Rigetti, Aktie

Rigetti Aktie: 15 Prozent Wochenverlust im Sektor-Crash

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 11:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Quantencomputer-Aktien wie Rigetti erleben einen massiven Ausverkauf. Der Kurs fiel trotz eines vollen Auftragsbuchs und hoher Liquidität um fast 15 Prozent in einer Woche.

Rigetti Aktie: Quanten-Crash reißt Kurs in die Tiefe
Abstrakte Darstellung des Quantencomputing-Sektors, der einen Marktabsturz und Unsicherheit mit gebrochenem Licht und tiefen Schatten andeutet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Ausverkauf bei Quantencomputer-Aktien kennt derzeit kein Halten. Rigetti Computing schloss am Freitag bei 12,36 Euro, ein Plus von 0,21 Prozent auf Tagesbasis. Das täuscht aber über die wahre Dynamik hinweg: Binnen einer Woche verlor die Aktie fast 15 Prozent.

Der ganze Sektor bricht ein

IonQ, Rigetti und D-Wave notieren mittlerweile alle zwischen 60 und 76 Prozent unter ihren 52-Wochen-Hochs. Allein in der vergangenen Woche büßte die Gruppe weitere 17 bis 20 Prozent ein. Analysten sprechen von einem klassischen Hype-Zyklus, der jetzt in sich zusammenfällt.

Die Story dahinter ist einfach. Der Sektor stieg im vergangenen Jahr auf reiner Spekulation. Jetzt trifft die Realität: keine nennenswerten kommerziellen Umsätze, keine fehlertolerante Hardware, dafür eine brutale Rotation weg von riskanten Tech-Werten.

Wie stark die Skepsis mittlerweile sitzt, zeigt sich an gehebelten Short-Produkten. Während Rigetti in der vergangenen Woche 9 Prozent verlor und im Monatsvergleich sogar 29 Prozent, legte der Defiance Daily Target 2x Short RGTI ETF im selben Zeitraum um 23 respektive 69 Prozent zu. Marktbeobachter führen die Schwäche vor allem auf eine breitere Umschichtung weg von teuren Tech-Positionen zurück, weniger auf unternehmensspezifische Probleme.

Auf der Quantum.Tech World Conference machten Analysten von Bank of America das strukturelle Problem klar: Der Industrie fehlen kommerziell relevante Algorithmen und fehlertolerante Hardware für einen echten Quantenvorteil. Der Philadelphia Semiconductor Index ist seit seinem Juni-Hoch bereits um mehr als 19 Prozent gefallen. Schwäche bei großen Tech-Werten verstärkt den Druck auf hochbewertete Quanten-Aktien zusätzlich.

Auftragseingänge reichen nicht als Gegenmittel

Rigettis Auftragsbuch wächst trotz der Kursmisere weiter. Der meistzitierte Referenzauftrag bleibt der Liefervertrag mit dem indischen Centre for Development of Advanced Computing über ein 108-Qubit-System. Analysten diskutieren nun, ob dieser Deal die verbleibende Bewertungsprämie der Aktie überhaupt noch rechtfertigt.

Der Auftrag kann langfristige Umsatzerwartungen stützen. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz durch Anbieter wie IQM, während komplexe Regierungs- und Forschungsprojekte immer auch Ausführungsrisiken bergen. Diese Gemengelage begrenzt, wie viel Investoren aktuell bereit sind zu zahlen.

Die Spanne zwischen Erzählung und Fundamentaldaten zieht sich durch praktisch jede aktuelle Einschätzung zur Aktie. Auf Dreijahressicht steht eine sehr hohe Gesamtrendite zu Buche, während aktuelle Bewertungskennzahlen eher teuer als günstig wirken. Die Kernfrage: Kann Rigetti komplexe Verträge schnell genug umsetzen, um die Prämie zu verteidigen? Oder setzt der Markt die Erwartungen zurück und drückt das Bewertungsniveau Richtung Sektordurchschnitt?

Eine separate Betrachtung kommt zu einem ähnlichen Schluss. Die Einjahresrendite für Aktionäre liegt bei 26,65 Prozent, doch die jüngste Dynamik hat sich deutlich abgekühlt. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 23,21 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 31,74 Prozent Verlust – trotz Vertragsgewinnen und anhaltendem Interesse an der Hardware.

Die Bilanz bleibt der Anker

Trotz des Kursrutsches gilt Rigettis Finanzlage weiterhin als Puffer gegen kurzfristige Nöte. Im ersten Quartal, das am 31. März 2026 endete, meldete das Unternehmen 4,4 Millionen Dollar Umsatz bei einem operativen Verlust von 26,0 Millionen Dollar. Der Kassenbestand aus liquiden Mitteln und verfügbaren Wertpapieren summierte sich zum Stichtag auf 569,0 Millionen Dollar.

Dieses Polster finanziert die laufende Chip-Entwicklung und die internationale Expansion – auch wenn der Aktienkurs weit unter seinen Oktober-Höchstständen verharrt.

Aktuell notiert die Aktie rund 75 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 50,30 Euro und nur noch 12 Prozent über dem Tief von 11,00 Euro, das Ende März markiert wurde. Der 14-Tage-RSI liegt bei 31,5 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Bei einer annualisierten Volatilität von über 75 Prozent dürften die Kursausschläge in beide Richtungen ausgeprägt bleiben, solange der Sektor seine Risikoabbau-Phase noch verarbeitet.

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