investoren überzeugen, die bei den aktuell hohen Bewertungen keine Wachstumsdelle verzeihen? Die Aktie hat seit ihrem Rekordhoch vor knapp einem Jahr bereits mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Das Vertrauen der Anleger schwindet zusehends.
Aktienrückkauf als Trostpflaster
Um die Stimmung zu heben, kündigte SAP ein massives Aktienrückkaufprogramm an: Bis zu 10 Milliarden Euro sollen über zwei Jahre in den Rückkauf eigener Papiere fließen. Davon entfallen jährlich 1,5 bis 2 Milliarden Euro auf das aktienbasierte Vergütungssystem für Mitarbeitende, der Rest soll an die Aktionäre gehen. Bei Großinvestoren sind solche Programme beliebt, weil sie den Gewinn je Aktie erhöhen. Kritiker bemängeln jedoch, dass das Geld für echte Investitionen fehlt.
Die Maßnahme verpuffte am Donnerstag allerdings wirkungslos. Zu groß war die Enttäuschung über die operative Entwicklung.
KI-Hoffnung trifft auf Realität
CEO Christian Klein verwies darauf, dass SAP Business AI bereits in zwei Drittel der Cloud-Vertragsabschlüsse im vierten Quartal enthalten gewesen sei. Die KI-Anwendung entwickle sich zum wichtigen Wachstumstreiber. Klein räumte aber auch ein, dass Investoren derzeit Geld aus Softwarewerten abziehen, um es in Unternehmen zu stecken, die sich im Ausbau von KI-Kapazitäten und der Chipherstellung engagieren.
Während Nvidia und ASML an der Börse kräftig zulegen, kämpft SAP mit der Sorge, dass Kunden künftig verstärkt eigene KI-Lösungen einsetzen und sich von teuren SAP-Produkten verabschieden könnten. Noch spricht das Management von vollen Auftragsbüchern – doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte.
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Ausblick ohne Überraschung
Für 2026 peilt SAP ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum bei Cloud-Produkten und herkömmlichen Lizenzen von 12 bis 13 Prozent an. Die Cloud-Erlöse sollen um 23 bis 25 Prozent zulegen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll um 14 bis 18 Prozent steigen. Diese Ziele bewegen sich im Rahmen der Analystenschätzungen – bieten also keine positive Überraschung.
Das Wachstum des Cloud-Vertragsbestands wird 2026 erneut langsamer ausfallen als im Vorjahr. Dominik Asam versicherte zwar, der Rückgang werde nicht so deutlich wie zuletzt – doch Vertrauen schafft das nicht.
Die Zahlen im Detail
2025 steigerte SAP den Gesamtumsatz um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, wobei Währungseffekte drei Prozentpunkte kosteten. Das bereinigte Ebit kletterte dank Einsparungen durch einen Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro – leicht über den Erwartungen. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 7,5 Milliarden Euro, was allerdings auch daran lag, dass im Vorjahr Stellenstreichungen mit Milliardenkosten belastet hatten.
174 Millionen Euro legte SAP für einen alten Rechtsstreit mit Teradata in den USA zurück. Dabei geht es um kartellrechtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der Datenbanktechnik Hana.
Marktumfeld verschärft sich
Die schwache Performance von SAP steht nicht isoliert. Auch Microsoft enttäuschte am Vorabend mit seinen Zahlen, was die Technologiewerte auf beiden Seiten des Atlantiks belastete. Der TecDAX verlor 3,9 Prozent, während der MDAX mit minus 1,3 Prozent glimpflicher davonkam.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen: Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran sorgt für zusätzliche Nervosität an den Märkten. Der Goldpreis schoss zwischenzeitlich auf über 5.600 Dollar pro Feinunze – ein Zeichen dafür, dass Anleger in den sicheren Hafen flüchten.
Kann SAP das Vertrauen zurückgewinnen? Die nächsten Quartale werden zeigen, ob die KI-Integration tatsächlich Wachstum bringt oder ob das Geschäftsmodell unter Druck gerät. Anleger haben jedenfalls ein klares Signal gesendet: Sie erwarten mehr als vollmundige Versprechen.
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