SAP Aktie: 4 Prozent nach OpenAI-Bericht
29.06.2026 - 22:40:02 | boerse-global.de
Der entscheidende Impuls für SAP kam nicht aus Walldorf. Er kam aus Kalifornien. Ein Bericht über den verschobenen Börsengang von OpenAI lieferte der Aktie am Freitag unerwarteten Rückenwind. Das Papier kletterte um knapp 4 Prozent.
Damit verlässt der Kurs sein frisches 52-Wochen-Tief. Aktuell notiert die SAP-Aktie bei 136,54 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein sattes Minus von gut 32 Prozent auf der Anzeigetafel.
KI-Panik lässt nach
Laut der New York Times plant OpenAI seinen Börsengang frühestens für das Jahr 2027. Finanzielle Hürden bremsen das Vorhaben. Die Nachricht entkräftet eine hartnäckige Theorie am Markt. Viele Investoren fürchteten monatelang, dass Künstliche Intelligenz klassische Unternehmenssoftware schnell überflüssig macht.
Diese Furcht hatte SAP und andere Software-Titel massiv unter Druck gesetzt. Nun dreht sich der Wind. Analyst Adam Tindle von Raymond James beobachtet eine klare Gegenbewegung. Ausgerechnet die vermeintlich KI-gefährdeten Aktien stiegen vor dem Wochenende am stärksten. Kurz gesagt: Die Panik schwindet.
Bei Oracle zeigte die Kurstafel in die andere Richtung. Der Konzern verlor am Freitag rund 3 Prozent. Oracle bindet sich über einen massiven Cloud-Vertrag eng an die Infrastruktur von OpenAI. Morningstar-Analyst Luke Yang wertet den verzögerten Börsengang als schlechte Nachricht für Cloud-Anbieter.
Kartellklage und operative Stärke
Die plötzliche Erholung verdeckt ein juristisches Risiko. Das Prozessanalyse-Unternehmen Celonis weitet seine Kartellklage gegen SAP in Kalifornien aus. Der Vorwurf lautet nun auch auf Geheimnisdiebstahl. Celonis wirft SAP vor, Kunden gezielt zur eigenen Signavio-Software zu drängen.
Ein Bundesgericht wies den SAP-Antrag auf Abweisung größtenteils zurück. Der Softwarekonzern muss nun interne Dokumente zu Preisen und Verträgen vorlegen. Der Prozess startet am 7. Dezember 2026. SAP kündigte an, sich weiter zu verteidigen.
Operativ wächst das Unternehmen weiter. Im ersten Quartal stieg der währungsbereinigte Cloud-Umsatz um 27 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand in der Cloud wuchs parallel dazu deutlich. Die Jahresprognose für den Cloud-Umsatz bleibt bei maximal 26,2 Milliarden Euro.
Analyst Rishi Jaluria von RBC Capital Markets sieht den Tiefpunkt der schlechten Stimmung möglicherweise erreicht. Er warnt allerdings vor Euphorie. Firmen tauschen ihre Software nicht über Nacht gegen KI aus.
Blick auf die Halbjahreszahlen
SAP befindet sich aktuell in der Ruhephase vor den nächsten Quartalszahlen. Am 23. Juli 2026 öffnet der Konzern seine Bücher. Das zweite Quartal gilt als anspruchsvoll. Das Management rechnet mit einem schwächeren Wachstum, da Sondereffekte aus dem Jahresauftakt wegfallen.
UBS-Analyst Michael Briest erwartet dennoch ein besseres Geschäftsumfeld. Er rechnet mit steigenden Margen. Sein Kursziel belässt er bei 205 Euro. Er rät weiterhin zum Kauf der Aktie.
Ende Juli rücken zwei Kennzahlen in den Mittelpunkt. Investoren achten genau auf den Cloud-Auftragsbestand und die Bruttomarge. Diese Werte zeigen am 23. Juli, ob die KI-Strategie von SAP kommerziell greift.
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