Rigetti Aktie: 29,4 Prozent Minus seit Jahresbeginn
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 16:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Erst der Absturz, dann die Rettung durch einen Börsengang der Konkurrenz. Die Rigetti-Aktie zeigt diese Woche, wie nervös der Quantencomputing-Sektor auf äußere Schocks reagiert. Am Mittwoch steht das Papier bei 14,26 Euro, ein Plus von 0,99 Prozent.
Nahost-Spannungen lösen Ausverkauf aus
Steigende Ölpreise und eskalierende Spannungen zwischen den USA und Iran schickten Quantencomputing-Aktien zuletzt auf Talfahrt. Rigetti und D-Wave Quantum verloren an einem einzigen Handelstag jeweils rund 8 Prozent. Analysten fanden keine branchenspezifische Nachricht, die den Ausverkauf erklären könnte.
Stattdessen zogen sich Investoren offenbar generell aus volatilen Wachstumswerten zurück. Rigetti erholte sich in der Folge um 2,3 Prozent, nachdem die Aktie zuvor um 7,1 Prozent eingebrochen war. Die Kursschwankungen zeigen, wie stark der Sektor auf geopolitische Risiken statt auf eigene Fundamentaldaten reagiert.
Quantinuum-Debüt belebt den Sektor
Einen neuen Schub lieferte der lang erwartete Börsengang von Quantinuum am Nasdaq. Das Debüt weckte frisches Interesse an Quantencomputing-Aktien und rückte die hochspekulative Branche wieder ins Rampenlicht. Anleger hoffen auf frisches Kapital und eine reifende Branche, die die kommerzielle Nutzung der Technologie beschleunigen könnte.
Rigetti profitiert davon durch technische Fortschritte. Das Unternehmen brachte kürzlich sein 108-Qubit-System Cepheus-1 an den Start und arbeitet schuldenfrei. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 stieg auf 4,4 Millionen US-Dollar, getragen vor allem durch Lieferungen des Novera-QPU-Systems und Forschungsaufträge.
Schwächster Wert unter den Quanten-Konkurrenten
Trotz der jüngsten Erholung bleibt Rigetti das Sorgenkind der Branche. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 29,4 Prozent verloren. Konkurrent IonQ legte im gleichen Zeitraum um 13,4 Prozent zu, während QUBT und QBTS jeweils 22,1 und 28,7 Prozent einbüßten.
Unter den vier großen reinen Quantencomputing-Werten steht Rigetti damit am Ende der Rangliste. Das unterstreicht die Vorsicht der Anleger, während das Unternehmen weiter an seiner kommerziellen Positionierung arbeitet.
Der Kurs liegt derzeit rund 71,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 50,30 Euro aus dem Oktober 2025. Zum 52-Wochen-Tief von 11,00 Euro, erreicht Ende März 2026, beträgt der Abstand knapp 30 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt von 17,61 Euro liegt weiterhin deutlich über dem aktuellen Kurs, ebenso der 200-Tage-Durchschnitt von 20,13 Euro. Der RSI von 38,8 signalisiert Verkaufsdruck, aber noch keine überverkaufte Extremlage.
Analysten uneins über Substanz und Hype
Die Einschätzungen zur Aktie gehen auseinander. Kritische Stimmen verweisen darauf, dass die kommerzielle Nutzung noch in den Kinderschuhen steckt und Profitabilität noch Jahre entfernt liegt. Der Umsatz hängt stark vom Timing großer Systemlieferungen und staatlicher Aufträge ab.
Befürworter sehen dagegen Rigettis differenzierte supraleitende Architektur als Vorteil. Ein wachsendes kommerzielles Ökosystem und eine solide Liquiditätslage sprechen aus ihrer Sicht für das Unternehmen. Fortschritte bei der Technologie-Roadmap und zunehmender Cloud-Zugang könnten die Position langfristig stärken.
Die kommenden Wochen zeigen, ob der Quantinuum-Börsengang dauerhaft frisches Kapital in den Sektor lenkt. Oder ob der Enthusiasmus schnell wieder verpufft, sobald Anleger Rigettis dünne Umsatzbasis und die anhaltende Abhängigkeit von staatlicher Förderung genauer unter die Lupe nehmen.
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