Rolls-Royce SMR und Yokogawa entwickeln das „Nervensystem“ für neue Atomkraftwerke
03.02.2026 - 00:13:12Rolls-Royce SMR sichert sich mit dem japanischen Automatisierungsspezialisten Yokogawa einen Weltklasse-Partner für die Steuerung seiner kleinen modularen Reaktoren. Das Ziel: effizientere und später autonome Kernkraftwerke.
In einem strategischen Schachzug für die Zukunft der Kernenergie geht der britische Reaktorentwickler Rolls-Royce SMR eine Partnerschaft mit dem japanischen Konzern Yokogawa Electric ein. Gemeinsam wollen sie die fortschrittlichen Datenverarbeitungs- und Steuerungssysteme für das Small Modular Reactor (SMR)-Programm entwickeln. Yokogawa wird damit zum Lieferanten der Hauptkontrollsysteme für die ersten Reaktoreinheiten – das „zentrale Nervensystem“ für eine künftige globale Flotte.
Die Vereinbarung umfasst den gesamten Zyklus von der Design-Entwicklung über Validierung und Hardware-Bereitstellung bis hin zu Installation und Inbetriebnahme. Ein Großteil der Arbeit wird von Yokogawas britischem Standort in Runcorn bei Manchester sowie von Teams in Tschechien und den Niederlanden geleistet. Die Partnerschaft soll Jobs sichern und die nukleare Lieferkette in Großbritannien stärken.
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Britische Reaktortechnik trifft auf japanische Automatisierungsexpertise
Die Allianz vereint zwei Kompetenzfelder: die erste in Großbritannien seit über zwei Jahrzehnten neu entwickelte Reaktortechnologie von Rolls-Royce mit der weltweit führenden Industrieautomatisierung von Yokogawa. Für den japanischen Konzern ist es ein Einstieg in ein Pionierprojekt der nächsten Kernkraft-Generation.
„Die Zusammenarbeit mit einem Weltklasse-Zulieferer ist ein bedeutender Meilenstein“, sagt Ruth Todd, Operations and Supply Chain Director bei Rolls-Royce SMR. Ein beträchtlicher Teil der Wertschöpfung bleibe in Europa. Yokogawa-Vizepräsident Koji Nakaoka betont die Rolle der Kernkraft als bewährte, kohlenstoffarme Grundlastquelle für die globale Dekarbonisierung.
Die Basis für künftige autonome Reaktoren
Das Data Processing and Control System (DPCS) ist das Herzstück für den sicheren und effizienten Betrieb eines Kernkraftwerks. Es überwacht und steuert alle Prozesse. Die Integration von Yokogawas Technologie soll von Beginn an ein höchst zuverlässiges, ausgeklügeltes System gewährleisten.
Die langfristige Vision geht jedoch weiter: Die entwickelten Systeme bilden die Grundlage für zukünftige autonome Betriebsführung. Der Trend in der Nuklearindustrie, besonders bei fortschrittlichen Reaktoren, geht zu mehr Automatisierung. Sie soll die Sicherheit erhöhen, Betriebskosten senken und die Flexibilität verbessern.
Könnte ein Reaktor künftig seine Leistung selbstständig an die Netznachfrage anpassen? Genau das ist das Ziel. Solche Fähigkeiten werden entscheidend für Stromnetze mit einem hohen Anteil fluktuierender Erneuerbarer wie Wind und Sonne. Moderne Reaktordesigns mit passiven Sicherheitssystemen und robusterer Bauweise machen sie zudem weniger anfällig für Störungen – die ideale Basis für Automatisierung.
Turbo für den weltweiten SMR-Ausbau
Rolls-Royce SMR steht an der Spitze des globalen Trends zu kleineren, in Fabriken vorgefertigten Reaktoren. Jede Einheit soll genug stabilen, emissionsfreien Strom für eine Million Haushalte liefern – und das mindestens 60 Jahre lang.
Das Unternehmen hat bereits bedeutende kommerzielle Erfolge vorzuweisen. In Großbritannien wurde es als bevorzugter Bieter für den Bau der ersten SMRs durch Great British Energy – Nuclear (GBE-N) ausgewählt. Der Standort Wylfa auf Anglesey ist für die ersten Reaktoren vorgesehen, die bis zu 1,5 Gigawatt liefern könnten.
Auch international ist das Interesse groß: Der europäische Versorger ČEZ hat Rolls-Royce SMR für einen möglichen Einsatz in Tschechien ausgewählt. In Schweden ist das Unternehmen einer von zwei Finalisten für ein Projekt mit Vattenfall. Die Partnerschaft mit Yokogawa ist ein weiterer, zentraler Schritt, um die Lieferkette für diese ambitionierten Projekte zu festigen.
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