Rocket Lab Aktie: SpaceX-Börsengang drückt Kurs
25.06.2026 - 19:54:48 | boerse-global.de
Rocket Lab hat binnen vier Wochen fast die Hälfte seines Wertes verloren. Der Kurs fiel am Donnerstag auf 71,00 Euro — ein Rückgang von gut 47 Prozent gegenüber dem Allzeithoch von 133,80 Euro Ende Mai. Was wie eine technische Korrektur aussieht, ist in Wahrheit eine strukturelle Neubewertung.
Der SpaceX-Effekt trifft den falschen Moment
Jahrelang galt Rocket Lab als der nächstbeste Weg, um indirekt in SpaceX zu investieren. SpaceX war nicht börsennotiert — Rocket Lab schon. Diese Knappheitsprämie trieb den Kurs. Mit dem Börsengang von SpaceX ist sie verschwunden.
Der Effekt war sofort spürbar. Als SpaceX seine Anleiheemission im Volumen von 20 Milliarden Dollar ankündigte, fiel Rocket Lab um 7,2 Prozent — an einem einzigen Tag. Anleger fürchten, dass SpaceX nun systematisch Kapital aus dem gesamten Raumfahrtsegment abzieht. Hinzu kommt: SpaceX hatte bereits mehr als 80 Milliarden Dollar im Börsengang eingesammelt.
Am 22. Juni debütierte Rocket Lab offiziell im Nasdaq-100. Die Aufnahme hätte stützen sollen. Stattdessen verlor die Aktie an diesem Tag erneut rund 7 Prozent. Kein Wunder, dass das Vertrauen der Anleger bröckelt.
Insiderverkäufe und Verwässerung verschärfen den Druck
Parallel zur Kursschwäche häufen sich interne Warnsignale. Der General Counsel des Unternehmens verkaufte am 18. Juni Aktien im Wert von rund 9,5 Millionen Dollar. In den vergangenen drei Monaten haben Insider insgesamt 24 Millionen Dollar an Anteilen abgestoßen — netto über zwölf Monate sogar 41 Millionen Dollar mehr verkauft als gekauft.
Die Aktionärsbasis leidet außerdem unter Verwässerung. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg im Jahresvergleich um 25 Prozent. Rocket Lab betreibt ein milliardenschweres At-the-Market-Programm, das neue Aktien bei starker Nachfrage ausgibt. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 45 und einem prognostizierten Umsatzwachstum von 41 Prozent ist die Bewertung ambitioniert — teurer und langsamer wachsend als SpaceX, das selbst als hoch bewertet gilt.
Starke Zahlen, schwache Kurse
Das Paradoxe: Das operative Geschäft läuft gut. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 63,5 Prozent auf 200,3 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand verdoppelte sich auf einen Rekordwert von 2,2 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge erreichte mit 38,2 Prozent nach GAAP und 43 Prozent nach Non-GAAP ebenfalls Bestwerte.
Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen zwischen 225 und 240 Millionen Dollar Umsatz. Das Space-Systems-Segment — gestärkt durch die Übernahmen von Mynaric AG und Motiv Space Systems sowie neue US-Verteidigungsaufträge — macht inzwischen fast zwei Drittel der Erlöse aus.
Die Fundamentaldaten allein reichen offensichtlich nicht aus, um die Stimmung zu drehen.
Neutron als nächster Bewährungstest
Mit einem RSI von 33,5 nähert sich die Aktie überverkauftem Terrain. Der Markt preist eine fundamentale Neubewertung ein — weg vom Proxy-Status, hin zur eigenständigen Bewertung als Raumfahrtunternehmen.
Der entscheidende Katalysator dürfte der Erstflug der Neutron-Rakete sein, der für das vierte Quartal 2026 geplant ist. Neutron-Missionen sollen 50 bis 55 Millionen Dollar pro Start einbringen. Gelingt der Erstflug planmäßig, könnte das die Neubewertung einleiten. Verzögerungen hingegen würden den Abstand zu SpaceX weiter zementieren.
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