Rumäniens Arbeitsmarkt im Umbruch: Neue Regeln für Gehälter, Krankengeld und ausländische Arbeitskräfte
15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de
Rumäniens Arbeitgeber stehen 2026 vor einem Berg neuer Vorschriften. Gleich mehrere Gesetzesänderungen zu Gehaltstransparenz, Krankengeld und Arbeitserlaubnissen treffen Unternehmen zeitgleich – und verlangen schnelles Handeln.
Die neuen Transparenzregeln fordern eine präzise Anpassung Ihrer Arbeitsverträge an aktuelle gesetzliche Standards. Mit diesen 19 fertigen Muster-Formulierungen sichern Sie Ihr Direktionsrecht rechtssicher ab und vermeiden teure Bußgelder. 19 Muster-Formulierungen für Arbeitsverträge jetzt sichern
EU-Vorgabe mit schärferen Fristen: Das neue Gehaltstransparenz-Gesetz
Die größte Herausforderung ist die Umsetzung der EU-Gehaltstransparenzrichtlinie. Ein am 10. März 2026 vorgelegter Gesetzentwurf sieht striktere Regeln vor als von Brüssel gefordert. Künftig dürfen Arbeitgeber Bewerber nicht mehr nach ihrer Gehaltshistorie fragen. Sie müssen bereits vor dem Vorstellungsgespräch eine Gehaltsspanne nennen.
Die nationale Umsetzung geht über die EU-Vorgaben hinaus: Während die Richtlinie zwei Monate für die Beantwortung von Anfragen zum Gender-Pay-Gap vorsieht, verlangt der rumänische Entwurf eine Antwort innerhalb von 30 Werktagen. Die Aufsicht übernimmt die Nationale Agentur für Chancengleichheit (ANES). Alle Stellenausschreibungen und Gehaltsbänder müssen zudem geschlechtsneutral formuliert sein – ein erheblicher administrativer Aufwand für Personalabteilungen.
Erster Krankheitstag unbezahlt: Änderungen beim Krankengeld
Seit 1. Februar 2026 gilt die Notfallverordnung Nr. 91/2025. Sie bringt eine einschneidende Änderung: Der erster Tag einer Arbeitsunfähigkeit wird nicht mehr vom Arbeitgeber bezahlt. Bislang trug das Unternehmen die Kosten für die ersten fünf Krankheitstage.
Jetzt ist der Arbeitgeber nur noch für die Tage zwei bis sechs verantwortlich. Der erste Tag muss jedoch offiziell als Krankheitstag erfasst werden, um Sozialversicherungsbeiträge und Vertragskontinuität zu wahren. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende 2027. Gleichzeitig wurden die Befugnisse der Nationalen Krankenkasse (CNAS) erweitert, um auf Anfrage die Rechtmäßigkeit von Krankmeldungen zu prüfen.
Weniger Arbeitserlaubnisse: Kontingent für Nicht-EU-Kräfte sinkt
Seit Januar 2026 gilt ein neues Einwanderungsgesetz. Es soll Verfahren beschleunigen, stellt aber auch strengere Anforderungen an Vermittlungsagenturen. Ein zentrales Ziel: Missbrauch von rumänischen Arbeitserlaubnissen als Sprungbrett in andere Schengen-Länder zu verhindern.
Das Kontingent für Arbeitskräfte aus Drittstaaten wurde für 2026 auf 90.000 gedeckelt. Das sind 10.000 weniger als in den Vorjahren. Branchenverbände, die angesichts des Arbeitskräftemangels 150.000 Erlaubnisse gefordert hatten, kritisieren diese Kürzung. Die neuen Regeln verbieten es zudem, eine rumänische Arbeitserlaubnis für einen Wechsel in einen anderen EU-Staat zu nutzen.
Steueranpassungen und höherer Mindestlohn
Parallel zu den arbeitsrechtlichen Änderungen müssen sich Unternehmen auf steuerliche Neuerungen einstellen. Eine Steuerbefreiung für Geringverdiener wird schrittweise abgebaut: Von Januar bis Juni 2026 gilt ein steuerfreier Zuschlag von 300 RON (rund 60 Euro) für Vollzeitkräfte mit Mindestlohn. Von Juli bis Dezember sinkt dieser Betrag auf 200 RON.
Zudem steigt der gesetzliche Mindestlohn: Ab dem 1. Juli 2026 beträgt er brutto 4.325 RON (etwa 870 Euro). Auch die Gründungsvorschriften wurden verschärft. Neue GmbHs (SRL) benötigen ein Mindeststammkapital von 500 RON. Bestehende Unternehmen mit einem Umsatz über 400.000 RON müssen ihr Kapital bis zum Ende des folgenden Geschäftsjahres auf 5.000 RON erhöhen.
Steigende Personalkosten und neue gesetzliche Dokumentationspflichten zwingen Unternehmen zu einer exakteren Personalplanung. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen mit praxisnahen Checklisten, wie Sie Ihre Personalbedarfsplanung auf eine faktenbasierte Basis stellen. Kostenlose Anleitung zur Personalbedarfsplanung herunterladen
Hoher Anpassungsdruck für internationale Unternehmen
Die Gleichzeitigkeit dieser Reformen stellt eine der umfassendsten Änderungen des rumänischen Arbeitsrechts der letzten Jahre dar. Die digitale Meldepflicht über das REGES-Online-System und die Gehaltstransparenz-Richtlinie belasten Personal- und IT-Abteilungen stark.
Multinationale Konzerne müssen ihre Gehaltssysteme schnell anpassen. Sie müssen den unbezahlten ersten Krankheitstag implementieren und gleichzeitig interne Gehaltsanalysen durchführen. Für Branchen wie Bau, Logistik und Gastgewerbe, die auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind, verschärft die Kontingent-Kürzung den Fachkräftemangel.
Die nächsten großen Fristen stehen bereits fest: Bis zum 7. Juni 2026 muss die Gehaltstransparenzrichtlinie vollständig umgesetzt sein. Am 1. Juli folgt die Anpassung an den neuen Mindestlohn. Rechtsexperten raten Unternehmen zu proaktivem Handeln, um Strafen und Betriebsstörungen zu vermeiden.
Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Aktien-Empfehlungen - Dreimal die Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos

