S&P 500: Teuer wie 1929
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 03:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Leitindex startet mit Schwung in die Woche – und verliert ihn wieder, noch bevor der Handelstag zu Ende ist. Was als Erholungsrally begann, endet als Rückschlag. Der eigentliche Grund für die Nervosität liegt aber tiefer als der Handelsverlauf eines einzelnen Montags.
Frühe Kaufsignale verpuffen
Der S&P 500 schloss mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 7.443,28 Punkten – nachdem er im Tagesverlauf zeitweise deutlich fester notiert hatte. Der Dow Jones verlor 0,6 Prozent, die Nasdaq gab nur moderat nach. Anleger hatten zunächst nach dem Kursrutsch der beiden Vortage günstig eingekauft, vor allem im zuletzt gebeutelten Halbleitersektor.
Die Kauflaune bröckelte im Laufe des Tages. Der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran – mittlerweile im neunten Tag ununterbrochener Angriffe – trieb die Zehnjahresrendite auf 4,598 Prozent. Immobilienwerte gaben um 2,3 Prozent nach, Pharmatitel verloren rund 2 Prozent.
Der Conference-Board-Frühindikator für die US-Wirtschaft sank im Juni um 0,2 Prozent. In Asien zeigte sich ein gespaltenes Bild: Der Hang Seng legte um 2,4 Prozent zu, während der koreanische Kospi um 4,5 Prozent einbrach.
Bewertung wie vor dem großen Crash
Während der Tageshandel von geopolitischen Schlagzeilen getrieben wird, wächst im Hintergrund eine andere Sorge. Das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis nach Shiller liegt inzwischen bei 41,4 – höher als vor dem Crash von 1929 und weit über dem langfristigen Durchschnitt von 17,8 seit 1881. Auf dieser Basis ergeben sich für die kommenden zehn Jahre nur noch reale Renditeerwartungen von etwa 2,4 Prozent.
Getragen wird die aktuelle Bewertung vor allem von einer kleinen Gruppe großer Technologiewerte, die einen überproportionalen Anteil der Marktkapitalisierung im Index stellt. Historische Parallelen reichen von der Kanal-Manie der 1830er Jahre über die Eisenbahn-Euphorie bis zum Dotcom-Boom – Muster, bei denen auf gewaltige Investitionswellen stets Überkapazitäten und Konsolidierung folgten.
Hinzu kommt ein politisches Umfeld, das die Unsicherheit verschärft. Das US-Haushaltsdefizit liegt bei rund 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Staatsverschuldung auf dem höchsten Stand seit Kriegsende. Der IWF erwartet für 2026 noch ein globales Wachstum von 3,0 Prozent und für 2027 von 3,4 Prozent – während die US-Wirtschaft bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.
Analysten uneins über den Zeitpunkt
Ein aktueller Bull-Bear-Schlagabtausch von BCA Research zeigt, wie gespalten das Lager ist. Die Bären sehen den Markt inmitten einer Gewinnblase mit fragilen Margen, die Bullen verweisen auf knappe Rechenkapazität und historisch günstige Bewertungen bei Hyperscalern. Am Ende setzten sich die Optimisten durch – wenn auch nach eigener Einschätzung nur auf Zeit.
BCA Research betont, dass eine Korrektur langfristig kommen wird, der genaue Zeitpunkt sich aber kaum treffsicher bestimmen lässt. Als größtes Risiko gilt dabei nicht ein Gewinneinbruch, sondern eine Kompression der Bewertungsvielfachen.
Diese Woche liefern Alphabet, Tesla, Intel und IBM ihre Quartalszahlen. Sie dürften zeigen, ob die Gewinne der Tech-Schwergewichte die hohen Erwartungen weiterhin stützen können.
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