Salesforce Aktie: KI-Sorgen bleiben, Kurs auch
28.05.2026 - 22:06:24 | boerse-global.deDer schwache Umsatzausblick überschattete solide Quartalsergebnisse — ein vertrautes Muster bei Salesforce. Die Aktie fiel zunächst vorbörslich, erholte sich im Haupthandel aber und schloss rund 1,6 Prozent im Plus.
Zahlen treffen, Ausblick verfehlt
Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende April) kletterte der Umsatz um 13 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar. Darin enthalten sind erstmals vollständig Erlöse aus der Übernahme des Daten-Softwareunternehmens Informatica. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 3,88 Dollar übertraf die Analystenerwartungen klar.
Für das laufende zweite Quartal peilt Salesforce-Chef Marc Benioff 11,27 bis 11,35 Milliarden Dollar Erlös an. Das Problem: Analysten hatten im Schnitt das obere Ende der Spanne als Mindestgröße eingepreist — die Guidance blieb also hinter dem zurück, was der Markt sehen wollte. Beim bereinigten Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr legte das Unternehmen hingegen die Messlatte deutlich höher: 14,06 bis 14,12 Dollar, gegenüber zuvor bis zu 13,19 Dollar.
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Agentforce wächst, die Angst bleibt
Das KI-Tool Agentforce ist das Herzstück von Salesforces Zukunftsstory. Der jährlich wiederkehrende Vertragsbestand stieg von 800 Millionen Dollar Ende Februar auf inzwischen 1,2 Milliarden Dollar. Die KI-Nutzung innerhalb der Salesforce-Plattform hat sich im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt — starke Wachstumsraten für ein noch junges Segment.
Barclays-Analyst Raimo Lenschow zweifelt allerdings, ob diese Zahlen reichen, um die grundsätzliche Skepsis der Investoren aufzulösen. Der KI-bezogene Umsatz entwickle sich zwar gut, bleibe aber im Gesamtkontext des Konzerns gering. Ausgerechnet KI — der erhoffte Wachstumsmotor — sorge parallel für spürbare Herausforderungen im Kerngeschäft.
Diese Ambivalenz spiegelt sich im Kursverlauf 2026 wider. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund ein Drittel ihres Werts verloren. Der Markt fürchtet die sogenannte „SaaScopalypse": ein Szenario, in dem Unternehmenskunden teure Software-Abonnements kündigen und ihre Prozesse stattdessen mit KI-Agenten selbst abbilden. SAP traf es in diesem Jahr ähnlich — mit einem Kursverlust von rund einem Viertel.
Finanzchefin Robin Washington bekräftigte, dass sich das Umsatzwachstum in der zweiten Jahreshälfte 2026 beschleunigen soll. Ob der Markt das glaubt, wird sich spätestens mit den August-Zahlen zeigen — dann endet das zweite Quartal, und Benioffs Ausblick bekommt seine erste echte Bewährung.
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