Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: Überreaktion oder Vertrauensbruch?

25.06.2026 - 13:42:49 | boerse-global.de

Nach dem Kurseinbruch von fast 19 Prozent bewerten Analysten den Fregatten-Verlust unterschiedlich. Neue Satelliten-Projekte könnten den Rückschlag abfedern.

Rheinmetall Aktie: Analysten uneins nach Fregatten-Verlust
Rheinmetall - Futuristische holografische Darstellung von Börsentrends. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nach dem Kurseinbruch von fast 19 Prozent am Mittwoch suchen Anleger Orientierung: Wie viel Schaden hat der verlorene Fregattendeal wirklich angerichtet? Die Antworten der Analysten fallen bemerkenswert unterschiedlich aus.

Was tatsächlich auf dem Spiel stand

Die Bundesregierung entschied sich, acht Fregatten vom Typ F-126 bei TKMS und nicht bei Rheinmetall bauen zu lassen. Der Kursrutsch kostete das Unternehmen über zehn Milliarden Euro Marktkapitalisierung — die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit Februar 2025. DZ-Bank-Analyst Holger Schmidt rechnet dagegen, dass der operative Gewinn aus dem entgangenen Auftrag insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro betragen hätte — verteilt über viele Jahre. Der Markt hat also ein Vielfaches des tatsächlichen Gewinnverlusts eingepreist.

Kein Wunder, dass Citigroup-Analyst Charles Armitage den Mittwochsrutsch offen als Überreaktion bezeichnete. Schmidt selbst formulierte es plastisch: Der Deal "tut weh, ist aber kein Schiffbruch." Er sieht allerdings einen klaren Rückschlag für Rheinmetalls Ambitionen im Marine-Geschäft und senkte seinen fairen Wert von 2.188 auf 1.705 Euro — die Kaufempfehlung behielt er.

Analysten bleiben bullisch, aber nicht einig

Jefferies-Analystin Chloe Lemarie deutet den Kursrückgang anders. Dass die Aktie weit mehr verloren habe als der erwartete Gewinnbeitrag des Auftrags rechtfertigen würde, zeige einen tieferliegenden Vertrauensverlust der Anleger. Ihre Kaufempfehlung ließ sie dennoch bestehen, kappte das Kursziel aber um knapp ein Drittel auf 1.300 Euro.

Die Kursziele der drei Häuser liegen damit zwischen 1.300 und 1.705 Euro — ein breiter Spread, der das gespaltene Bild zur künftigen Positionierung widerspiegelt.

Ein weiteres Signal kommt aus dem Insiderbereich: Die Ehefrau von Aufsichtsratsmitglied Ulrich Grillo kaufte am Mittwoch — auf dem Tagestief — Rheinmetall-Aktien zu 951,20 Euro.

Neues Geschäft als Gegengewicht

Parallel zu den Fregatten-Diskussionen arbeitet Rheinmetall am Aufbau neuer Standbeine. Gemeinsam mit OHB hat das Unternehmen das Joint Venture "OHB Rheinmetall Space Networks" gegründet und bewirbt sich damit beim Bundesverteidigungsministerium um den Auftrag für das militärische Satellitenkommunikationssystem SATCOMBw 4. Bei einem gemeinsamen Industrietag brachten beide Unternehmen fast 80 mittelständische Firmen und Start-ups als potenzielle Zulieferer zusammen — ein früher strukturierter Aufbau eines Netzwerks für ein Projekt, das erhebliches Volumen versprechen könnte.

Der nächste Lackmustest für die Aktie dürfte die Frage sein, ob Rheinmetall den Marine-Rückschlag durch neue Aufträge kompensieren kann — der SATCOMBw-4-Zuschlag wäre dafür ein erster konkreter Schritt.

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