Rimini, Street-Aktie

Rimini Street-Aktie: Zwischen Bewertungsabschlag und Hoffnungen auf die Wende

05.01.2026 - 15:21:52

Rimini Street notiert nahe Mehrjahrestiefs, trotz solider Margen und Wachstum im Wartungsgeschäft. Anleger fragen sich: Value-Chance oder Value-Trap im Nischenmarkt für Unternehmenssoftware-Support?

Die Aktie von Rimini Street Inc, einem Spezialisten für unabhängigen Support von Unternehmenssoftware wie Oracle- und SAP-Systemen, bleibt an der Nasdaq ein Papier für hartgesottene Anleger. Während die US-Börsen insgesamt nahe Höchstständen handeln, notiert Rimini Street deutlich unter früheren Kursregionen – trotz profitabler Quartale und eines stabilen, aber verlangsamten Wachstums. Das Sentiment ist fragil, doch genau darin sehen einige Investoren eine antizyklische Chance.

Zum jüngsten Handelsschluss lag die Rimini-Street-Aktie (Ticker: RMNI, ISIN: US7715651036) nach Daten von Yahoo Finance und Nasdaq bei rund 2,00 US?Dollar je Anteilsschein ("Last Close", übereinstimmend mit mehreren Kursquellen; Zeitpunkt der Kursabfrage: früher US-Handel am aktuellen Berichtstag). Auf Sicht von fünf Tagen zeigt sich eine eher volatile Seitwärtsbewegung um diese Marke, im 90?Tage?Vergleich überwiegt jedoch eine klar negative Tendenz. Die Spanne der vergangenen zwölf Monate unterstreicht den Druck auf das Papier: Das 52?Wochen-Hoch liegt deutlich über dem aktuellen Niveau, das 52?Wochen-Tief nur wenig darunter – RMNI handelt also nahe seiner Jahrestiefs. Das markttechnische Bild wirkt entsprechend angeschlagen, das Sentiment in Summe eher bärisch.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor etwa einem Jahr bei Rimini Street eingestiegen ist, braucht heute starke Nerven. Nach Daten von Nasdaq und weiteren Kursanbietern lag der Schlusskurs von RMNI vor rund zwölf Monaten bei ungefähr 3,00 US?Dollar je Aktie. Ausgehend vom jüngsten Schlusskurs um 2,00 US?Dollar ergibt sich damit ein Kursrückgang von rund einem Drittel.

Die Rechnung ist schnell gemacht: Von etwa 3,00 US?Dollar auf 2,00 US?Dollar entspricht einem Verlust von rund 1,00 US?Dollar je Aktie, also ungefähr 33 Prozent Kursminus innerhalb eines Jahres. Anders formuliert: Ein Investment von 10.000 US?Dollar in Rimini Street wäre in diesem Zeitraum auf rund 6.700 US?Dollar geschrumpft – Dividenden zahlt das Unternehmen ohnehin nicht. Während der breite US-Technologieindex in den vergangenen zwölf Monaten teils kräftige Zugewinne verzeichnen konnte, hinkt Rimini Street damit deutlich hinterher und hat die Benchmark klar verfehlt.

Für Langfrist-Anleger, die schon seit Jahren investiert sind, ist die Bilanz noch schmerzhafter: Historisch notierte die Aktie zeitweise deutlich höher. Dass trotz mittlerweile positiver Ergebnisse unterm Strich kein Kursaufschwung gelingt, nährt die Furcht, es könne sich um eine klassische Value-Trap handeln – ein scheinbar günstig bewerteter Titel, dem der Markt aus strukturellen Gründen dauerhaft misstraut.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen und Wochen war Rimini Street vergleichsweise selten in den Schlagzeilen der großen Wirtschaftsmedien, doch einige Meldungen setzen dennoch Akzente. Zunächst sorgten aktuelle Quartalszahlen, die vor Kurzem veröffentlicht wurden, für verhaltene Reaktionen an der Börse. Das Unternehmen meldete laut Finanzportalen wie Reuters und Yahoo Finance erneut ein solides Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Positiv stach heraus, dass Rimini Street abermals profitabel wirtschaftete – mit einer Bruttomarge, die im Branchenvergleich komfortabel ausfällt, und einem positiven freien Cashflow.

Auf der anderen Seite zeigten sich Investoren enttäuscht über die begrenzte Dynamik im Neugeschäft und vorsichtige Aussagen des Managements zum Tempo weiterer Expansion. Der Nischenmarkt des unabhängigen Enterprise-Supports wächst zwar kontinuierlich, aber nicht mehr in dem Tempo, das Wachstumsinvestoren anzieht. Hinzu kommt: Die großen Softwarehäuser wie Oracle und SAP drängen ihre Kunden zunehmend in Cloud-Abomodelle, was den adressierbaren Markt für klassischen Drittwartungs-Support tendenziell begrenzen könnte. In Kommentaren von US-Tech- und Finanzblogs wurde in den vergangenen Tagen genau dieses Spannungsfeld aufgegriffen: Rimini Street bleibt eine Art Herausforderer im Gefüge zwischen Großkonzernen und deren Bestandskunden – mit Chancen aus der Kostenersparnis der Kunden, aber eben auch mit Gegenwind durch strategische Weichenstellungen der Software-Giganten.

