Rocket Lab Aktie: Aufnahme in den Nasdaq-100
14.06.2026 - 13:23:46 | boerse-global.de
Gute Nachrichten, schlechter Kurs. Rocket Lab schafft den Sprung in den Nasdaq-100 — und verliert am Tag der Ankündigung fast elf Prozent. Das klassische „Sell the News" trifft hier auf ein Unternehmen, das fundamental wächst, aber strukturelle Risiken mit sich trägt.
Nasdaq-100: Pflichtkäufe ab Montag
Am 12. Juni 2026 bestätigte Nasdaq die Aufnahme von Rocket Lab in den Nasdaq-100, wirksam vor Handelsbeginn am 22. Juni. Die Reaktion war eindeutig: Die Aktie fiel am Ankündigungstag um knapp elf Prozent. Zum Wochenschluss stand ein Kurs von 88,70 Euro — gut 34 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, das erst Ende Mai erreicht wurde.
Ab Montag müssen mehr als 200 Indexprodukte mit zusammen über 800 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen Rocket Lab-Anteile kaufen. Das erzeugt technischen Kaufdruck. Neben Rocket Lab treten Astera Labs, CoreWeave, Nebius und Teradyne in den Index ein. Rocket Lab ist das einzige Raumfahrtunternehmen in der Gruppe — ein Signal, wie weit der Sektor in den Mainstream der Kapitalmärkte vorgedrungen ist.
Starkes Wachstum, aber Verluste bleiben
Die operative Entwicklung gibt dem Kurs eigentlich Rückenwind. Im ersten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Rekordumsatz von 200,3 Millionen Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand kletterte auf 2,2 Milliarden Dollar, rund 20 Prozent mehr als im Vorquartal.
Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen Umsätze zwischen 225 und 240 Millionen Dollar. Das wäre am Mittelpunkt ein weiteres sequenzielles Plus von rund 16 Prozent. Allerdings plant das Management weiterhin ein bereinigtes EBITDA-Minus von 20 bis 26 Millionen Dollar. Hohe Forschungs- und Investitionsausgaben halten den freien Cashflow negativ.
Parallel dazu hat Rocket Lab kürzlich seine 100. Electron-Rakete gefertigt — weniger als neun Jahre nach dem ersten kommerziellen Start im Mai 2017. 2025 absolvierte das Unternehmen 21 erfolgreiche Starts ohne einen einzigen Fehlschlag.
Drei Risiken überlagern die Indexeuphorie
Die Aufnahme in den Nasdaq-100 löst das eigentliche Spannungsfeld nicht auf. Drei Faktoren bestimmen den weiteren Verlauf:
- ATM-Programm: Im Mai 2026 meldete Rocket Lab bei der SEC ein Aktienverkaufsprogramm über bis zu 3 Milliarden Dollar an. 16 Banken — darunter Goldman Sachs, BofA und Morgan Stanley — fungieren als Verkaufsagenten. Das Programm erlaubt schrittweise Aktienverkäufe in den Markt und drückte den Kurs bereits um 6,6 Prozent, als es bekannt wurde.
- Neutron-Erststart: Der erste Start der größeren Neutron-Rakete ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Ein Tankversagen im Januar 2026 hatte den Zeitplan verschoben. Triebwerkstests und Strukturkomponenten sind in Arbeit, Seetests des Landepontons folgen noch.
- Insider-Verkäufe: In den vergangenen drei Monaten haben Führungskräfte Aktien im Wert von 66,9 Millionen Dollar verkauft.
Technisch hält die Aktie knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 87,42 Euro. Der RSI von 43,2 nähert sich überverkauftem Terrain, hat es aber noch nicht erreicht. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 138 Prozent zeigt: Große Bewegungen in beide Richtungen bleiben jederzeit möglich.
Die Q2-Ergebnisse erscheinen voraussichtlich im August. Bis dahin entscheidet vor allem der Neutron-Fortschritt, ob der Kurs die Indexaufnahme als Sprungbrett nutzen kann — oder ob das ATM-Programm den Kaufdruck der Indexfonds neutralisiert.
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