S&P, Bewertung

S&P 500: Bewertung nahe Rekord

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der S&P 500 notiert nahe Rekordniveau, doch der Buffett-Indikator und das Shiller-KGV signalisieren eine historisch hohe Marktbewertung.

S&P 500: Historische Bewertungssignale und Chip-Sorgen belasten
Stilisierte Bullen-Skulptur vor verschwommenen Finanzdaten auf einem modernen Trading-Desk. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der amerikanische Aktienmarkt wirkt auf den ersten Blick ruhig – zuletzt schloss der S&P 500 nahezu unverändert bei 7.413,18 Punkten. Unter der Oberfläche türmen sich jedoch Bewertungssignale auf, die selbst gestandene Marktbeobachter aufhorchen lassen. Der Buffett-Indikator, Warren Buffetts bevorzugte Kennzahl für die Gesamtmarktbewertung, notiert mit rund 236 Prozent so hoch wie nie zuvor.

Zwei Kennzahlen, ein Warnsignal

Buffett selbst hatte einst erklärt, ein Wert nahe 200 Prozent bedeute, man "spiele mit dem Feuer" – so weit war die Kennzahl zuletzt vor dem Platzen der Dotcom-Blase gestiegen. Aktuell liegt sie deutlich darüber. Parallel dazu nähert sich das Shiller-KGV des S&P 500 mit einem Stand von gut 41 dem historischen Allzeithoch von 44 aus den späten 1990er-Jahren.

Beide Kennzahlen taugen nicht als Timing-Werkzeug für den nächsten Rücksetzer. Sie zeigen aber, dass der Markt in seiner Breite historisch teuer bewertet ist – und das bei einer Indexstruktur, die kaum noch breit ist. Die zehn größten Werte im S&P 500 vereinen inzwischen einen Anteil von 38,6 Prozent auf sich, vor sechs Jahren waren es noch 25,6 Prozent. Halbleiterwerte allein machen 19,7 Prozent des Index aus, ein historischer Höchstwert.

Chip-Sorgen bremsen die Erholung

Genau diese Konzentration zeigte sich zuletzt im Handel: Sorgen um chinesische Konkurrenz für den niederländischen Lithografie-Spezialisten ASML sowie ein fulminanter Börsengang des chinesischen Speicherherstellers CXMT drückten auf die Chipwerte. Nvidia verlor am Montag rund fünf Prozent und war damit Schlusslicht im Dow. Der breitere Markt fing die Schwäche noch auf – der Nasdaq 100 schloss dennoch auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Mai.

Hinzu kommen strukturelle Fragen zur Finanzierung des KI-Ausbaus. Die Investitionen der Hyperscaler in Rechenzentren müssen über neue Aktien oder zusätzliche Schulden finanziert werden – ein Umstand, der die vielbeachtete Halbleiter-Rally relativiert. Als besonders diskutiert gilt zudem die Verflechtung von OpenAI mit Oracle: Das Unternehmen soll für rund die Hälfte der offenen Vertragsverpflichtungen von Oracle in Höhe von 638 Milliarden Dollar stehen, obwohl es selbst kaum Umsätze und hohe Verluste ausweist.

Nicht jedes viel diskutierte Risiko hält der Datenlage stand. Befürchtungen vor einem KI-bedingten Jobabbau im großen Stil lassen sich in den Arbeitsmarktzahlen bislang nicht bestätigen – Unternehmen mit hoher KI-Durchdringung stellen sogar mehr ein als weniger.

Diese Woche dürfte zeigen, wie belastbar die aktuelle Bewertung ist. Microsoft, Meta, Amazon und Apple legen ihre Quartalszahlen vor, während die US-Notenbank am Mittwoch ihre Zinsentscheidung verkündet. Beide Termine treffen auf einen Markt, der auf hohem Bewertungsniveau kaum noch Spielraum für Enttäuschungen lässt.

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