Weitere kursrelevante Ad-hoc-Nachrichten – etwa größere Akquisitionen, bedeutende Rechtsstreit-Entwicklungen oder Strategiewechsel – blieben zuletzt aus. Stattdessen interpretieren Marktteilnehmer die jüngste Kursentwicklung als Phase der technischen Konsolidierung: Das Papier pendelt in einer engen Spanne nahe den Jahrestiefs, das Handelsvolumen ist eher moderat, und kurzfristig orientierte Trader achten verstärkt auf Unterstützungszonen rund um die 2?US?Dollar?Marke.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die Wall Street hält sich bei Rimini Street zuletzt eher bedeckt. In den vergangenen Wochen gab es nur wenige neue Studien großer Häuser, doch die verfügbaren Einschätzungen zeichnen ein klar umrissenes Bild. Nach Zusammenstellungen von Analystenübersichten auf Plattformen wie MarketWatch und Yahoo Finance wird die Aktie derzeit überwiegend neutral bis leicht positiv gesehen. Ein Teil der Research-Abteilungen stuft RMNI als "Halten" ein, einige kleinere Häuser votieren mit "Kaufen", während explizite Verkaufsempfehlungen die Ausnahme bleiben.

Kursziele, die in den letzten Wochen aktualisiert wurden, liegen typischerweise moderat über dem aktuellen Kursniveau. Mehrere Analysten sehen den fairen Wert im Bereich zwischen rund 3,00 und 4,00 US?Dollar je Aktie – also deutlich über dem letzten Schlusskurs, aber klar unter früheren Höchstständen. Damit impliziert der Konsens ein zweistelliges Aufwärtspotenzial, das allerdings mit Risiken behaftet ist. Begründet wird diese Sichtweise vor allem mit folgenden Argumenten: Erstens verfüge Rimini Street über ein wiederkehrendes Geschäftsmodell mit hoher Kundenbindung; zweitens sei die Profitabilität solide; drittens sei die aktuelle Bewertung gemessen an klassischen Kennzahlen wie Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Branchenvergleich attraktiv.

Dem gegenüber steht die Skepsis einiger Marktbeobachter, die vor allem strukturelle Risiken hervorheben. Sie verweisen darauf, dass der unabhängige Support für On-Premise-Software ein Geschäftsmodell ist, das langfristig vom schrittweisen Übergang in Cloud-Umgebungen erodiert werden könnte. Hinzu kommen anhaltende juristische Auseinandersetzungen in der Historie des Unternehmens mit großen Softwareanbietern, die – auch wenn sie zunehmend abgearbeitet sind – immer wieder als Risikoabschlag in die Bewertung einfließen. Insgesamt ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Kein breiter Analysten-Jubel, aber auch kein kollektiver Abgesang – eher ein abwartender, selektiv konstruktiver Blick auf einen Nischenplayer.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate stehen für Rimini Street zentrale Weichenstellungen an. Das Management setzt weiter darauf, Bestandskunden durch Kostenvorteile, verlängerte Supportzyklen und zusätzliche Services – etwa in den Bereichen Datenbank, Middleware und Applikationsbetreuung – an sich zu binden. Parallel versucht das Unternehmen, sein Portfolio stärker in Richtung Cloud- und Hybrid-Szenarien zu öffnen, um nicht ausschließlich vom klassischen On-Premise-Lizenzmodell abhängig zu sein. Strategisch entscheidend wird sein, ob es gelingt, sich als langfristiger Partner auch in modernen IT-Landschaften zu positionieren, während die großen Softwarekonzerne ihre Kunden kompromisslos in eigene Cloud-Plattformen zu ziehen versuchen.

Für Anleger ergibt sich daraus ein differenziertes Chancen-Risiko-Profil. Auf der Habenseite stehen ein profitables, relativ konjunkturresistentes Geschäftsmodell, eine hohe Planbarkeit durch wiederkehrende Wartungserlöse sowie eine im historischen Kontext niedrige Bewertung. Sollte es Rimini Street gelingen, das Wachstum wieder etwas zu beschleunigen – etwa über neue Vertragsabschlüsse mit Großkunden, stärkere internationale Expansion oder den Ausbau höhermargiger Zusatzservices –, könnte der Markt seine Skepsis überdenken. In diesem Szenario wäre eine Neubewertung der Aktie denkbar, bei der sich der Kurs schrittweise von den jüngsten Tiefstständen löst.

Auf der Risikoseite stehen dagegen strukturelle Branchentrends und die Marktmacht der großen Softwareanbieter. Setzen sich Cloud-Subskriptionsmodelle schneller und flächendeckender durch als bislang erwartet, könnte der adressierbare Markt für unabhängigen Support enger werden, als es aktuelle Prognosen suggerieren. Zudem bleibt die Aktie angesichts ihrer geringen Marktkapitalisierung und beschränkten Liquidität anfällig für starke Kursschwankungen schon bei relativ geringen Ordervolumina – ein Faktor, der vor allem institutionelle Investoren vorsichtig agieren lässt.

Für Anleger in der D?A?CH?Region, die auf Nischenwerte aus dem US-Technologiesektor setzen, bleibt Rimini Street damit ein Spezialinvestment. Wer einsteigt, spekuliert auf eine Kombination aus Bewertungsabschlag und unternehmerischer Wende: Die Hoffnung ist, dass das Management die Transformation des Supportmodells in die Cloud-Ära erfolgreich meistert und damit den Kurs von der aktuellen, gedrückten Basis aus belebt. Kurzfristig dürfte die Aktie allerdings sensibel auf jede neue Meldung zu Kundenwachstum, Margenentwicklung oder strategischen Partnerschaften reagieren.

Ob Rimini Street im Rückblick als verpasste Chance oder als warnendes Beispiel für ein strukturell auslaufendes Geschäftsmodell dastehen wird, entscheidet sich nicht in einem einzelnen Quartal. Für risikobewusste Investoren, die bereit sind, Volatilität auszuhalten und genau hinzusehen, bleibt der Titel jedoch ein spannender Beobachtungskandidat – mit der Aussicht auf überdurchschnittliche Renditen, sollte die erwartete Wende tatsächlich gelingen.

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